Schlagwort: Art Rock

New Miserable Experience

New Miserable Experience – Gild The Lily

Aktuelle und ehemalige Mitglieder von Rosetta, Revocation und Rivers Of Nihil beschreiten neue Pfade. Während zumindest die beiden letzteren Bands für anspruchsvolle, technisch versierte Metal-Härte bekannt sind, haben New Miserable Experience damit herzlich wenig zu tun. Das Quintett aus Philadelphia versteht sich auf kunstvolle Alternative-Klänge mit Synth- und Electro-Fokus – beatesk, leicht proggig, poppig und bis obenhin voll mit dichten Texturen. Während man echte Drums und Percussion vergeblich sucht, ist das erste komplette Album „Gild The Lily“ dafür bis obenhin voll mit faszinierenden Klangvisionen.

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Leatherette

Leatherette – Ritmo Lento

Durchatmen, Luft holen, weitermachen: Leatherette hatten sich binnen kürzester Zeit in ihrer neuen Rolle als Indie-Darlings eingelebt. Das italienische Quintett tourte fleißig durch Großbritannien und ganz Europa, spielte diverse Festivals, doch mussten sie irgendwann langsamer machen. Aus exakt dieser Absicht heraus entstand ihr drittes Album und reflektiert dieses Verlangen musikalisch. „Ritmo Lento“, zu Deutsch „langsamer Rhythmus“, wurde erst nach einer kleinen Kunstpause geschrieben, wollte den Fokus wieder auf die Musik an sich richten und zugleich ein gewisses Maß an Veränderung bemühen. Das ist vollumfänglich gelungen.

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Portugal. The Man

Portugal. The Man – SHISH

Plötzlich alles anders: Erstmals seit 15 Jahren sind Portugal. The Man wieder als Indie-Band unterwegs, nachdem ihr Major-Deal ausgelaufen war. Im Vergleich zu „Chris Black Changed My Life“ veränderte sich zudem das Line-up stark, aktuell dürften nur noch John Gourley und Zoe Manville Fixsterne sein, begleitet von diversen Gastmusikern. Nach einer Überraschungs-EP im Sommer gibt es nun ein komplettes Album, das sich musikalisch wieder weiter hinauswagt und insgesamt einen Tacken härter unterwegs ist. „SHISH“ befasst sich mit Unbehagen, Verletzlichkeit und stellt den ureigenen Pop-Entwurf mit Anlauf auf den Kopf.

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Julia Effekt

Julia Effekt – Nachtparkett

Neue Neue Deutsche Welle? Während dieser Sammelbegriff aktuell die Runde macht, wählen Julia Effekt lieber ‚Letzte Deutsche Welle‘. Das Studium brachte das Quintett aus verschiedensten Ecken nach Wien, man fand gemeinsame musikalische Nenner in schwelgender Indie-Melancholie, in Art-Rock-Sensibilitäten und der unterkühlten Eindringlichkeit von Post Punk. Ein erstes Konzert im Sommer 2024 entwickelte sich zum vollen Erfolg, wenige Wochen danach wurde ein komplettes Album aufgenommen. Das liegt nun in Form von „Nachtparkett“ vor und hat das Potenzial zum ganz großen Wurf.

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Pain Magazine

Pain Magazine – Violent God

Mitten im Winter gingen das französische Post-Hardcore-Trio Birds In Row sowie das französisch-amerikanische Industrial-Techno-Duo Maelstorm & Lousiahhh gemeinsam ins Studio. Einfach mal machen und schauen, was dabei rauskommt, das war der ursprüngliche Plan. Aus einem ersten Track wurde schnell ein gemeinsames Album. Pain Magazine klingen in etwa so, wie man sich das ob der beteiligten Musiker erwartet – laut, aufbrausend, heavy, aber auch unterkühlt und synthetisch. All das wird schon bald auf die Bühne gebracht. Bis dahin hält der Einstand „Violent God“ bei Laune.

