Volores – Shores Of Scorpio

Volores
(c) Rookie Records / Flight13 Records

Das Ehepaar Shelby und Nathen Maxwell (Bassist bei Flogging Molly) bemüht sich als Volores um spannende, emotional aufgeladende Indie- und Alternative-Klänge mit einer gesunden Prise Goth, Post Punk und Americana. Nach einem immersiven ersten Album stellte eine kapitale Enthüllung das Leben von Sängerin Shelby auf den Punkt: Ihr leiblicher Vater war nicht der Mann, für den sie ihn gehalten hatte. Daraus ergab sich die Suche nach einem eigentlichen Zuhause für eine Person, die sich stets fehl am Platze gefühlt hatte. „Shores Of Scorpio“ begleitet die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.

Zu den Herzstücken dieser Platte zählt ohne Frage „The Paperboy“. Der lebensverändernde DNA-Test trifft ein und Shelby Maxwell arbeitet sich erst zögerlich und erschüttert, dann laut und bestimmt in diesen Song. Ein prominenter Basslauf und ein mächtiger, massiver Refrain sind die Hauptzutaten für ein kraftvolles Alternative-Powerhouse, das widersprüchliche Gefühle überaus stark veranschaulicht. Die eigentliche Konfrontation tritt erst viel später auf, wenn „The Matador“ das rote Tuch mit Gusto zerschneidet und kathartische Schwerfälligkeit in Richtung Siedepunkt treibt. So etwas wie Fassung wurde längst aufgegeben, wiewohl die Anmut des Songs beeindruckt.

Beeindruckend ist ebenso die musikalische Bandbreite dieses zweiten Albums. Düstere Schwere, Goth- und Post-Punk-Vibes begleiten „The Fortune Teller“ und sorgen für eine gewisse Beklemmung, aufgelöst durch trügerische Süße. Holz wird bestenfalls geraspelt. Der Ohrwurm „The Actor“ lässt die Gitarren jubilieren. Schrammelnde Indie-Wände und eine weitere mächtige Hook brennen sich ebenso ein wie der kraftvolle Titelsong „Shores Of Scorpio“ im Anschluss, dessen Chorus ebenfalls nicht loslässt. Die versuchte Akzeptanz in „The Cosmonaut“, die mit Zerbrechlichkeit sowie der Erkenntnis, Heilung könne nur aus dem Inneren kommen, ringt, erweist sich als understatetes Highlight.

Ein grandioses Duo ringt um Fassung und bezieht Kraft aus dem Gemeinsamen, aus der Chosen Family: Frust, Schmerz, Unverständnis und (anfängliche) Orientierungslosigkeit sind in jeder Note, in jeder Zeile greifbar. Nathen und Shelby Maxwell machen aus der privaten Katastrophe große Kunst. „Shores Of Scorpio“ erweitert die eigene musikalische Palette, bringt nach wie vor eine gesunde Portion Düsternis, bittere Süße sowie leichtes Americana-Flair mit. Zugleich wirken die neuen Tracks eine Spur kraftvoller, massiver und zugleich fragiler. Dieser komplizierte Spagat gelingt dem Duo hervorragend – ein auf allen Ebenen packender, mitreißender Zweitling.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 20.02.2026
Erhältlich über: Rookie Records / Flight13 Records (Indigo / The Orchard)

Website: volores.com
Facebook: www.facebook.com/volores