Salvage Art – konform

Salvage Art
(c) Petra Fischer

Electro-Veteran Roger Van Lunteren, der seit den 1990ern fleißig Songs und Alben veröffentlicht, und Thomas Mersch von Kratzen machen als Salvage Art gemeinsame Sache. Auf ihrem Streifzug durch vergangene Jahrzehnte nehmen sie unter anderem Kraut-Weisheiten, New Wave und Synthie-Pop mit und befeuern damit eine nicht näher genannte Zukunft. Bei allem Bruch mit einigermaßen vermeintlichen Konventionen trägt „konform“ einen angenehm ironischen Titel, und doch macht das zweite Album der beiden Kölner im schönsten Sinne ernst.

Dass hier teils krasse Gegensätze unterwegs sind und doch geschickt auf einen Nenner gebracht werden, zeigen bereits die ersten beiden Songs. „We Built This City“ geht stoisch und mechanisch nach vorne, münzt das stets präsente Bauchgefühl in Understatement um und groovt zugleich wie Sau – Krautrock mit herrlicher Energie und dezentem Pop-Chic. Letzteren Faktor betont das folgende „Muster“ und steuert ohne Umwege New Wave und Synthetik an. Die Hook erinnert an New Order, keine Frage, steht jedoch felsenfest auf eigenen Beinen. Bei aller Eingängigkeit ist es dennoch erneut ein gewisser Minimalismus, der hier bevorzugt mitschwingt.

Den kennt „Für immer wach“ nur zu gut und findet schnell zu seinem leicht noisigen, übersteuerten Leitmotiv. Kleinere melodische Einschübe, die permanente Schwere der aufgeladenen Stadt und das plötzliche Einsetzen der alles andere als ruhigen Nacht betäuben sämtliche Sinne. Im Gegenzug macht „Du kannst es haben“ Druck über Leichtfüßigkeit, sucht nach Kraft und ruft dazu auf, sich etwas zu trauen, sich auch mal aus dem Fenster zu lehnen. Die lockere Beat-Gitarren-Kombination nebst Fetzenpräzision bereitet Freude. Hingegen bricht „Solange“ musikalische Welten auf ein absolutes Minimum herunter, steht im Nebel und wartet auf das Licht.

Und das kommt, wieder und wieder, denn diese halbe Stunde leuchtet angenehm hell. Ab und an richtig schön bedrückend. Stets motorisiert und getrieben. Und all die wunderschönen Töne und Schattierungen dazwischen. „konform“ geht selbiges mit allem und nichts, und das zeichnet Salvage Art letztlich aus. Das gezielte und gekonnte Spiel mit kreativen Grenzbereichen, mit der stoischen Energie krautiger Gefilde, dem Charme synthetischer Popwelten und dem wechselhaften Aufbranden der Wellen geht vollends auf. In dieser Welt, in dieser Platte möchte man gerne ewig verweilen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 16.01.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Website: www.salvage-art.net
Facebook: www.facebook.com/Salvage.Art.Music