Mirador – Mirador

Mirador
(c) Universal Music

Gesucht und gefunden, so könnte man die Freundschaft von Jake Kiszka und Chris Turpin nennen. Die beiden Herren lernten sich kennen, als Turpins Band Ida Mae für Kiszkas Greta Van Fleet 2018 den Support gab, bereits im Folgejahr begann man Backstage zu jammen. Mit Mikey Sorbello an den Drums und Nick Pini am Bass und am Keyboard – zwei ehemalige musikalische Partner Turpins – war schnell eine komplette Band gefunden, die als Mirador im Vorjahr fleißig tourte. Wenig überraschend klingt das erste Album, schlicht „Mirador“ genannt, wie die Schnittmenge beider Bands.

„Feels Like Gold“ könnte die perfekt Überschrift dieser richtig starken, leidenschaftlichen Platte sein. Natürlich erinnert das erste Aufbäumen an Led Zeppelin, doch kommt schnell die eigene Handschrift durch, mit luftigen und doch drückenden Drums, pulsierendem Basslauf, knackigen Riffs und kraftvollen Vocals. Bluesiger Hard Rock marschiert durch bekömmliche Heavyness und viel Gefühl, während der Schweiß von der Decke tropft. In „Blood And Custard“ bekommen die Gitarren eine zentralere Rolle zugesprochen, brennen sich binnen Sekunden ein und experimentieren mit einer wahren Armada an Effekten, bleiben dabei aber songdienlich.

Letztlich ist eben jener Spagat das große Kunststück von Mirador, die Bock auf instrumentale Kunst haben und letztlich stets das große Ganze im Blick behalten. Das zurückgelehnte „Ten Thousand More To Ride“ ist ein prima Beispiel dafür und weiß, dass die nicht näher bestimmte Zeit kommen wird, fieberhaftes Solo zum Abschluss inklusive. Der „Skyway Drifter“ hebt tatsächlich ein wenig ab, kappt irdische Fesseln und startet in der zweiten Hälfte so richtig durch. Fast psychedelisch und spacig, dennoch erdig, so fällt der archetypische, drückende Hard Rock aus. Wer hingegen die folkige Seite der Band bevorzugt, wird im bewegenden „Must I Go Bound“ mehr als fündig.

Dass knapp 48 Minuten viel zu schnell vorübergehen können, ist natürlich ein Kunststück. Mirador vollbringen das mit ihrem aus der Zeit gefallenen Sound gar vorzüglich. Klar, das Rad wird nicht neu erfunden. Klar, die musikalischen Wurzeln – ob die eigenen Hauptbands oder diverse Granden aus den 60ern und 70ern – liegen auf der Hand. Und doch hält frischer Wind Einzug, dank Stimmgewalt, dank Riffgewitter, dank leidenschaftlicher und doch luftiger, lockerer Rhythmusabteilung. Wer bluesigen Hard Rock mag, gerne mal in folkige Gefilde eintaucht und auf Gitarren ohne Ende steht, sollte an „Mirador“ helle Freude finden.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 19.09.2025
Erhältlich über: Miradorian / Republic Records (Universal Music)

Website: www.miradorband.com
Facebook: www.facebook.com/p/MIRADOR-Band-61557682752976