Elmar – Vollgeschissen im Hassklub

Aktuelle und ehemalige Musiker von Abenteuer Auftauen, Mikrokosmos23, drych, Kirre. und Point No Point touren seit über einem Jahrzehnt als Elmar durch die Lande. Der gemeinsame Nenner bewegt sich irgendwo zwischen Punk und Emo, ursprünglich mit Hinweis auf die Meißener Herkunft auch ‚Punk aus Porzellan‘ genannt. Das war 2017, zu Zeiten ihres ersten Albums. Seither erschienen ein paar Kleinformate, man zog nach Dresden um und besetzte den Posten am Schlagzeug neu. Ruppig, live eingespielt und mit einem wachen Auge auf die Gefahren und Abgründe der Zeit, gibt nun der Zweitling „Vollgeschissen im Hassklub“ ordentlich Gas.
Ab dem eröffnenden Quasi-Titelsong „Hassklub“ ist alles eitel. Die Leitmelodie geht sofort ins Ohr, wirkt angenehm freundlich und lässt doch gewisse, nicht von der Hand zu weisende Abgründe erkennen. Es wird laut, drückend und von herrlich unmittelbaren Vocals im besten Sinne zerlegt – eine scharfkantige Grenzerfahrung mit greifbarem Harmoniebedürfnis. Ein „Scheißweg“ ist das nun wirklich nicht; der gleichnamige Song punktet mit Melancholie und entpuppt sich als waschechter Ohrwurm. Die Entladung auf Raten, von schwerem Atem und urplötzlichem Wutausbruch begleitet, macht ordentlich Laune.
So kann es gerne weiter gehen. Tut es auch, siehe und höre das mit der Tür ins einsturzgefährdete Haus fallende „Bestes Kleid“, dessen hibbelige Atemlosigkeit wunderbar aufs Gemüt schlägt. Die zweite Hälfte verschleppt das Tempo, bis zum finalen Aufbäumen, ein kleiner Schock fürs System. Kurz, knackig und charmant gestaltet sich „Schmand“, unter zwei Minuten punkiger Drive mit Melodien im Überangebot. „Vorkriegsemo“ ist alleine aufgrund seines Titels ein kleines Highlight. Greifbare Schwere und deutlich mehr Härte entpuppen sich als willkommene Begleiter. „Wuhling“ betont zum Abschluss das Gemeinsame und holt sich allerlei Wegbegleiter:innen ans Mikro für ein sympathisches Stelldichein.
Das haut rein, das tut ab und an auch richtig weh, und das passt alles so. Elmar stellen das Hier und Jetzt auf die Probe, nehmen sich Ernstes und Unbequemes vor, und suchen dabei das Gemeinsame, das Menschliche – mit politischer Schlagseite, mit wütenden Kanten und ganz viel Herz. Zwischen Emo und Punk entsteht eine angenehm eigenwilige, eigenständige Mischung, mit vertrauten Anleihen und energischer Dynamik. „Vollgeschissen im Hassklub“ lebt und liebt unorthodoxe Magie, rattert in unter einer halben Stunde wahnwitzig durch und hat doch alles gesagt – ein starkes zweites Album einer exzellenten Truppe, die man unbedingt im Auge behalten sollte.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 19.06.2026
Erhältlich über: Gunner Records (Broken Silence)
Facebook: www.facebook.com/elmarpunk
