Shoreline – Is This The Low Point Or The Moment After?

Wie weiß man, ob man die Talsohle bereits durchschritten hat, oder ob man erst am absoluten Tiefpunkt angekommen ist? Diese Frage stellen sich Shoreline auf ihrem neuesten Album, mit dem sie als erste deutsche Band bei Pure Noise Records landen. Das Quartett aus Münster bemüht sich um Hoffnung in einer Welt, die immer hässlicher wird, und liefert die passenden Kampfansagen gleich dazu. Zudem entwickelt man sich musikalisch ein wenig weiter – „Growth“, wenn man denn so will. „Is This The Low Point Or The Moment After?“ nimmt in den Arm, rüttelt wach und geht gemeinsam besseren Tagen entgegen.
Die ersten beiden Tracks gehen nahtlos ineinander über und illustrieren sogleich die große Klasse Shorelines. „Worry Count“ rollt nachdenklich an und nimmt erst dann wirklich Fahrt auf, wenn der Song fast vorbei ist. Der direkte Sprung in „Brittle Bond“ macht Laune, vermengt vertraute Emo- und Punk-Elemente mit Alternative Rock und haut eine mächtige Hook nach der nächsten raus. Die Hoffnung auf „Good Times“ lebt, hier mit kurzweiligen Laut-Leise-Kontrasten und beherzten Gitarren umgesetzt. Ebbe und Flut finden prima zusammen, bevor das Ding im Schlussakt eskaliert. Hansol Seung zerschießt das Ding mit einigen wenigen pointierten Screams, die das Innerste erschüttern.
Mit diesem Stilmittel rennen Shoreline offene Türen ein – siehe auch „Paradox Man“, das nicht zu Unrecht gewisse Vergleiche mit Touché Amoré mit auf den Weg bekam. Wütender, frustrierter Post-Hardcore ringt um Fassung, bemüht sich um muskulöse, kantige Abfahrten und geht doch viel zu früh in sich selbst auf. Hingegen serviert „Youthfully Naive“ magische, hypnotisierende Melodien und entlockt den einen oder anderen breiten Grinser dank vorwitzigem Chorus. Gemeinsam mit Joe Taylor von Knuckle Puck wächst „Forgive“ zu einer schwerfälligen, gerne mal widersprüchlichen Hymne an, die Hardcore-Nähe mit massig Herz verbindet. Der sympathische, luftige Abgang „Phantom Pain“ macht das hoffnungsvolle Schleifchen drumherum.
Unmengen an Herz, Charme und unbändiger Energie stecken in dieser Platte. Shoreline wollen Begleiter durch die Schattenseiten des Lebens sein, selbst wenn man sich selbst nicht aufraffen kann, und bessere Tage schmackhaft machen. Und das geschieht auf musikalisch mitreißende Weise. „Is This The Low Point Or The Moment After?“ ist sogar noch einen Tacken breiter aufgestellt als zuletzt, nimmt deutlich mehr Alternative-Klänge mit und hat hörbar Spaß am gleichermaßen mächtigen wie intimen Ergebnis. Denn sowohl die kleinen, feinsinnigen Momente als auch die mächtigen Hooks gehen ans Herz, von gelegentlicher Wut und Frustration gekonnt aufgemischt. Shoreline zeigen erneut höchst eindrucksvoll, dass sie zu absoluten Meistern ihres Fachs zählen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 13.03.2026
Erhältlich über: Pure Noise Records (SPV)
Website: shorelineband.com
Facebook: www.facebook.com/shorelinepunk
