Singende Fußballer – Vertonte Blutgrätschen der Musikgeschichte

The Village People & Die Deutsche Fußballnationalmannschaft

Singen ist so eine Sache. Prinzipiell gibt zwei Kategorien von Sängern: talentiert und talentfrei. Manch einem der letzteren Kategorie reicht es, lediglich Duschbrause und möglicherweise auch Mitbewohner mit dem eigenen Gejohle zu quälen. Aber so manch anderen drängt es nach mehr. Vor allem Profifußballer scheinen entweder eine Art Götterkomplex oder schlichtweg einen falschen Berater zu haben. Intelligenz und Mut zur Selbstironie als Antrieb lassen wir hierbei einfach einmal außen vor, da diese Eigenschaften bei den Herren Balltretern sowieso des Öfteren weniger ausgeprägt sind (man muss ja auch nicht alles können). Dann also los, Anpfiff und Bühne frei für kultige, tonale Blutgrätschen.

1) Franz Beckenbauer – Gute Freunde kann niemand trennen

Franz Beckenbauer 1966Die Mannschaft der singenden Fußballer kann natürlich nur die Lichtgestalt in Person aufs Feld führen. 1966 erklomm der Kaiser mit diesem Titel gar die Top 40 der deutschen Single-Charts. Im Video zum Song sieht man die damalige, deutsche Nationalmannschaft deutlich unbegeistert und fast schon grenzdebil den Takt mantschen, während der spätere Kaiser Franz großväterlich jovial in die Kamera grient. Atemberaubend schlecht, aber Ohrwurm deluxe.

Lyrischster Moment: Glück kannst du leicht ertragen, wenn dir die Sonne scheint, aber in schweren Tagen, da brauchst du einen Freund

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2) Gerd Müller – Dann macht es Bumm

Der Bomber der Nation hat in seiner Spielzeit beim FC Bayern München in 427  Spielen wahnsinnige 365 Tore erzielt. Das übelste Eigentor allerdings setzte er sich musikalisch 1974 mit „Dann macht es bumm“. Auf einen volkstümlichen Polka blubberte „Kleines dickes Müller“ eine gesangstechnische Peinlichkeit Marke Kreisliga. Trotzdem (wie bei fast allen Fußballersongs) enormer Trashfaktor, aber durchaus kultig.

Lyrischster Moment: Dann macht es bumm, ja, und dann kracht’s

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3) Kevin Keegan – Head Over Heels In Love

Die Mighty Mouse zählt noch heute zu den beliebtesten Spielern des HSV. Der englische Stürmer schoss 32 Tore in 92 Spielen und war vor allem auch deshalb berühmt, weil er mit Chris Norman und dessen Band Smokie auch musikalisch aktiv war. „Head Over Heels In Love“ erreichte in Deutschland die Top 10, in den UK die Top 40 der Singlecharts. Musikalisch merkt man die Nähe zum Smokie-Schmuserock der späten 70er an, es plätschert und schmalzt so vor sich hin. Dennoch: Gesangstechnisch zumindest erträglich.

Lyrischster Moment: Will I get through to you Babe, I love ev’rything you do Babe

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4) Peter Alexander & Die Deutsche Fußballnationalmannschaft – Mexico Mi Amor

Peter Alexander und die Deutsche Fußball NationalmannschaftEine recht grausige Tradition gab es einst in unserem Lande, die vor jeder Weltmeisterschaft verlangte, dass sich schwülstige Schlagerstars und die deutschen Elitekicker zusammen zu tun haben, um sich und das Volk gebührend auf ein Turnier einzustimmen. Die Peinlichkeit anno 1986 kombinierte Peter Alexander und Stars wie Tony Schumacher, Andy Brehme, Lothar Matthäus und Karl-Heinz Rummenigge. Heraus kam „Mexico Mi Amor“, ein unglaublich abstruser Titel, der kaum ein Vorurteil über die mexikanosche Kultur auslässt. Gruselig!

Lyrischster Moment: Sombreros verbergen den Stolz in den Augen der einsamen Männer.

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5) Petar „Radi“ Radenković – Bin i Radi bin i König

Der Torwart war seit jeher einer der wichtigsten Spieler der ersten Elf. So auch Radi Radenkovic, ein jugoslawischer Torwart und einer der ersten ausländischen Spieler in der deutschen Fußball-Bundesliga. Mitte der 60er Jahre hütete Radi das Tor des TSV 1860 München in insgesamt 215 Bundesligaspielen. Und er war auch einer der ersten, der den fußballerischen Ruhm zum Ausflug in die Musikszene nutzte. Das Ergebnis war .. durchaus interessant. Irgendwie.

Lyrischster Moment: Bin ich Radi jajaja, bin ich König jajaja

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6) The Village People & Die Deutsche Fußballnationalmannschaft – Far Away In America

Den Abschluss dieser Liste bildet natürlich noch einmal die Deutsche Fußballnationalmannschaft. Dieses Mal ist wenigstens kein deutscher schmalziger Schlagerschnösel involviert, sondern die durch und durch amerikanischen Village People, ihr wisst schon, Bauarbeiter, Polizist und Co. Die Kollaboration der bekannterweise mit den pauschalen, homosexuellen Stereotypen spielenden Truppe irritiert nicht nur die deutschen Fans, sondern wohl auch die deutschen Kicker selbst: Im Aufnahmestudio sollen einige Musiker ganz offensichtlich Gefallen an einem eingeschüchterten Maurizio Gaudino gefunden haben. Jedenfalls floppte der Song zurecht gewaltig (wie im übrigen auch das Team im Viertelfinale) und das Ganze lieferte die Steilvorlage für einen gewissen Stefan Raab und seinen Track „Böörti Böörti Vogts“.

Lyrischster Moment: We’re gonna make it, get it up and shake it

Video: YouTube

Die aufgeführten Songs sind natürlich nur eine kleine Auswahl der großen Fußballersongs. Neben den genannten haben beispielsweise auch Uli Borowski, Charly Dörfel, Klaus Schlappner, Thomas Brdaric, Jimmy Hartwig, Andy Köpke, Hans Krankl und noch viele weitere Songs aufgenommen. Mehr Infos zu singenden Fußballern liefert übrigens die Archivseite http://www.fc45.de/.