Schlagwort: Art-Pop

Delilah Holliday

Delilah Holliday – Fat Cat

Eine Zeit unfassbaren Schmerzes liegt hinter Delilah Holliday. Während ihrer Schwangerschaft verstarb erst ihr Onkel Simon, der für sie wie ein Mentor war, dann die geliebte Großmutter. In dieser Phase entstand der Großteil ihres ersten Albums, kurz darauf verlor sie ihr ungeborenes Kind. Nicht in Worte zu fassender Schmerz und tiefste Trauer wurden in pointierten Sozialkommentar verwandelt, eine Kritik moderner Gesellschaftsstrukturen und kapitalistischer Institute, semi-autobiographisch verarbeitet. „Fat Cat“ setzt sich auch musikalisch ähnlich roh und immersiv über Grenzen hinweg und findet eine eigene Sprache.

Weiterlesen
The Wow! Scenario

The Wow! Scenario – Stand In The Star. A Verse And A Chorus

Aller guten Dinge sind drei – ein Sinnspruch, der perfekt zum Einstand von The Wow! Scenario passt. Denn tatsächlich brauchte es drei Anläufe, bis der Erstling des bereits 2004 im englischen Kettering gegründeten Duos erscheinen konnte. Hinter diesem Projekt stecken Graeme Wicks und Stand-up / Podcaster / Musiker James Acaster, die bereits Anfang 2008 eine fertig gemischte Platte in den Händen hielten, sich jedoch direkt danach auflösten. Zehn Jahre später ging es erneut ins Studio, bloß war man mit den eigenen Vocals nicht zufrieden. Eine rein instrumentale Version wurde erneut fertig gemischt … und letztlich fehlte doch der Gesang. Den steuerten schließlich Emma Darman und BC Camplight bei, nun erscheint die dritte, finale Version in Form von „Stand In The Star. A Verse And A Chorus“.

Weiterlesen
Fat Dog

Fat Dog – Cancel Me (I’m Tired)

Plötzlich waren sie der Act der Stunde: Mit ihrem ersten Album „WOOF.“ rannten Fat Dog offene Türen ein. Ihr Dance-Punk / Rave-Rock / Electro-Pop / etc. machte sie zur Glastonbury-Sensation, führte sie in die USA und brachte sogar eine Anfrage der britischen Eurovision-Delegation ein, die aber aus politischen Gründen abgelehnt wurde. Stattdessen ging es von einer Überseereise, wo alle sieben Musiker nach und nach ihre eigenen kleinen Zusammenbrüche erlitten, direkt ins Studio. Dieses Mal bewusst textlastiger angelegt und dabei dennoch weiterhin herrlich wahnwitzig, dreht „Cancel Me (I’m Tired)“ am Stand durch.

Weiterlesen
LA Priest

LA Priest – Into The Sky

Ob als Teil der viel zu früh aufgelösten Late Of The Pier, mit Soft Hair oder nun als Solokünstler: Wo Sam Eastgate aufschlägt, wird es immer spektakulär. Als LA Priest werden Pop und Elektronik gerne aufgebrochen, mit psychedelischer Sinnsuche und mutigen Experimenten verbunden. Das war bislang stets künstlerisch wertvoll, aber nur selten zugänglich. Mit dem neuesten Solostreich könnte sich das ändern, nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung durch Boys Noize, die zuletzt unter anderem mit Nine Inch Nails für Aufruhr sorgten. „Into The Sky“ klingt so direkt und zugänglich wie nie zuvor und dabei fast leichtfüßig.

Weiterlesen
Panda Bear & Sonic Boom

Panda Bear & Sonic Boom – A ? of WHEN

Wenn Panda Bear und Sonic Boom zusammenkommen, wird es schräg, spektakulär und eingängig. „Reset“, das 2022 erschienene, erste gemeinsame Album von Noah Benjamin Lennox (Animal Collective) und Peter Kember (Spacemen 3), brachte Loops und Samples längst vergangener Pop- und Rock-Tage für etwas komplett Neues, Kunstvolles, leicht Anderweltliches zusammen. Im Laufe der Jahre trugen die beiden verschiedenste Ideen aus aller Welt zusammen – von mexikanischen Mariachis bis zum Jodeln aus der Schweiz. „A ? of WHEN“ verschmilzt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, begleitet von deutlichen Kommentaren zu den politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Hindernissen im Hier und Jetzt.

