Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Infant Finches

Infant Finches – Sci-Fi Immune

Ist das eine Live-Band oder wurde das Material kräft bearbeitet? Exakt diesen Effekt wollen Infant Finches mit ihrer Musik erzeugen. Das Duo Jan Philipp und Frederik Bruun machte mit seinen ersten beiden EPs bereits von sich reden – eine spannende Angelegenheit zwischen den Stühlen, die gerne mal im besten Sinne an alt-J erinnern kann und sich doch sympathisch von den britischen Kollegen abhebt. Die stete Suche nach der cleversten Wendung, ohne sich dabei bewusst zu verrennen, zeichnet auch das erste Album „Sci-Fi Immune“ aus – eine im besten Sinne experimentelle und doch so wunderbar organische Platte.

Weiterlesen
Trixsi

Trixsi – …And You Will Know Us By The Grateful Dead

Eigentlich keine Überraschung, dass „Frau Gott“ so gut geworden war: Die durchaus prominenten Namen hinter Trixsi bürgen für Qualität und fanden schnell einen gemeinsamen musikalischen Nenner. Und nu? Zwei Jahre später wird einfach nachgelegt, ganz lässig und ungekünstelt. Das Quintett sagt von sich selbst, es wolle das sprichwörtliche Rad – eigentlich Räder – nicht neu erfinden. Stattdessen setzt es den nunmehr bekannten Mix aus Indie, Alternative, Post und Punk mit dosiger Verpackung. „…And You Will Know Us By The Grateful Dead“ trägt einen großartigen Titel. Ist das alles?

Weiterlesen
Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS?

Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? – Maine Coon

Starker Bandname mit musikalischer Substanz: Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? sind natürlich ein Hingucker und erzeugen Aufmerksamkeit. Hinter der sperrigen Dehnung stecken drei finnische Musiker:innen mit einem Faible für Garage Rock, dem ein wichtiges Instrument fehlt: die Gitarre. Stattdessen werden Synthesizer eingesetzt, die den Throwback-Aspekt des Trios zu unterstützen wissen. Auf „Maine Coon“ setzt es eine halbe Stunde zwischen Garage, Punk, Indie, Pop, Grunge und Alternative mit himmlischen Melodien und abgründgigen Texten.

Weiterlesen
The Ballet Bombs

The Ballet Bombs – Mutations

Ein waschechter Geheimtipp stöpselt die Instrumente ein und rockt los: The Ballet Bombs könnte man als Roadburn-Fan bereits kennen. Dort waren sie bereits 2020 als Special Guest eingeladen und traten im Vorjahr schließlich bei der Online-Variante auf. Das Trio aus dem niederländischen Eindhoven wird augenzwinkernd „Blink 182 des Garage Fuzz“ aufgrund ihrer Mischung aus Stoner, Fuzz, Garage und Glam genannt – kurzweilig, eingängig und zugleich herrlich roh. Zwischen Wall of Sound und Melodie wartet die pure Wucht. Ein erstes Album soll Anfang 2023 folgen, doch schon jetzt gibt es mit „Mutations“ eine komplett live eingespielte EP, welche den Derwisch-Charme der Niederländer einfängt.

Weiterlesen
Alfie Templeman

Alfie Templeman – Mellow Moon

Im Teenageralter tauchte Alfie Templeman mit seinen EPs gefühlt aus dem Nirgendwo auf und erzeugte sofort einen Mini-Hype um seine sympathischen Songs, die sich irgendwo zwischen Declan McKenna, Los Retros und Dayglow ein Plätzchen suchten. Die Pandemie setzte dem jungen Briten ordentlich zu, aufgrund einer Atemwegserkrankung musste er sich isolieren, hatte mit seiner mentalen Gesundheit zu kämpfen. Aus dem anfänglichen Versteckspiel wurden selbstbewusste neue Songs, die jetzt in einem ersten Album münden. „Mellow Moon“ bestätigt die Vorschusslorbeeren mit sympathischer Lässigkeit, die man einem 19jährigen eigentlich nicht zutrauen würde.

