Courtney Barnett – Creature Of Habit

Courtney Barnett
(c) Lindsey Byrnes

Nomen trifft Omen: „Things Take Time, Take Time“ hätte kaum besser als Titel für das bis jetzt letzte Album von Courtney Barnett gewählt werden können. Das ist mittlerweile fast viereinhalb Jahre her, in denen es für die Australierin allerdings nicht umbedingt ruhig gewesen war. Unter anderem sperrte sie ihr eigenes Label Milk! Records zu (zum Abschluss erschien noch ein rein instrumentaler Doku-Soundtrack) und zog nach Los Angeles. Diese Veränderungen spielen selbstverständlich auch auf ihrem inzwischen vierten regulären Soloalbum eine nicht zu verachtende Rolle. „Creature Of Habit“ handelt davon, sich selbst nicht mehr im Weg zu stehen, um das eigene Leben auch tatsächlich leben und mit allen Sinnen erfassen zu können.

Ausgerechnet eine Gottesanbeterin inspirierte Barnett, als sie eine solche in ihrem Türrahmen bemerkte – ein Novum für ihr Haus in die Wüste und zugleich ein Zeichen für Geduld, Ausdauer und Orientierung. Daraus entstand letztlich „Mantis“, eines der Herzstücke dieser Platte. Es thematisiert die Suche nach einem neuen Weg und dem Versuch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Lässige Indie-Klänge, Barnetts kraftvolle und eindringliche Stimme, dazu eine immer wieder aufdringliche Gitarre – eine spannende Kombination, die prima funktioniert. Apropos Kombination: Waxahatchee winkt in „Site Unseen“ recht freundlich. Der gemeinsame Song trägt eine sympathische Prise Country und Americana in sich – nicht ganz neu, aber eben richtig gut.

Das könnte durchaus die Überschrift dieses Albums sein, nicht nur weil ein Track „Same“ heißt. Und dieser ragt dafür mit seinem Drive heraus – kraftvoll, energisch, von einem bizarren Schimmern zart umgarnt. Unwirkliche Intensität ist das widersprüchliche wie mitreißende Ergebnis. „Stay In Your Lane“ eröffnet hingegen mit ordentlich Energie und Drive, gestaltet seine Lead-Gitarre so schroff wie menschenmöglich und findet trotzdem schnell zum kleinen, aber feinen Ohrwurm. Solche gibt es natürlich in Hülle und Fülle – siehe und höre das gemächliche „One Thing At A Time“ mit mächtigem Solo oder der freundliche wie verwaschene Rausschmeißer „Another Beautiful Day“, der die Klänge der Wüste erfolgreich in den vertrauten Sound einbettet.

Diese Evolution auf Raten, die keinesfalls alles umwirft, aber ebenso wenig auf der Stelle tritt, macht richtig viel Laune. Es ist so und so immer eine Freude, Neues von Courtney Barnett zu hören. Die Arbeit am Selbst macht sich hörbar bezahlt, setzt ungeahnte Energie frei und geht ohne Umwege ins Ohr. „Creature Of Habit“ verlässt sich natürlich gerne auf die vertraute, bestens etablierte Sound-Basis, beschreibt aber zugleich den sympathischen Aufbruch zu neuen persönlichen und kreativen Ufern. Kleine frische Facetten und willkommener Spielwitz gestalten dieses Mini-Comeback überaus erfreulich und erzeugen neue Wertschätzung für Gottesanbeterinnen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Mom + Pop / Fiction Records / Virgin Music

Website: www.courtneybarnett.com.au
Facebook: www.facebook.com/courtneybarnettmusic