Aquakultre – 1783

Aquakultre
(c) John Walsh

Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs wurde die kanadische Provinz Nova Scotia zum sicheren Hafen für britische Loyalisten. Die Gründung von ‚Black Nova Scotia‘ im Jahr 1783 bezieht sich auf die Umsiedlung von über 4.000 Schwarzen an die kanadische Ostküste durch die Britische Krone – eine Zahl, die sich bis heute etwa versiebenfachte. Lance Sampson stammt direkt von dieser Bevölkerungsgruppe und ihrer aufregenden, vielfältigen Kultur ab. Mit seinem Projekt Aquakultre schafft er nun eine kleine Hommage an die (Familien-)Geschichte und das Leben über Generationen, schlicht „1783“ betitelt.

Wohin die Reise geht, ist heute bekannt und war doch einst mit Ungewissheit bekannt. „Bags Packed“ hängt zwischen den Welten und Ländern, mit Retro-Soul und RnB-Lässigkeit ausgestattet – flotter Bounce, ganz viel Gefühl und etwas Grit tauchen in längst vergangene Jahrzehnte ab. Das gefühlvolle „Holy“ mit feiner balladesker Note und jazzig angehauchtem Piano nimmt hingegen eine Prise 90s-RnB mit und öffnet die Arme für eine große Portion Hoffnung. Auf dass man sich eines Tages erneut begegnen mag. Die Fortsetzung durch „La Joux“, eines von gleich sieben Interludes, geht mit seinen Chants unter die Haut.

In weiterer Folge entwickeln diese 55 Minuten eine magische Eigendynamik, von einer Pluralität an Ideen begleitet. Das leidenschaftliche, belebende und doch fokussierte „I’ll Be Damned“ klingt nach Frühling und ringt zugleich mit dem Selbst. In „Make That Change“ sind es legere, präzise Raps und der Gesang von Sopranistin Measha Brueggergosman-Lee, die Welten aufeinanderprallen lassen und damit ebenso faszinieren wie „What Are You Sayin'“. Was nachdenklich und intim beginnt, schwillt langsam, aber sicher an, gewinnt an Kraft und Leidenschaft. Das Herz geht über. Schließlich findet „Scotia Born“ zurück zum Selbst, gemeinsam mit Hailey Smith und Gary Beals – ein moderner Exkurs zwischen HipHop und RnB, Beat-lastig und kraftvoll vorgetragen.

Irgendwo zwischen Geschichtestunde, traditionellen Überlieferungen und der Suche nach der eigenen Rolle in einer über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsenen Gesellschaft findet Aquakulture einen hochspannenden Ansatz für die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Heimat und seinen Ahnen. Und dann ist da noch die Musik, so stark wie immer. „1783“ illustriert zugleich den Facettenreichtum Sampsons, der einmal mehr mit federnder Leichtigkeit Genregrenzen überschreitet und zwischen kompletten musikalischen Epochen hin- und herwechselt. Was für ein packendes Hörspiel inmitten eines mächtigen Konzeptalbums.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.02.2026
Erhältlich über: Next Door Records (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/aquakultremusic