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Chantal Acda

Chantal Acda – The Whale

Seit Jahren eilt Chantal Acda von einem Highlight zum nächsten. Sie spielte in diversen Bands, begann ihre Solokarriere 2006 als Sleepingdog, bevor sie sieben Jahre später anfing, unter ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen. Und das sehr erfolgreich, denn die in den Niederlanden geborene Belgierin arbeitete mit so illustren Künstlern wie Nils Frahm, Ólafur Arnalds, Mimi und Alan Sparhawk, Colin Stetson und Bill Frisell. Zudem vewwandelte sie sich musikalisch immer wieder, schrieb fürs Theater und widmete sich Chamber-Pop-Herausforderungen. Auf „The Whale“ lässt sie sich ausschließlich von ihrer Live-Band begleiten, mit der sie seit über einem Jahrzehnt zusammenspielt, und gibt sich insgesamt etwas rockiger.

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Maruja

Maruja – Pain To Power

Seit Jahren brodelt es in der Szene Manchesters. Wer Maruja einmal live gesehen hat, ist Fan. Der eigenwillige Sound der Band passt in kleine Schublade – Jazz, Noise, Alternative, Post Punk, Art Rock und zig weitere, gerne Jam-artige verarbeitete Ideen durchzogen diverse EPs. Über ein Jahrzehnt nach Bandgründung gibt es tatsächlich doch noch das erste reguläre Album, und das hinterlässt mächtig Eindruck. „Pain To Power“ ist auf der Suche nach dem Flow-Zustand, den die Band seit Jahren erfolgreich auf der Bühne kultiviert, und zeigt sich hörbar politisch gezeichnet – von den politischen Verhältnissen in den USA, aber auch von der unmenschlichen Situation in Gaza.

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Ghostwoman

Ghostwoman – Welcome To The Civilized World

Erst veröffentlichten sie drei Alben binnen 18 Monaten, dann dauerte es annähernd zwei Jahre bis zum vierten Streich: unorthodox ist bei Ghostwoman Standard, inklusive neuer Schreibweise des Bandnamens. Und einer gesunden Portion Nihilismus, denn das Duo weiß um die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens, Musik zu machen. Schließlich ist die Welt dem Untergang geweiht, und Evan Uschenko und Ille van Dessel geben die Band auf der Titanic, die während dem unaufhaltbaren Versinken weiterspielt. Entsprechend wurde „Welcome To The Civilized World“ einfach nur gemacht, weil man es konnte. Weil es eh schon egal ist. Ein Prosit der vergänglichen Gemütlichkeit.

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Boko Yout

Boko Yout – Gusto

Ein Album als Form der Selbsttherapie, um die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verarbeiten: Boko Yout verlangt seinem Full-Length-Einstand einiges ab. Aufgewachsen in Schweden, der Vater aus Togo, die Mutter aus Mosambik, dazu der überdimensionale Schatten der Evangelisch-Freikirchlichen Kirche für eine queere Person, die mit der eigenen Sexualität und Identität ringt – es hatte sich, gelinde gesagt, einiges aufgestaut. Und doch gilt Yout als eine der heißesten Aktien des Musiklandes, für diverse (Newcomer-)Preise nominiert, seine beiden EPs und die diversen Singles abgefeiert. Seinen Sound nennt er augenzwinkernd ‚Afro-Grunge‘ und liegt damit gar nicht mal so weit daneben. „Gusto“ befasst sich aber nicht nur mit den Kämpfen und Gräben der Jugend.

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The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die

The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die – Dreams Of Being Dust

Die Mission, dem epochalen „Illusory Walls“ einen gebührenden Nachfolger zu stiften, darf gut und gerne als gewaltige Herausforderung bezeichnet werden. The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die verzichten darauf, einfach ’nur‘ nachzulegen, und wagen stattdessen etwas. Einerseits ist das US-Sextett politischer denn je unterwegs, andererseits wurde der Härtegrad spürbar nach oben geschraubt, ohne jedoch alles über den sprichwörtlichen Haufen zu werfen. Somit ist „Dreams Of Being Dust“ Neustart, Weiterentwicklung und Zäsur in einem, und das auf verdammt starke Weise.

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