Donots – Schwert aus Holz

Akustik-Platten haben gerne mal einen Beigeschmack, von Cash Grab bis Ideenlosigkeit. Das wissen auch die Donots und wollten die Sache bewusst anders angehen. Anstatt ihre Songs einfach nur nachzuspielen, wurde kräftig umarrangiert, ums Eck gedacht und zudem eine lange Gästeliste voller bekannter Namen und Wegbegleiter aus nunmehr über 30 Jahren Punk aus Ibbenbüren gebastelt. „Schwert aus Holz“ deckt sämtliche Karrierephasen ab, betritt gerne mal Neuland und – das darf gerne vorab verraten werden – kann problemlos mit dem ohnehin illustren, vielfältigen Katalog der Band mithalten.
Ein „Calling“ erkennt man erst einmal nicht, wenngleich die mit einer Art Spielmannsorgel intonierte Melodie direkt aufhorchen lässt. Reggae, Dub und etwas Ska tragen durch die entschleunigte, fast entspannte Bearbeitung, die man wohl ebenso wenig erwartet hat wie die Indie-Interpretation von „Whatever Happened To The 80s“, mit dezentem Pop-Appeal und ganz viel Gefühl. „So Long“ ist einer der wenigen Songs, die in halbwegs vorhersehbarem Gewand dargeboten wird – nicht zuletzt weil, wie im Original, Frank Turner mit an Bord ist. Gemeinsam schwingt man sich zu höchsten Höhen auf. Auch „Eine letzte letzte Runde“ ist im sonnigen Acoustic-Gewand im besten Sinne unverkennbar.
Das gilt wohl auch für „Stop The Clocks“, was aber auch mehr als in Ordnung geht. Hier schafft die Gästeliste – mit Campino von den Hosen und Matt Hensley von Flogging Molly – eine unerwartete und bärenstarke Kombination. Apropos Hosen: Kuddel steuert ein Gastsolo zu „Out In The Cold“ bei, dem ersten neuen englischsprachigen Song seit stolzen 13 Jahren – mit herrlichem Fernweh und viel Gefühl. Chuck Ragan im Acoustic-Punk-Gassenhauer „Dead Man Walking“ und Shitney Beers im prima reduzierten „Keiner kommt hier lebend raus“ runden die Liste der Mitstreiter gekonnt ab. Ganz ohne kommt das unkaputtbare „Room With A View (Give Me Shelter)“ aus, hier unerwartet leichtfüßig und doch so intensiv wie eh und je.
Volles Risiko, voller Erfolg: Die Donots haben exakt das umgesetzt, was sie sich vorgestellt haben, und entstauben das gerne mal etwas altbacken bis selbstverliebte Acoustic-Genre mit Spielwitz. Clever eingesetzte frische Ideen, viele vertraute Töne und starke Gastbeiträge, die dennoch stets zum Basismaterial passen und die Tracks bereichern, finden mehr als gekonnt zusammen. Echte Klassiker und moderne Favoriten geben sich die Klinke in die Hand, der Überraschungseffekt ist durchgehend geboten, zudem sorgt das pointiert eingesetzte frische Material für beste Unterhaltung. „Schwert aus Holz“ ist exakt so, wie eine Akustik-Platte klingen sollte, und unterstreicht einmal mehr die Qualitäten der Donots.
Wertung: 4,5/5
Erhältlich ab: 19.09.2025
Erhältlich über: Solitary Man Records (Warner Music)
Website: www.donots.com
Facebook: www.facebook.com/donotsofficial
