Pond – Terrestrials

Pond
(c) Kristofski

Nach zehn Alben kann man schon mal auf schräge Ideen kommen. Für Pond ist das so und so täglich Brot. Die australische Psych-Band mit Pop-Kante stellte für den neuesten Streich ein paar Regeln auf. Balladen und Pink-Floyd-Zeugs hatten ebenso wenig Platz wie übermäßiger Fuzz-Pedal-Einsatz. Stattdessen entwickelte sich nach und nach das selbstverständlich höchst alltägliche Konzept ‚Goths im Pub‘ – Post Punk, australischer Pub Rock, Kajal und feinsinnige Pop-Weisheiten. Zudem befasst sich „Terrestrials“ mit elementaren menschlichen und gesellschaftlichen Gegensätzen, von unwiderstehlichen Harmonien und kauzigen 80s-Ideen begleitet.

Unendliche Synth-Weisheiten verbergen sich hinter dem vorwitzigen „Through The Heather“, dessen etwas nervtötende Melodie schnell von plüschigen Strophen abgelöst wird. Nick Allbrook singt durch den Weichzeichner, die Schulterpolster wachsen wie von alleine – und doch geht das Ding ins Ohr. „Personal Hell“ holt nervöse Gitarren hinzu und tänzelt sich durch sympathischen Post Punk mit Düster-Pop-Einschlag. Selbst der miesepetrigste Goth lässt sich vom kantigen Riff anstecken und schüttelt das Haupthaar zumindest vorsichtig. Dass der anschließende Rausschmeißer „Nashville (I’m Dying)“ zur psychedelischen Hölle mit käsiger Hook wird, passt ins Bild und macht Laune.

Das kuriose Sammelsurium treibt mitunter spannende Blüten. Wie „Tourmaline“, das 137 Sekunden lang verwaschene Verwirrung stiftet, vertraute Psych-Klänge mit Pop und Folk vermengt, nur um auf dem Höhepunkt urplötzlich abzubrechen. Auch „Skyworks“ fällt im besten Sinne schräg aus und bringt das musikalische Konzept dieses Albums auf den Punkt. Dreckiger, abgehangener und betont schlichter Rock trifft auf schemenhafte Post-Punk-Vibes, die „Casuarina“ mit zurückgelehnter Hektik intensiviert. Das mag sich widersprechen, passt aber prima zu diesem gleichzeitig nervösen und legeren Track samt kräftigem Devo-Einschlag. Den Refrain kriegt man so und so nicht mehr aus dem Ohr.

Sehr eigenartig. Sehr verwirrend. Sehr eingängig. Pond bleiben Garanten für schräge und zugleich mitreißende Musik, was nun wirklich nicht überraschen sollte. Bloß gehen sie es dieses Mal in nahezu jeder Hinsicht anders an. Ja, ihr Psych-Herz schlägt weiterhin laut und deutlich, muss sich den Platz aber mit lauten Riffs und leicht düsterer Synthetik teilen. „Terrestrials“ klingt dabei wie von einem anderen Stern, nimmt Synth Pop und Post Punk ebenso mit wie Rock’n’Roll und Blues. All das landet in einem kolossalen Topf und ergibt eine bizarre klebrige Masse, der man sich nicht entziehen kann. Nichts an diesem elften Album der Australier sollte funktionieren, und doch bleiben Pond eine skurrile Klasse für sich.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 19.06.2026
Erhältlich über: Mangovision / Secretly Distribution (Cargo Records)

Website: pond.band
Facebook: www.facebook.com/pondling