Weiterlesen
JJerome87

JJerome87 – The Canyon

Normalerweise empfindet Joe Newman eine gewisse kreative Erschöpfung, wenn ein Album seiner Band alt-J fertiggestellt wurde. Als deren jüngste Platte „The Dream“ schließlich im Kasten war, ging es aber einfach weiter. Unter dem Eindruck der Geburt seiner Tochter und dem Dasein als junger Vater begann er, diese Erfahrungen mit Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend zu neuen Geschichten zu verweben, die sich sowohl thematisch als auch musikalisch ein wenig außerhalb vertrauter Muster bewegen. Nachdem der Solo-Einstand „The Canyon“ vergangenen Dezember etwas unorthodox auf seiner Homepage zu kaufen war und als ZIP-Datei übermittelt wurde, wagt er als JJerome87 nun doch noch einen breiten Release.

Weiterlesen
The Veils

The Veils – Fragile World

Mit kompakterem Budget auf der Haben-Seite und bewusst schwermütig ausgerichteten Streichern als Begleiter gaben sich The Veils auf „Asphodels“ so ermattend wie selten. Finn Andrews konnte mit einer Art Chamber-Music-Vision von Indie Pop Anfang 2025 durchaus überraschen. Die Antwort ließ überraschenderweise keine 18 Monate auf sich warten. Bewusst lebendiger und kraftvoller ausgerichtet, beruht „Fragile World“ auf Texten aus Andrews‘ Londoner Zeit als Kettenraucher und erkundete die dazugehörigen Arrangements und die begleitende Instrumentierung über weite Strecken erst im Studio – ein mutiger Schritt, der sich hörbar lohnt.

Weiterlesen
Laura Misch

Laura Misch – Lithic

Die Klangwelt ihrer Umwelt beschäftigt Laura Misch seit geraumer Zeit. Erst mit etwas Abstand entschied sich die Schwester von Tom Misch für die Musikkarriere, untermalt von ihren Wurzeln im Jazz und zugleich bewusst experimentell angelegt. Der 2023 erschienene Einstand „Sample Of Sky“ beschäftigte sich mit den Klängen der Natur, gekleidet in Electronica, Art-Pop und Ambient. Einen ähnlichen Weg beschreitet der Nachfolger, für den sich Misch eng mit den Sounds von Höhlen, Steinbrüchen, Gezeitentümpeln und steilen Küstenklippen beschäftigte, dort experimentierte und sammelte. „Lithic“ entspringt dem Gestein und befindet sich im permanenten Fluss.

Weiterlesen
Bye Parula

Bye Parula – Something Out Of Nothing

Ausgerechnet ein Ausreißer ihres ansonsten proggig-poppigen Einstands brachte Bye Parula kräftig Aufmerksamkeit: Eine renommierte Kunst- und Kultur-Talk-Show machte „Still Got The Spirit“ zu ihrem Titelsong und holte den feinsinnigen, charmanten Groove ins Rampenlicht. Für die Band aus Montreal war das zwar kein Grund, mal eben alles umzuwerfen, dennoch entschied man sich für Veränderungen. Man schrumpfte vom Quintett zum Trio, erhöhte die Schlagzahl nach einem – wie es die Kanadier nennen – live etwas langweilig zu spielenden Debüt und konzentrierte sich darauf, den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern. Wenig überraschend ist aus „Something Out Of Nothing“ eine sympathische kleine Wundertüte geworden.

Weiterlesen
My New Band Believe

My New Band Believe – My New Band Believe

Der Abschied von black midi wurde zugleich zum kreativen Neustart für die beteiligten Musiker. Morgan Simpson nahm die Drumsticks unter anderem für Rapperin Little Simz und Jazz-Musikerin Nala Sinephro in die Hand, Gitarrist und Sänger Geordie Greep veröffentliche im Herbst 2024 ein wildes, tanzbares, erwartungsgemäß unvorhersehbares Soloalbum. Etwas ruhiger ging es Bassist Cameron Picton an, arbeitete hier und da an einzelnen Songs. Durch ein krankheitsartiges Delirium in einem chinesischen Hotel kam er zu Bildern, zu Textfragmenten und zum etwas seltsamen Namen My New Band Believe. Das erste Album heißt ebenfalls „My New Band Believe“ und erinnert im besten Sinne an eine semi-akustische Antwort auf die frühere Band, die letztlich doch komplett anders klingt.

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?