Weiterlesen
Slang

Slang – Cockroach In A Ghost Town

Seit über einem Jahrzehnt machen Drew Grow und Janet Weiss gemeinsam Musik, doch scheinen Slang trotzdem aus dem Nirgendwo gekommen zu sein. Die Band um aktuelle und ehemalige Mitglieder so illustrer Bands wie Sleater-Kinney, Wild Flag und The Thermals wuchs erst im Laufe der Zeit zum Quartett an und taucht nun – gefühlt – ebenso plötzlich mit einem ersten Album an. Auf „Cockroach In A Ghost Town“ gibt es einen Mix aus Indie und Alternative mit allerlei Prominenz von Stephen Malkmus (Pavement) über Sam Coomes (Quasi) bis hin zu Mary Timony (Wild Flag) zu hören.

Weiterlesen
Kellermensch

Kellermensch – Capitulism

Alle heiligen Zeiten tauchen Kellermensch wieder aus der im Bandnamen verankerten Versenkung auf und bringen neue Musik unter das Noir-wütige Volk. So landet nun das ‚erst‘ dritte Album in elf Jahren. Bislang lohnte sich die Wartezeit stets, denn die Dänen verstehen es perfekt, ihre Düsternis in frische, aufregende Songs zu pressen. Die letzten beiden Jahre trugen selbstverständlich zum Sound und zur Präsentation von „Capitulism“ bei. Sie hätten sich noch nie so sehr verausgabt, gibt das Sextett zu Protokoll. Das glaubt man ihnen anhand dieser neuen Finsterperlen gerne.

Weiterlesen
Steve Earle & The Dukes

Steve Earle & The Dukes – Jerry Jeff

Tribute-Platten sind keine Seltenheit im Fundus von Steve Earle – für große Wegbegleiter wie Townes Van Zandt und Guy Clark, aber auch für seinen eigenen Sohn. Im Oktober 2020 erlagt Jerry Jeff Walker seinem Krebsleiden im Alter von 78 Jahren. Walker, dessen bekanntester Song ohne Frage das vielfach gecoverte „Mr. Bojangles“ ist, zählte zu Earles frühesten Vorbildern. Später sollte er zu Walkers Fahrer werden und unter seiner Ägide einem gewissen Neil Young vorspielen. „Jerry Jeff“ widmet sich dem Fundus des alten Freundes.

Weiterlesen
Dehd

Dehd – Blue Skies

Die überaus umtriebigen, sympathischen Dehd klopfen seit geraumer Zeit an der Pforte zum großen Durchbruch. Erst 2015 gegründet, veröffentlicht das Trio aus Chicago bereits sein viertes Album. Nach dem verdient gefeierten „Flower Of Devotion“ stehen sie nun bei Fat Possum unter Vertrag, wo der pulsierende, gelegentlich verträumte Indie-Sound eine wunderbare Bühne erhält. Wie schon der Vorgänger widmet sich „Blue Skies“ Hoffnung in allen Formen, bezieht Kraft aus Rückschlägen und sucht nach lebensbejahenden Wegen nach vorne.

Weiterlesen
Slut

Slut – Are We Bored My Dear

Was war das für ein furioses Studio-Comeback! Im Juni 2021 meldeten sich Slut nach viel zu langer Zeit mit „Talks Of Paradise“ zurück und beschritten neue Pfade, ohne sich komplett von den Wurzeln abzuwenden. Mehr Elektronik und kunstvolle Art-Einschübe sorgten für einen in dieser Form unerwarteten Leckerbissen. Wenn es im Mai und Juni endlich wieder auf die Bühne gibt, dann haben die Bayern eine limitierte EP am Start, die (neben der allgemein erhältlichen digitalen Ausgabe) als Vinyl nur bei ihren Konzerten verkauft wird. „Are We Bored My Dear“ vereint vier weitere Exkurse der jüngsten Studio-Session.

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?