The Clockworks – The Entertainment

Gleich mit ihrem ersten Album gelang The Clockworks ein absoluter Volltreffer: Auf „Exit Strategy“ brachte das in Irland gegründete und heute in London ansässige Quartett gebündelte Indie- und Alternative-Klasse zusammen. Und das in kompletter Eigenregie, denn das bandeigene Label war die perfekte Bühne, um diese Hit-Platte auf das Publikum loszulassen. Der Nachfolger wurde vor allem in den eigenen vier Wänden geschrieben und aufgenommen, holt sich neue musikalische Einflüsse hinzu und befasst sich zudem mit Themen wie Isolation, Einsamkeit und Verbindungen. Vom schweren zweiten Album hält „The Entertainment“ herzlich wenig.
Die Hektik des eröffnenden „How To Exist“ reißt sofort mit. Ein waschechter Bewusstseinsstrom bohrt sich tief in Gehirnwindungen vor, die zu explodieren drohen. Hibbeliger Silbenreichtum, vorwitzige Pianotöne und zunehmende kraftvolle Instrumentierung finden Schritt für Schritt zusammen, am vermeintlichen Höhepunkt ist plötzlich Schluss. Dass das folgende „Best Days“ fast versöhnlich und harmoniebedürftig anmutet, passt ins Bild. Ein großer, hymnischer Refrain mit einer nicht von der Hand zu weisenden Schwere schafft diesen kleinen, aber feinen Ohrwurm mit Widerhäkchen und doppeltem Boden.
Nicht nur der Teufel liegt bei The Clockworks gerne mal im Detail. Da wäre beispielsweise „Well Well Wellness“, erst sehr charmant und eingängig mit dezenter Glum-Note, dann übernimmt die singende Gitarre und holt in Richtung große Bühne. Von Stadionflair ist das Quartett aber weit entfernt, im besten Sinne. Dort würden Tracks wie „Work In Progress“ auch kaum funktionieren. Der kraftvolle Bass, die leicht jazzigen Untertöne und der stete Konflikt zwischen Tanzbarkeit und emotionaler Erschöpfung erschüttert die Seele. „True Romance“ nimmt schlussendlich noch eine Prise Britpop mit und holt sie ins Hier und Jetzt – zeitlos, gefühlvoll, unerwartet beklemmend.
Das herausragende Niveau des Vorgängers erreichen The Clockworks nicht, auch weil dieses Mal das Überraschungsmoment fehlt. Die zugleich etwas ruhigere Ausrichtung mit einem ausgeprägten Herz für Understatement passt da ins Bild. So brauchen die neuen Songs meist etwas länger, um zu zünden, bleiben dafür entsprechend lange hängen und beißen sich auf angenehmene Weise fest. Der etwas behutsamere, im richtigen Moment dennoch ausgelassene Ansatz von „The Entertainment“ kommt gut, überwindet die Schreckenshürde ‚zweites Album‘ sehr gut und zeigt mehr als deutlich, dass es sich bei The Clockworks nicht um Eintagsfliegen handelt. Einmal mehr packende Musik fürs Herz.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: V2 Records (Bertus)
Facebook: www.facebook.com/theclockdoesntwork
