The Great Machine – Working Class Anarchist

Eine der am härtesten arbeitenden Bands der letzten Jahre meldet sich wieder aus dem Studio zurück, mit dem bereits sechsten Album binnen neun Jahren. Einfach war die jüngere Vergangenheit für The Great Machine nun wirklich nicht, gerade als israelische Band, die das Gemeinsame und Verbindende der Musik betont, weit über hässliche und zehrende Politik hinwegen. Zugleich ist es die letzte Platte, auf der Drummer Michael Izaky zumindest stellenweise zu hören ist, bevor Band-Kumpel, -Grafiker und -Merchandiser Dan Deutsch einstieg. Am herrlich wilden, abgefuckten und energischen Sound des Trios ändert das aber rein gar nichts: Auch „Working Class Anarchist“ ist so wütend und ungezügelt wie immer.
„Mysterious Lady“ ist der letzte Track, den Izaky einspielte, mit über sechs Minuten ausgerechnet der längste Song und in seiner Hässlichkeit sympathisch. Gekonnt entstellter, reduzierter Doom trifft auf verschwitzten Heavy Rock mit Stoner-Schlagseite, betont drückend und unterproduziert. Das erfüllt den Anspruch einer Band, die zumeist nur ein bis zwei Anläufe pro Aufnahme brauchte. Wenn es darauf ankommt, werden sie aber direkt und deutlich, wie im abschließenden „Louder Than The Bombs“ – bewusst drastisch und doch verplant, auf der Suche nach einer Antwort, die weder einfach noch naheliegend scheint, jedoch von starkem Riffing begleitet wird.
Die Störsignale zu Beginn von „Neu“ machen ebenso Laune wie das furztrockene Arrangement aus der Garage danach – dröhnend, schroff und doch irgendwie groovend. In „Bound By Fire“ kommt die rifflastige Heavyness tatsächlich noch stärker durch, glänzt durch unverschämt lässige Coolness und ein fettes, verschmitztes Lächeln. In „ABQ“ schraubt das Trio das Tempo etwas nach oben, kokettiert mit Horror-Punk und erinnert kurz an Misfits, bevor die röhrende Druckwelle herrlich eigentümlich ausartet. In „Desert Ledge“ gibt es wiederum etwas mehr Wüstenrock, psychedelische Weisheiten und giftiges Röhren – ein massives Meisterstück.
An die doppelt und dreifach konsequente Unterproduktion dieses Longplayers muss man sich wohl erst gewöhnen, doch bringt diese letztlich mehr als genug Reiz mit sich. The Great Machine wollen nach Möglichkeit die Musik für sich sprechen lassen, wissen aber auch, dass das leider nicht so einfach ist. Entsprechend roh und direkt fällt „Working Class Anarchist“ aus, langt beherzt zu und fängt zugleich die verschwitzte Live-Energie des Trios gekonnt ein. Gefühlt steht die Band direkt vor einem und macht einfach, ohne Netz, doppelten Boden oder gar Sicherheitsabstand. Das überfordert erst einmal, nur um letztlich komplett abzuholen – eine packende Platte, voller Herz und Energie, frei von der Leber weg. So wie das eben nur The Great Machine können.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Noisolution (Edel)
Facebook: www.facebook.com/tgm11band
