Kategorie: Reviews & Previews

Gluecifer

Gluecifer – Same Drug New High

Riffs galore mit Ankündigung: 2005 verabschiedeten sich die norwegischen Rocker Gluecifer nach einer ausgedehnten Abschiedstournee, mit einem stattlichen Vermächtnis an Musik und dem einen oder anderen Nachfolgeprojekt im direkten Anschluss. 2018 feierte das Quintett ein Comeback in Fast-Kernbesetzung (einzig Peter Larsson am Tieftöner ist neu dabei), nun gibt es tatsächlich noch einmal neues Material. „Same Drug New High“, das erste komplette Studioalbum seit über 21 Jahren, zeigt eindrucksvoll, warum Gluecifer zu den wichtigsten Scandi-Rock-Vertretern Ende der 90er und Anfang der 2000er zählten, und weiterhin verdammt relevant bleiben.

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Marianas Rest

Marianas Rest – The Bereaved

Finnland, das ist neben Sauna, der Sisu-Mentalität und der Hauptstadt Helsinki vor allem auch lange Winter, endlose Landschaften und wilde, karge Moore – ungefähr die Stimmung also, die auch auf dem Cover des neuen Marianas Rest-Albums „The Bereaved“ abgelichtet ist. Die Musik der Band klingt dementsprechend: schwerer, aber doch erhabener Death Doom Metal mit gelegentlichen Post Rock-Einschüben bestimmt den Sound des finnischen Sextetts. 2013 in Kotka im Südosten des Landes gegründet, erschien das Debütalbum „Horror Vacui“ im Jahr 2016. „The Bereaved“ ist bereits Marianas Rests fünfte Scheibe und setzt ihren musikalischen Pfad konsequent fort – will heißen: Der Sound bleibt wuchtig und schwer, die emotionale Intensität hat sich aber noch deutlich gesteigert.

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Salvage Art

Salvage Art – konform

Electro-Veteran Roger Van Lunteren, der seit den 1990ern fleißig Songs und Alben veröffentlicht, und Thomas Mersch von Kratzen machen als Salvage Art gemeinsame Sache. Auf ihrem Streifzug durch vergangene Jahrzehnte nehmen sie unter anderem Kraut-Weisheiten, New Wave und Synthie-Pop mit und befeuern damit eine nicht näher genannte Zukunft. Bei allem Bruch mit einigermaßen vermeintlichen Konventionen trägt „konform“ einen angenehm ironischen Titel, und doch macht das zweite Album der beiden Kölner im schönsten Sinne ernst.

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Imarhan

Imarhan – Essam

Imarhan tragen den Klang der Wüste in den Rest der Welt hinaus. Das algerische Quintett verbindet klassische Tuareg-Klänge mit Blues und Desert Rock, mit folkloristischem Charme und gelegentlicher Psychedelia sowie Elektronik versehen. Ihr mittlerweile viertes Album setzt sich mit schweren Themen auseinander. „Essam“ ließ sich unter anderem vom Konflikt an der algerisch-malischen Grenze, von politischer Instabilität in der Sahara, aber auch von den Unruhen im Zuge der letzten Pandemiejahre inspirieren. Zugehörigkeit und Entwurzelung treten in nahezu konstanten Konflikt.

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Together Pangea

Together Pangea – Eat Myself

Schon wieder viel zu viel Zeit vergangen, möchte man meinen: Together Pangea präsentieren ihr erstes post-pandemisches Album, zugleich ihre erste reguläre Platte seit über vier Jahren. Zwar war das Trio aus Kalifornien alles andere als untätig, tourte immer wieder und veröffentlichte akustische Kleinformate, doch gab es eben auch andere Dinge zu tun. Zwei der drei Musiker heirateten und wurden Väter, die Prioritäten verschoben sich ein wenig. Zugleich konnte man im Vorjahr erstmals beim Coachella auftreten und ein sich damit einen großen Wunsch erfüllen. „Eat Myself“ ist nun ihr sechstes Studioalbum, klingt stellenweise ein wenig düsterer und zugleich ruhiger, ja sogar etwas hoffnungsvoll.

