Smiling – Why Are You

Das Lächeln zittert mindestens so stark wie das Gebälk: Auf ihren ersten beiden Alben erarbeiteten sich Smiling einen ganz eigenen Sound, von nahezu konstanter Metamorphose umgeben. Einst als Soloprojekt von Johan Hansson Liljeberg (Honningbarna) begonnen, ist man mittlerweile als Quartett unterwegs und geht weit über gängige Indie-Grenzen hinaus. Schrammelnde Lo-Fi-Ästhetik und ein Blick über den Art-Tellerrand reißen zu Experimenten hin. „Why Are You“, das dritte Album der in Oslo ansässigen Band, bricht konsequent mit Erwartungen und Songstrukturen, ohne dabei auf Hooks und Melodien zu vergessen.
Dabei geht es noch relativ geradlinig voran, wenn sich „A Pound For A Pound“ aus den Startlöchern befreit und doch erst einmal hängen bleibt. Beiläufig angeschlagene Gitarren, ordentlich Distortion und die etwas neben der Spur wandelnden Vocals machen ebenso Bock wie der fast obligatorische Noise-Einschub. Schließlich hebt der Track zum Abschluss noch einmal richtig ab. Das wundervolle „Faces“ schlägt bereits etwas andere Töne an, nimmt Art Rock und Jazz mit. Gewisse Radiohead-Parallelen stellen sich ein, wenngleich flott und energisch umgesetzt. Smiling nehmen Fahrt auf und üben sich dennoch in so etwas wie semi-vornehmer Zurückhaltung. Die Explosion bleibt aus.
„For The Longest Time“ wagt sich noch weiter in experimentelle Untiefen vor. Die durch den Fleischwolf gedrehte Lead-Melodie erinnert an Fenech-Soler, statt Electro-Pop setzt es aber ein Wandeln durch beateske, wirre Untiefen. Wohin die Reise gehen soll, bleibt im besten Sinne offen, selbst wenn Chamber-Pop-Ansätze auf lautstarke Zersetzung treffen. Ganz so weit trauen sich Smiling aber ansonsten kaum aus ihrem Quasi-Schneckenhaus. Viel typischer ist da schon das lakonisch blubbernde „When It Rains It Pours“, dessen konstanter Fluss mit Gaze-Untertönen von einer ominösen Note torpediert wird. Was diese wohl zu bedeuten hat?
Keine halbe Stunde dauert diese Platte, und das geht letztlich vollends in Ordnung. Die spontan wirkende und doch minutiös genau geplante Überforderung von Smiling fasziniert immer wieder aufs Neue. Klar, sie kehren doch immer wieder zurück zum heißgeliebten Schrammeln, bewegen sich ab und an in jenseitigen Shoegaze- und Noise-Gefilden. Allerdings schlug das Herz für den Blick über den kreativen Tellerrand selten so laut wie hier. Jazzige Einflüsse, puristischer Art Rock, Synthetik und tiefenentspanntes Chaos überrollen wieder und wieder, bevorzugt unerwartet und unauffällig. „Why Are You“ lässt Geduldsfaden reißen und tobt sich danach mit, nun ja, einem Lächeln aus. Spannende Angelegenheit.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 28.08.2026
Erhältlich über: Banditt Media (Playground Music)
Bandcamp: smilingband.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/smiling_band
