Hawel/McPhail – Sorrow Wonderland

Alles kommt anders und doch so gut – die letzten Jahre brachten für Frehn Hawel (Tigerbeat) und Rick McPhail (Mint Mind, Tocotronic) einige Veränderungen mit sich. Die Musik rückte erst einmal in den Hintergrund, weswegen McPhail bei Tocotronic aktuell eine Pause auf unbestimmte Zeit aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen einlegen muss. Entsprechend richtig und wichtig war es, einfach mal wieder die Fuzz-Pedale anzuwerfen und einfach zu machen. Zwölf Songs sind es geworden, die sich mit dem Hier und Jetzt, mit dem Älterwerden und mit Beziehungen, aber auch mit dem Zeitgeschehen und der Leistungsgesellschaft auseinandersetzen. Im „Sorrow Wonderland“ geht es aber stets gefällig vor sich.
Knapp fünf Jahre nach „Transmissions From The Upper Room“ gibt es also Nachschub, und der stolpert direkt mit der Tür ins Haus. „rags to riches“ überschlagt sich erst einmal selbst, mit etwas kauziger Effektarbeit, drückenden Drums und mächtigen Gitarren. Die Vocals werden mal eben lässig ins weite Runde geworfen, der Chorus setzt sich ein klein wenig ab, schon ist der Mini-Ohrwurm fertig – drückend, fuzzy und voller Energie. Das anschließende „cut down the information“ hat eine gewisse Hektik gepachtet, zeigt McPhail in drummender Hochform, während die Riffs aus der Garage besonders tief fliegen.
Ähnlich sympathisch und betont direkt geht es weiter, beispielsweise im überdrehten „lightspeed godspeed“, das auf vergleichsweise nüchterne Strophen eine wilde Energieleistung eingängiger Natur folgen lässt. Derlei Kontraste beherrschen Hawel/McPhail mindestens so gut wie kleine, kauzige Indie-Hymnen – siehe und höre „so outta tune“, das keine 140 Sekunden braucht, um sich samt Gesangsmelodie und Dinosaur Jr.-Gedächtnissolo einzubrennen. Das etwas verschwommene „these summer blues“ nimmt sich hingegen vornehm zurück, paart donnernde Drums mit Midtempo, massig Effekten und filigraner Melancholie. Passt zum Titel, hat seine sympathischen Kanten und geht nicht mehr aus dem Ohr.
Schnörkellos und auf den Punkt, so mögen es Hawel/McPahil besonders gern. Großes Neuland betritt „Sorrow Wonderland“ nicht, macht seine Sache aber richtig gut. Weil man hören kann, wie sich die beiden Protagonisten die Freude an der Musik erneut erkämpfen, wie sie nach Auswegen aus Irrwegen suchen und das mit einem erstaunlich breiten Lächeln garnieren. Die Pedale laufen heiß, die Sticks glühen, die lässige Ausstrahlung macht Laune. Massig Rock, ordentlich Fuzz und ganz viel Charme finden auf bekömmliche Weise zusammen, nicht mehr und auch nicht weniger. Von diesem starken Duo möchte man gerne noch viel, viel mehr hören.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 10.04.2026
Erhältlich über: La Pochette Surprise Records (SPV)
Facebook: www.facebook.com/hawel.mcphail
