My New Band Believe – My New Band Believe

Der Abschied von black midi wurde zugleich zum kreativen Neustart für die beteiligten Musiker. Morgan Simpson nahm die Drumsticks unter anderem für Rapperin Little Simz und Jazz-Musikerin Nala Sinephro in die Hand, Gitarrist und Sänger Geordie Greep veröffentliche im Herbst 2024 ein wildes, tanzbares, erwartungsgemäß unvorhersehbares Soloalbum. Etwas ruhiger ging es Bassist Cameron Picton an, arbeitete hier und da an einzelnen Songs. Durch ein krankheitsartiges Delirium in einem chinesischen Hotel kam er zu Bildern, zu Textfragmenten und zum etwas seltsamen Namen My New Band Believe. Das erste Album heißt ebenfalls „My New Band Believe“ und erinnert im besten Sinne an eine semi-akustische Antwort auf die frühere Band, die letztlich doch komplett anders klingt.
Denn wiewohl auch Picton immersives Storytelling beherrscht, verwendet er deutlich sparsamere Mittel, um narrative Ziele zu erreichen. So lässt „Love Story“ beispielsweise mit seinem anfänglichen Klavier erst einmal aufhorchen, nur um aus dieser Bar-Ballade mit schüchternen Vocals nach und nach einen kraftvollen, zugleich kompakten Song zu zimmern. Kurze, prägnante String Hits lassen das Arrangement anschwellen, am Höhepunkt folgt der urplötzliche Abbruch. Hingegen überrascht „Target Practice“ mit vergnüglichen Cabaret-Klängen, wenngleich hinter dem charmanten Track, der sich so locker mitträllern lässt, eine etatmäßig düstere Komponente steckt.
Ganz groß sind selbstverständlich die beiden Achtminüter, die ein wenig an den Art-Rock-Gedanken von black midi heranreichen, bloß mit komplett anderen Mitteln umgesetzt. „Actress“ setzt sich intensiv mit Selbstzerstörung auseinander, nach einem vergnüglichen Intro sporadisch bis spröde inszeniert. Schrittweises Anschwellen und ein wunderbar lautes, überborderndes Plateau mittendrin fahren durch Mark und Bein. Bert Janschs Gitarrenspiel beeinflusste unter anderem „Heart Of Darkness“. Die Hoffnung auf eine Form von Intimität, für die die nötigen Worte fehlen, erfüllt sich nicht so recht. Flüchtige Bekanntschaften und teils gewaltsame Begegnungen begleiten das Opus Magnus, von vorwitzigen Indie-nahen Klängen bis zu Folk und Jazz reichend.
Natürlich ist das hier sehr anders geworden als gedacht, natürlich hat das Methode. Dass die ersten beiden Vorboten nicht einmal auf diesem Album landeten und mit ihren stellenweise tanzbaren Klängen prima täuschten, passt ins Bild. Trotz deutlich direkterer Instrumentierung und vergleichsweise klaren bis unmittelbaren Arrangements bleiben wunderbare Rätsel, überraschende Ausreißer und packende Grenzerfahrungen, die laut und deutlich unterhalten. Cameron Picton findet spannende Ausdrucksformen für seine musikalische ‚Vorbildung‘ und gibt sich mit My New Band Believe kunstvoll, sympathisch und auf intime Weise überspitzt. Eine von vorne bis hinten runde und doch angenehm offene Sache.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 10.04.2026
Erhältlich über: Rough Trade Records / Beggars Group (Indigo)
Website: www.mynewbandbelieve.com
Instagram: www.instagram.com/mynewbandbelieve
