Spidergawd – From Eight To Infinity

Spidergawd
(c) Geir Mogen

Die Abstände wachsen etwas, doch die Musik bleibt über jeden Zweifel erhaben. Einmal mehr dauerte es bei Spidergawd fast zwei Jahre, für Band-Verhältnisse eine halbe Ewigkeit. Unter anderem hatte Hauptsongwriter Per Borten vergangenen Winter mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, was die Musik deutlich persönlicher und intimer gestaltete. Zudem kehrt die Band zurück zum vergleichsweise klassischen, direkten Mix aus Hard Rock und NWOBHM, im besten Sinne auf das Wesentliche reduziert. Auch die römischen Zahlen bekommen eine Pause, denn das achte Album trägt den vielsagenden Titel „From Eight To Infinity“.

Während die ersten Sekunden von „The Grand Slam“ noch auf die falsche Power-Pop-Fährte führen, entwickelt sich daraus schnell eine treibende 80s-Rock-Hymne mit metallischer Dynamik und großer Hook, die nach Stadion klingt und doch Spidergawd in Reinkultur serviert – knackig, treibend und voller mächtiger Gitarren. Etwas später finden sie sich „200 Miles High“ wieder und servieren jene Schwere, die bei den Norwegern dazugehört, mit eingängigen Momenten vermischt. Diesen schmalen Grat beackert das Quintett nach wie vor in bestechender Form, lässt den Track mehrere kleinere Veränderungen durchleben und rundet mit einem imposanten Solo ab.

Hingegen serviert „Winter Song“ Melancholie und sogar etwas Drama im XXL-Format. Es ist dies jener Track, in dem sich Borten betont intensiv mit persönlichen und gesundheitlichen Rückschlägen befasst – für Spidergawd wie für den Songwriter selbst ein neuer Ansatz, der ihnen jedoch bestens zu Gesicht steht. Doch auch für wütende, frontale Ideen bleibt Platz. „Confirmation“ wurde bewusst politisch und gesellschaftskritisch ausgelegt, schraubt Tempo und Härtegrad nach oben, und schlägt mit Anlauf ein. Auch „Revolution“ geht nicht mehr aus dem Kopf, mit ordentlich Drive, mit giftigen Gitarren und zugleich dieser kleinen, feinen Hook, fast unscheinbar und doch unvermeidbar.

Keine Revolution, dafür ein zukunftsweisender Rückgriff: Spidergawd werfen instrumentalen Ballast ab und konzentrieren sich auf ihre riff- und hooklastigen Stärken. Das macht den Sound direkter und unmittelbarer, schärft die Gitarren und befeuert den Drive ungemein. Die Norweger machen vor Pop und Stadion Rock ebenso keinen Halt, wagen sich in melancholische und persönlich geprägte Gefilde vor, sind aber auch so heavy und so metallisch wie lange nicht. „From Eight To Infinity“ bringt schlicht und ergreifend sämtliche Stärken auf den Punkt und schüttelt einen Hit nach dem nächsten aus dem Ärmel – eine von vorne bis hinten runde Sache, wie sie eben nur Spidergawd beherrschen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Crispin Glover Records

Website: www.spidergawd.no
Facebook: www.facebook.com/spidergawd