Ulrika Spacek – EXPO

Ulrika Spacek
(c) Anya Broido

Die Perspektive verschiebt sich, der Spiegel reflektiert anders. Auf ihren ersten drei Alben waren Ulrika Spacek bevorzugt introvertiert unterwegs, richteten den Blick auf das Selbst und bezogen daraus Kraft für ihre kunstvolle, elektronisch befeuerte Gitarrenmsuik. Das Quintett aus Reading wählt dieses Mal jedoch die Außenperspektive – weil andere Länder auf Tour Eindruck hinterließen, aufgrund von Gedanken und Gefühlen über die USA, aber auch weil sich Sänger und Gitarrist Rhys Edwards fragte, welche Welt seine Tochter einmal erben würde. „EXPO“ versteht sich zudem als intime Auseinandersetzung mit menschlicher Wärme, digitaler Isolation und zunehmend verschwindenden Zwischentönen.

Ist „Build A Box Then Break It“ als Überschrift für dieses Album zu verstehen? Ulrika Spacek möchten den für sie enger gewordenen musikalischen Mikrokosmos verlassen, schrieben diesen Track ohne Gitarren und schaffen einen spannenden Spagat. Treibende und doch unterkühlte Strophen treffen auf einen mächtigen Chorus, dezente alt-J-Vibes kommen bestimmt nicht von ungefähr. Stark ist mit „Square Root Of None“ zudem ein weiterer Vorbote. Hier bemüht die Briten Überforderung, schütteln ein Maximum an Ideen aus dem Ärmel, glitchy bis poppig, bis obenhin voll mit cleveren Effekten und vorwitzigen Ideen.

Die hat auch das folgende „Weights & Measures“ für sich gepachtet, bloß auf andere Weise. Auf zwei sehr unterschiedlichen Ideen basierend, klingt das Quintett sowohl cineastisch und aufbrausend als auch vorsichtig und verspielt. Aus all dem schält sich mittendrin eine feine, hypnotisierende Melodie. Hingegen haut „Picto“ sofort vergleichsweise dicke Gitarren raus. Natürlich täuscht das, denn die zunehmende Entfremdung ergibt dezente Radiohead-Vibes. Der Song entlädt sich in Wellen, gerät wieder und wieder ins Stottern, bevor eine durch KI-Einsatz komplett entfremdete Stimme neue Welten erschließt. Shoegaze, Krautrock und sogar ein wenig Motown tauchen hingegen im finalen „Incomplete Symphony“ auf, dessen Ende letztlich viel zu früh kommt.

Kommt Zeit, kommt Magie: Ulrika Spacek stoßen erst ein wenig vor den Kopf, weil selbstverständlich keinerlei Kompromisse eingegangen werden. Bei den Briten hat sich musikalisch und kreativ einiges getan, ohne letztlich alles final und endgültig aufzubrechen und zu zerlegen. „EXPO“ gestaltet den Art Rock noch verspielter, noch ein wenig elektronischer und öffnet den Sound zugleich mit Wonne. Gerade im rhythmischen Bereich lassen sich die Briten bevorzugt treiben, arbeiten mit Kontrasten und finden doch immer wieder zu kleinen, packenden melodischen Momenten. Hier hat jemand seinen Platz in der (Musik-)Welt gesucht und gefunden.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.02.2026
Erhältlich über: Full Time Hobby

Website: www.ulrikaspacek.com
Facebook: www.facebook.com/ulrikaspacek