Hunny – SPIRIT!

Hunny
(c) Epitaph Records

Nach dem sympathischen „Hunny’s New Planet Heaven“ konzentriert sich Jason Yarger nun auf das Wesentliche und macht Hunny zum Soloprojekt. Klar, die Prioritäten haben sich geändert, er ist glücklich verheiratet und hat ein Kind, was sich auch auf die verarbeiteten Themen auswirkt. Die alten freundschaftlichen und kreativen Bande bleiben jedoch bestehen – Ex-Bassist Kevin Grimmett tritt als Co-Producer auf, Ex-Drummer Joey Anderson spielte das Schlagzeug ein – und geben der Platte einen einigermaßen vertrauten Anstrich. Gleichzeitig möchte Yarger sein Projekt in eine bewusst abstraktere und verspieltere Richtung lenken, genoss die Freiheit, seine Ideen einfach zu verfolgen. Das bekommt „SPIRIT!“ hörbar gut.

Der Chant von „title track“ führt erst einmal auf die falsche Fährte und wartet mit dichten Texturen, Jangle-Pop-Anleihen und hymnischer Schwere auf. Gefangen zwischen den Welten, wächst der Song mit jedem Durchlauf ein wenig. Hingegen stellt „horse w/ curse“ kantige Gitarren in den Mittelpunkt, spielt mit Power Pop und Post Punk, angenehm frontal und zugleich voller feiner Melodien, die sich gerne mal gegenseitig im Weg stehen. Das mag chaotisch klingen, macht aber definitiv Laune. So auch „i can see my house from here“, erst laut und aufbrausend, dann intim und verspielt, bevor der angenehm große, fluffige Chorus alles in den Arm nimmt.

Auf diese angenehm wechselhafte Weise geht es sogleich weiter, mit „POV ur dead and i’m checking my hair in ur sunglasses“, das so viel mehr als nur ein starker Titel ist. Vorwitziger Gitarren-Pop, ein Überangebot an Hooks und ein erfrischend störrischer Refrain bringen zusammen, was auf dem Papier nicht harmonieren dürfte. Hingegen bearbeitet „sidewaze“ schlechte Laune mit einem fast mechanischen Uptempo-Beat und entlädt sich schließlich in herrlich chaotischer Distortion. Davon hat auch „all of a suddenly“ einiges zu bieten und haut ein lupenreines Garage-Rock-Riff raus, das sogar ein wenig an The Hives erinnert. Während sich der Song dreimal häutet, wandert der Blick zum flotten, angepunkten „waterfalls“, bei aller nervöser Energie doch so sympathisch.

Hektisch, hibbelig, gerne überladen und doch so charmant: Hunny funktioniert auch als Soloprojekt gar hervorragend. Jason Yarger traut sich hörbar mehr, reizt imaginäre Grenzen aus und gibt sich gerne mal dem musikalischen Chaos hin. Dieser Mut zum Risiko geht auf, denn die Tracks bleiben unheimlich eingängig, wenn auch erst auf den zweiten oder dritten Anlauf. „SPIRIT!“ ist eine wahre Energieleistung geworden, durchaus hektisch und atemlos, doch auch voller warmer Texturen, etwas Melancholie und Hooks am laufenden Band. Diese erneute Evolution von Hunny ist ein voller Erfolg und liefert packende Indie-Perlen in Hülle und Fülle, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)

Website: hunnytheband.co
Facebook: www.facebook.com/hunnytheband