Klez.e – Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht

Klez.e
(c) Caroline Pitzke

Zwei Alben lang arbeiteten sich Klez.e durch das Erbe von The Cure mit eigenem Anstrich. Nun da die britischen Legenden wieder aus dem Studio grüßen … braucht es keine gröbere Kurskorrektur. Klar, das ist mehr als überzogen, doch haben Tobias Siebert, Daniel Moheit und Filip Pampuch längst ihren ganz persönlichen Ansatz gefunden, der Vertrautes weiterdenkt. Vergleichsweise schnell gibt es neuen Stoff in Form von „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“, der die Düsterheit der Vorgänger mitnimmt und etwas anders auslegt. Während alles ringsum noch finsterer wird und sich dem Zusammenbruch nähert, rückt man näher zusammen und ist gemeinsam stärker.

Das eröffnende „Hymnus“ macht seinem Namen alle Ehre, hat etwas Erhabenes an sich und ist doch dem Abgrund nahe. Der Blick fällt auf das bisher Erlebte und mutmaßt, was noch alles kommen mag, begleitet von einem doppelten Boden. Beklemmung aus dem Hall und aus der Untiefe des Seins entspringende Vocals laufen mit kalten Schauern um die Wette. Auch „La Boum“ hat freundlichere bis hoffnungsvolle Klänge im Gepäck, stellt diese jedoch in einen abermals bewusst konträren Kontext. Es geht um das bevorstehende Ende der Welt und Dinge, die man im Angesicht der Finalität tun und lassen möchte. Die zuckenden Mundwinkel der feinsinnigen Hook finden das Gemeinsame im Zusammenbruch.

„Das eine Treffen im Jahr“ ist alleine schon aufgrund der pulsierenden Basslinie das eine oder andere Ohr wert. Hinter nervösen Zuckungen kreisen unruhige Gedanken, die kurzweilige Hektik steht Klez.e gut zu Gesicht und führt fast nahtlos in das massive „Einmal mehr im Zement“, eingemauert in Situationen, Entscheidungen und Lebensstile, ohne Chancen auf Ausbruch … oder vielleicht doch? Die obligatorischen Fragen brodeln zu einer überraschend launigen Synth. „Melancholia“ bringt viel Druck mit und verklärt den längsten Tag des Jahres zum Abgesang, nur um im mächtigen „Mailied“, der vielleicht deutlichsten Cure-Referenz der gesamten Platte, beherzt loszulassen.

Wiewohl sich Klez.e weiterhin auf halbwegs vertrauten Pfaden bewegen, verbirgt sich der Teufel ein weiteres Mal im Detail und macht deutlich, dass die Eigenständigkeit bei allen vertrauten Referenzen doch stets das Heft felsenfest in der Hand behält. „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ wirft mit cleveren Melodien um sich, erklärt die Hook zum Schlachtfeld und schickt diese gegen seelischen Schmerz und immer wahrscheinlicher werdende Untergangsszenarien ins Rennen. Die Zutaten von Post Punk über New Wave bis Düster-Pop und kunstvolle Alternative-Weisheiten sind bekannt, die Texte aus der Mitte des (Band-)Lebens abgründige Begleiter: Klez.e setzen ihre mächtige Serie souverän fort.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Windig (Cargo Records)

Website: klez-e.de
Facebook: www.facebook.com/Klez.e