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Dry Cleaning

Dry Cleaning – Secret Love

Chicago. Dublin. Das Loiretal. Dry Cleaning kamen bei den Arbeiten an ihrem dritten Album viel herum. Mit den ersten beiden Alben rannte das Londoner Quartett offene Türen ein, zwischen zuweilen stoischen Post-Punk-Arrangements, kauzigem No Wave und bewusstseinserweiternden Spoken-Word-Texten. Sessions wurden bei Jeff Tweedy von Wilco, Alan Duggan und Daniel Fox von Gilla Band sowie in der Black Box von Cate Le Bon abgehalten, die das neue Album schlussendlich produzierte. Im Songwriting rückte die Band enger zusammen, Florence Shaw ließ sich und ihre oft spontan anmutenden Texte gerne mal etwas lenken. „Secret Love“ hievt zwielichtige Gestalten in ungewohnte Umgebungen.

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Beans On Toast

Beans On Toast – Kill Them With Kindness

Der 1. Dezember ist ein Grund zum Feiern – für Folk-Veteran Jay McAllister, dessen Geburtstag es ist, doch auch für seine Fans, denn an diesem Tag erscheint jählich ein neues Album unter seinem Pseudonym Beans On Toast. Seit 2009 bringt diese liebgewonnene Traditionen wieder und wieder feine Songperlen und kleine Überraschungen hervor. Dieses Mal ging Beans mit seiner Live-Band ins Studio – zum ersten Mal, obwohl man bereits seit Jahren gemeinsam auf der Bühne steht. Eben das macht sich bezahlt, denn „Kill Them With Kindness“ profitiert vom hörbaren Verständnis unter den arrivierten Musikern.

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Teen Jesus And The Jean Teasers

Teen Jesus And The Jean Teasers – Glory

Wenn es läuft, dann so richtig: Teen Jesus And The Jean Teasers schweben auf einer Welle des Erfolgs, gerade in ihrer australischen Heimat. Ihr erstes Album platzierte sich in den Top 10, 2024 nahmen sie den prestigeträchtigen ARIA Award als beste Newcomer entgegen, zudem supporteten sie unter anderem Foo Fighters und Pearl Jam. Für den Nachfolger konnte man die mit drei Grammys ausgezeichnete Catherine Marks gewinnen, die unter anderem bereits Boygenius und Wolf Alice produzierte. „Glory“ bleibt jedoch dem geschmackvoll drastischen, angepunkten und zugleich drückenden Sound des Vorgängers treu.

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Jonathan Jeremiah

Jonathan Jeremiah – We Come Alive

Einer der besten Songwriter dieser Zeit fliegt weiterhin komplett unverdient unter dem Radar. Die Rede ist von Jonathan Jeremiah, dessen butterweiche und gefühlvolle Musik erneut komplett eigene Schubladenkästen bastelt und großartige Geschichten erzählt. Auch sein neuester Streich bringt alles mit, was man gemeinhin im weiten Kopfkino-Sektor verortet. Mit dem gängigen Optimismus war es dieses Mal gar nicht so einfach, denn „We Come Alive“ verarbeitet unter anderem den Tod des Vaters, setzt sich mit zentralen Fragen rund um Zugehörigkeit, Identität und Herkunft auseinander, und lässt zugleich zunehmend unbequeme globale Geschehnisse nie komplett aus den Augen.

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Tape Trash

Tape Trash – Eden

Darauf definitv kein Amen: Ihr im Herbst 2023 erschienener Einstand „Tape Trash 4-Ever“ gilt nach wie vor als Indie-Geheimtipp, voller Herz und Hirn, Melodien und Kanten. Das norwegische Duo Tape Trash befasste sich seither mit einem Strauß an Konflikten – vom musikalischen Hintergrund über das Verhältnis von Emotionen zu Genre-Treuheit (Emo ist hier als reiner Gefühlsausdruck zu verstehen) bis hin zu Glaubensfragen. „Eden“ wurde nach dem Verlust des eigenen Glaubens geschrieben und versucht eine Welt jenseits der Religion für sich zu entdecken, nahezu konstant zwischen gewonnener Freiheit und allumfassender Trauer gefangen.

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