Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Villagers

Villagers – Fever Dreams

Conor O’Brien wollte eine Platte schreiben, die zum Lächeln bringt und zugleich Platz für etwas Reflektion lässt. Der Weg zum fünften Villagers-Album war alles andere als einfach. Eigentlich war der Großteil der Musik bereits Anfang 2020 aufgenommen, dann musste O’Brien Lockdown-bedingt selbst in einem kleinen, engen Studio weitermachen. Das Chaos dieser Zeit ließ die neuen Songs zu einer Wundsalbe für die Seele reifen. „Fever Dreams“ klingt in etwa so, wie es der Titel andeutet: bunt, schillernd, etwas überdreht und sehr unwirklich, aber doch irgendwie warm und behaglich.

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Duchamp

Duchamp – Slingshot Anthems

Im Mai 2020 meldete sich Peter Tiedeken (u. a. Pale, The Robocop Kraus) bei seinem alten Kumpel Ingo Knollmann (Donots) und hatte ein paar instrumentale Demos am Start. Knollmann ließ sich nach knapp 15 Jahren Funkstille zu ein paar Gesangsaufnahmen hinreißen, wenig später stand eine komplette Band. Bei Duchamp wirken zudem Christian Kruse (Adam Angst, Waterdown) und Benni Thiel (Schrottgrenze) mit, der Sound orientiert sich an Old-School-Hardcore und East-Coast-Punk der 80er und 90er. „Slingshot Anthems“ widment sich den kantig-melodischen Pionieren und holt sich zudem ein paar Jugendhelden als Gäste ins Boot.

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Orla Gartland

Orla Gartland – Woman On The Internet

Schon früh fühlte sich Orla Gartland zur Musik hingezogen. Mit 14 Jahren veröffentlichte sie erste Eigenkompositionen auf YouTube, weil sie für Open-Mic-Auftritte noch zu jung war. Später zog die gebürtige Irin nach London, wurde schnell Teil einer Community von Musiker*innen um dodie, zu deren Tour-Band sie schon bald gehörte. Zwischendurch schrieb Gartland weiterhin eigene Songs und veröffentlichte diverse EPs, die bis heute über 55 Millionen Streams anhäufen konnten. Für das Debütalbum „Woman On The Internet“ setzte sich die 26jährige intensiv mit sämtlichen Aspekten des Songwriting- und Aufnahmeprozesses auseinander. Diese Hingabe lohnt sich.

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Jade Bird

Jade Bird – Different Kinds Of Light

Mit ihrem erfrischend direkten, furchtlosen Debütalbum katapultierte sich Jade Bird aus dem Stand in die versammelten Indie- und Folk-Herzen. Gut zwei Jahre später trifft der gesammelte Schatz an Erfahrungen auf den ach so schwierigen Nachfolger. Und, siehe bzw. höre da, trotz ihrer gerade einmal 23 Jahre wirkt Bird fokussiert und selbstsicher. „Different Kinds Of Light“ ist ein Album der Selbstentdeckung und der Entwirrung, das Liebe, Beziehnungen und Erinnerungen in ein neues Licht rückt und dabei sympathische Geschichten erzählt.

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alexalone

alexalone – ALEXALONEWORLD

Chaos ist überall in der Welt von alexalone. Das Quartett um Alex Peterson (they/them) sucht und findet experimentelle Gitarrenklänge, die Gaze- und Fuzz-Charme mit Art- und Noise-Kaskaden bombardieren. Nach einer Fülle an Singles und EPs wagt sich die Band aus Austin, Texas an ein komplettes Album. Dafür erzeugen sie eine komplette Welt, die „ALEXALONEWORLD“, in der nichts so ist, wie man es sich erwartet, während die Künstlerseele im steten Konflikt mit den eigenen, betont widersprüchlichen Emotionen steht.

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Disso!ver

Disso!ver – Lagerkoller

Im November 2019 und Januar 2020 spielte Exil-Saarländer Roman Biewer, Sänger und Gitarrist von The Lo-Fi Fair, mehrere Jam-Sessions mit Mitgliedern von Flying Moon In Space, Lovely Heron und Camera. Letztere sollte er im Anschluss auf Tour begleiten, dann kam jedoch die Pandemie dazwischen und die Musik wurde anderweitig verwurstet. Ein Teil davon landete auf der aktuellen Camera-Platte „Posthuman“, der Großteil war jedoch für „Lagerkoller“, den Einstand von Biewers Ein-Mann-Projekt Disso!ver, vorgesehen. Hier distanziert er sich von seiner Indie-Gegenwart und Metal-Vergangenheit und tauscht diese gegen eine krautige Zukunft ein.

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Quicksand

Quicksand – Distant Populations

Nach 22 Jahren Pause wärmen sich Quicksand gerade erst auf. „Interiors“ war ein gutes Comeback für die Post-Hardcore-Veteranen, die während der dazugehörigen Tour Gitarrist Tom Capone verloren und seither als Trio weitermachen. Und zwar tatsächlich genau das, denn Walter Schreifels, Savio Vega und Alan Cage haben trotz unzähliger anderer Projekte tatsächlich eine weitere Quicksand-Platte auf die Beine gestellt. „Distant Populations“ befasst sich mit der Eigentümlichkeit einer Gesellschaft, die gleichzeitig enger denn je verbunden und doch weit voneinander entfernt ist.

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Jungle

Jungle – Loving In Stereo

Nach eineinhalb miesen Jahren wäre ein Besuch in der Disco gar nicht mal verkehrt. Ob man nun unter Menschen möchte oder nicht, Jungle holen den stilvollen Retro-Tanzschuppen in die eigenen vier Wände. Das britische Produzentenduo Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland erreichte mit den beiden bisherigen Platten die Top 10 in der Heimat, das selbstbenannte Debüt war sogar für den prestigeträchtigen Mercury Prize nominiert. Für „Loving In Stereo“ schlossen sich Jungle mehr oder minder ein Jahr lang im Studio ein, mit ein paar ausgewählten Freunden, und schrieben den passenden Soundtrack für die große Post-Lockdown-Euphorie.

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Smiling

Smiling – Devour

Als Smiling 2015 loslegten, hießen sie noch Annie Girl And The Flight. Das Projekt von Annie Shaw supportete unter anderem Against Me! und ging bereits 2016 ins Studio, um das Debütalbum live auf einem 16-Track-Analog-Tape aufzunehmen. Diverse Nachbearbeitungen, Umzüge und Pandemie-Verschiebungen stellten allredings die Geduld auf die Probe. Nun kommt das Projekt doch noch um die Ecke unter neuem Namen, aber mit zeitlosem Elan. Beißender Indie Rock, psychedelische Zwischentöne und eine kräftige Portion Shoegaze machen aus „Devour“ einen wilden und zugleich gefühlvollen Leckerbissen.

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IDER

IDER – shame

Megan Markwick und Lily Somerville mussten erst wieder zu sich selbst finden, um erfolgreich IDER sein zu können. Sie verließen ihre Plattenfirma und stellten sich auf eigene Beine, schrieben neue Songs zwischen Berlin und London im Angesicht der Corona-Pandemie, und bemühten sich um ein erneuertes Gefühl von Selbstakzeptanz, das auch gleich zum Leitmotiv der neuen Platte wurde. Diese heißt „shame“ und reizt die Alternative-, Indie- und Pop-Konzepte des Duos gekonnt aus, ohne dabei auf das eingängige Momentum zu verzichten.

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