GUV – Warmer Than Gold

Erst war er Young Governor, dann Young Guv, jetzt nur noch GUV: Ben Cook verkürzt seinen Namen ein weiteres Mal, bleibt seinem Faible für feine, unwiderstehliche Popsongs mit Ecken und Kanten jedoch treu. Dieses Mal begegnet er den großen Fragen und Themen des Lebens mit ebenso großen Beats und Hooks. Mehr Britpop, mehr Madchester und mehr Psychedelia halten Einzug in den Sound, abermals mit Dauer-Songwriting-Partner James Matthew Seven (No Warning) erarbeitet. Zwar hatte man bei den gemeinsamen Sessions in Portugal am Ende mehr Spaß als fertige Songs, doch war das Fundament für die verfeinerte Ausrichtung von „Warmer Than Gold“ gelegt.
Die flippigen, fast ravigen Track mit knackigem 90s-Flair machen definitiv Laune und sind ein echter Gewinn. In diese Kategorie fällt beispielsweise „Crash Down Feeling“ mit typischen Happy Mondays- und Stone Roses-Klängen, tanzbar und doch verkopft bis verklärt. Treibende Bassläufe, funkelnde Beats und flirrende Gitarren passen prima zu Cooks Vocals, die ab und an etwas neben der Spur stehen. Das tun sie auch im Titelsong „Warmer Than Gold“, der zwar ebenso eine gewisse beateske Wucht für sich gepachtet hat, aber auch auf Shoegaze und Psychedelia steht. Irgendwo im Britpop-Nirgendwo findet die feine Hook ihre innere Mitte und geht nicht mehr aus dem Ohr.
Hits hat diese Platte sowieso in Hülle und Fülle, darunter das vorwitzige „Chasin‘ Luv“. Pop mit Bubblegum-Flair macht Laune, der Song wächst beinahe unbemerkt und nimmt weitere Spuren hinzu, um seine Melodie sorgsam aufzubauen. Hingegen bedient „Never Should Have Said“ die nachdenkliche, melancholische Schiene. Stilvoll zurückgenommene Gaze-Klänge und die wunderbar gedoppelten Vocals im Chorus brennen sich ebenso ein wie die Aufbruchsstimmung des Openers „Let Your Hands Go“. Das erinnert ein wenig daran, als The Chemical Brothers und Death In Vegas den Dancefloor in eine Tanzfläche verwandelten – im besten Sinne, versteht sich.
Unabhängig vom (aktuellen) Namen macht Ben Cook richtig feine Musik, das gilt auch auf seinem neuesten Streich. Eine minimale Kurskorrektur, sympathische musikalische Bereicherung und witzige 90s-Ideen stehen „Warmer Than Gold“ richtig gut zu Gesicht. Der Streifzug durch die Dekade mit frischem Wind macht ab der ersten Sekunde Laune – auf der Tanzfläche, über den Wolken schwebend oder inmitten eines melodischen Sammelsuriums der Extraklasse. GUV zeigt sich bestens aufgelegt und setzt seine Serie hochgradig bekömmlicher Releases fort. Wohin die nächste Reise führen wird, darf jetzt schon mit Hochspannung erwartet werden.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Run For Cover Records (Cargo Records)
Bandcamp: guvofficial.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/youngguv
