Hi Mum – Ghostwood

Hi Mum
(c) Rookie Records / Flight 13 Records

Vorneweg: Ja, das liest sich wie ein reiner Sängerwechsel und ein damit einhergehender neuer Bandname. Ist aber wesentlich mehr. So viel mehr. Aber der Reihe nach: Im September 2023 legten sich Maffai erst einmal auf Eis, doch blieb man sich freundlich verbunden. Ob und wann es ein Comeback geben wird, bleibt offen. Gitarrist Simon Züchner, Bassist Daniel Schmitt und Schlagzeuger Jan Kretschmer machen aber gemeinsam weiter in einem neuen Projekt. Den Gesang bei Hi Mum übernimmt Lilly Jane Kletke, musikalisch bewegt man sich eher in Indie-, Alternative- und Shoegaze-Gefilden mit einer gewissen 90s-Ästhetik. „Ghostwood“ ist ihr erstes Album.

Entstanden ist es in Eigenregie, aufgenommen im Kellerstudio und Proberaum, produziert von Drummer Jan Kretschmer. Das passt zur sympathischen wie etwas krachigen DIY-Ästhetik, die dabei stets angenehm ausbalanciert wirkt und mitten ins Herz trifft. Wie im eröffnenden „Cosplay“, dessen gemächliche Schwere mit magischen Melodien verbunden wird. Kletkes angenehme Stimme bringt viel Wärme in das Geschehen, schafft einen angenehmen Gegenpol zur Distortion im XXL-Angebot, zu den schrubbenden Gitarren und der packenden Hook. Vergleichsweise leichtfüßig flattert „Joybite“ durch die Lüfte, bringt die obligatorische Laut-Leise-Dynamik mit und langt mit Ecken, Kanten und etwas Zucker beherzt zu.

Den etatmäßigen Soundwall gibt es wieder und wieder zu hören. Wie in „Headlights“, das mit ordentlich Kraft und heulenden Gitarren auf kleine Zäsuren setzt, nur um im nächsten Moment regelrecht überrollt zu werden – betont gemächlich und stilvoll, mit feinen Melodien und Kletkes starkem Gesang, der auch zurückgenommen mitten ins Herz trifft. Dort lauert bereits „Salem“ und lässt Gitarren aus Anfangstagen der Indie- und Alternative-Subgenres umherwirbeln. Gemeinsam mit getragenem Tempo und dem nächsten Klangmassiv entsteht pure Magie. Die Melancholie des finalen „Only Lovers Left Alive“ kommt ebenfalls gut, überrascht stellenweise mit nahezu klaren Tönen und reduzierter Magie.

Ob Neustart, komplett neues Ding oder irgendwo dazwischen: Hi Mum machen ihre Sache verdammt gut. Diese halbe Stunde nistet sich sofort im Ohr ein und hat keine Lust, wieder abzudüsen. Klar, die 90s-Ästhetik ist aktuell durchaus angesagt, für das Quartett jedoch bestenfalls ein musikalischer Anhaltspunkt. Obwohl einige Klänge entsprechend vertraut anmuten, macht die Mischung richtig Bock, wirkt frisch und zeitlos zugleich. Dafür sorgen Gaze- und Grunge-Wände, sympathische Verrenkungen in eingängige Gefilde sowie eine richtig gute Sängerin, die mit beeindruckender Präsenz alle Fäden zusammenlaufen lässt. „Ghostwood“ serviert bekömmlichen Rock in einer kurzen, aber prägnanten halben Stunde und stellt alte, neue Bekannte vor, die man unbedingt im Blick behalten sollte.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Rookie Records / Flight 13 Records (Indigo)

Website: himum.de
Instagram: www.instagram.com/himum_666