Decorate. Decorate. – Swerve Of Atoms

Decorate. Decorate.
(c) Jonas Lodahl

Sie brauchten nur ein Album, um sich zumindest in ihrer dänischen Heimat im kollektiven Gedächtnis einzubrennen: Decorate. Decorate. fanden sich 2006 in Kopenhagen, schüttelten ein Jahr später das Mini-Album „Normandie“ und zwei weitere Jahre danach ihren Erstling „Instructions“ aus dem Ärmel, nur um direkt danach schon wieder Geschichte zu sein. Und doch hallt der düstere, bekömmliche Indie-, Alternative- und Post-Punk-Sound, der unter anderem an Interpol erinnert, immer noch ein wenig nach. Inzwischen ist das Original-Line-up wieder zusammen, erweitert durch Keyboarder Kristian Nygaard Olsen (u. a. Oh No Ono), und transportiert den Rückenwind der Reunion-Shows ins Studio. „Swerve Of Atoms“ greift das Frühwerk mit frischem Wind auf.

Der eröffnende Wellenbrecher „A Sun“ kommt langsam, konzentriert und doch so heftig. Schließlich übernimmt Asbjørn Auring Grimm den Gesang, gibt den düsteren Poet, wirkt bedrohlich und befeuert die Dramaturgie mit wachsender Begeisterung. Langsam, aber sicher treiben die Dänen den Song an, fast Post-Rock-artig, stets dem Siedepunkt nah. Im Gegensatz dazu lehnt sich „Clean“ weit zurück und reduziert das Geschehen gezielt. Seinen Höhepunkt findet dieser Ansatz in den gesprochenen und geflüsterten Passagen, während der Rhythmus uncharakteristisch laut und erdrückend ausfällt – ein gekonntes Spiel mit Dynamik und Erwartungen.

Was war eigentlich „Before The War“? Das müssen sich weltweit viel zu viele Menschen fragen, und Decorate. Decorate. kleiden das in einen erstaunlich fluffigen, eingängigen Song mit poppigem Unterton, der im konstanten Fluss mit seinen kleinen Feinheiten und 80s-Querverweisen überaus majestätische Melodieteppiche ausrollt. Im ausladenden „Surface Tension“ geht das Quintett hingegen durch die Decke, mit massig Distortion und Uptempo-Wucht, betont den Punk-Teil und tänzelt doch mit wachsender Begeisterung durch die Bedrohungslage. Im abschließenden Mini-Epos „Utterly Changed Into Fire“ rückt einmal mehr der poetische Vortrag in den Mittelpunkt, während der Song an sich erst spät abhebt, dafür mit Nachdruck.

Selbst wenn man Decorate. Decorate. bislang nicht kannte, fühlt man sich binnen Sekunden in den Bann der wiedervereinten Dänen gezogen. Natürlich fallen gewisse Querverweise auf wortreiche, düstere Indie- und Alternative-Bands leicht, doch wählt das Quintett einen ganz anderen Weg, um im Ohr zu bleiben, mit Poesie und Unvorhersehbarkeit. Fast Ambient-hafte Meditationen treffen auf wütende Uptempo-Schlachten, mit tänzelndem Post Punk dazwischen und einem greifbaren Fokus auf Atmosphäre, stets spannend und leidenschaftlich. „Swerve Of Atoms“ ist eine packende Platte, die man sich erst erarbeiten muss, hinter deren Ohrwürmern so viel Faszinierendes steckt. Und davon darf es gerne schon bald mehr geben.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 21.11.2025
Erhältlich über: Target Records (SPV)

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