The Veils – Fragile World

The Veils
(c) Frances Carter

Mit kompakterem Budget auf der Haben-Seite und bewusst schwermütig ausgerichteten Streichern als Begleiter gaben sich The Veils auf „Asphodels“ so ermattend wie selten. Finn Andrews konnte mit einer Art Chamber-Music-Vision von Indie Pop Anfang 2025 durchaus überraschen. Die Antwort ließ überraschenderweise keine 18 Monate auf sich warten. Bewusst lebendiger und kraftvoller ausgerichtet, beruht „Fragile World“ auf Texten aus Andrews‘ Londoner Zeit als Kettenraucher und erkundete die dazugehörigen Arrangements und die begleitende Instrumentierung über weite Strecken erst im Studio – ein mutiger Schritt, der sich hörbar lohnt.

Tanzbare, ausgelassene, übertrieben fröhliche Musik darf man sich weiterhin nicht erwarten, wohl aber solch großartige Nummern wie „New Day“. Fünfeinhalb Minuten lang lässt Andrews den Song anschwellen, steuert auf einen kathartischen Höhepunkt zu und überrascht mit blubberndem Charme und gekonnt eingestreuten Vocals mitten aus dem Herz. Das große und doch zurückgenommene Finale trifft mitten ins Herz. Hingegen spielt „My Foolish Heart“ mit Country-Elementen, begleitet von vertrautem Folk und einer zeitlosen Klaviermelodie, die eine wiederholt aufbrandende Gitarre auf Händen trägt.

Das Piano spielt auch im Opener „Aurora“ eine wichtige Rolle, legt das Fundament für einen betont kunstvollen Pop-Song, der seine wahre Größe erst nach dem dritten oder vierten Durchlauf offenbart. Auch das relativ spontan im Studio entstandene „Little White Bird (Fragile World)“ braucht den einen oder anderen Anlauf, pendelt zwischen folkiger Intimität und unerwartet beatesken Einschüben. „Are You Awake Tonight?“ hat mit derlei Stop-and-Go-Dynamik wenig am Hut und kämpft mit Ängsten und Bedauern. Dass sich der Track kurzzeitig befreien und über den Dingen schweben kann, nur um wieder vom erdrückenden Selbst eingeholt zu werden, ist mindestens so großartig wie das etwas überraschende „In This Heart“, ein in seiner Schlichtheit wunderschönes Cover von Sinéad O’Connor, dessen Original sich Andrews für sein eigenes Begräbnis wünscht.

Diese etwas energischere, kraftvollere Version von The Veils ist eine willkommene Überraschung, eine passende Antwort auf das introvertierte letzte Album und zugleich eine Meisterleistung in Sachen Energie und Popmusik mit Herz und Kanten. Der kunstvolle und dennoch zu jeder Zeit klare Ansatz von „Fragile World“ geht unter die Haut, die oftmals etwas spontaner entstandenden Arrangements sind voller Leben und Andrews singt mit willkommener Leidenschaft. Dass der zusätzliche Schwung tatsächlich einen Tacken intimer als der Vorgänger klingt, war so nicht zu erwarten, und sorgt für eines der besten Veils-Werke der letzten Jahre.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 19.06.2026
Erhältlich über: V2 Records (Bertus)

Website: www.theveils.com
Facebook: www.facebook.com/theveils