LA Priest – Into The Sky

LA Priest
(c) Storm Mortimer

Ob als Teil der viel zu früh aufgelösten Late Of The Pier, mit Soft Hair oder nun als Solokünstler: Wo Sam Eastgate aufschlägt, wird es immer spektakulär. Als LA Priest werden Pop und Elektronik gerne aufgebrochen, mit psychedelischer Sinnsuche und mutigen Experimenten verbunden. Das war bislang stets künstlerisch wertvoll, aber nur selten zugänglich. Mit dem neuesten Solostreich könnte sich das ändern, nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung durch Boys Noize, die zuletzt unter anderem mit Nine Inch Nails für Aufruhr sorgten. „Into The Sky“ klingt so direkt und zugänglich wie nie zuvor und dabei fast leichtfüßig.

Bestes Beispiel dafür ist das an zweiter Stelle gelegene „No Other“. Der Beat fällt schlicht, geradlinig aus, die düstere Synth brodelt und Eastgate singt beseelt. Dann taucht urplötzlich dieser kurze, knackige Refrain auf – der Wechsel in höhere Lagen, mit einem Hauch von Melodik versehen, gelingt. Es passiert nicht viel, entziehen kann man sich diesem Track aber ebenso wenig wie „Ever No“, das sich von vertraut verwaschenen Psych-Pop-Passagen zu einem feinsinnigen Electro-Track vorarbeitet. Abermals ist es ein kurzer, auf den ersten Blick unspektakulär wirkender Chorus, der unwiderstehlich höhere Register zieht und mit melodischem Minimalismus nicht mehr aus dem Ohr geht.

Natürlich bleibt es nie zu geradlinig: „Sailor“ geht fünf Minuten lang fast ununterbrochen nach vorne, hektisch und atemlos, während die Stimme zum weiteren Instrument mutiert. Dennoch bleibt der Track understatet, selbst kurz vorm Ausrasten. Hingegen erinnert „Time“ ein wenig an jüngere Boys-Noize-Produktionen, mit seinem lauten, derben Gerüst. Erneut verbirgt sich dahinter so etwas wie Feingefühl, man muss nur genau hinhören. In anderen Händen könnte „Rayon“ in Breakbeat-Gefilde abdriften, fängt sich aber hier mit einer minimalistischen Hook. Der krasse Kontrast zum schroffen, selbstgebauten Synthesizer macht Laune.

Tatsächlich spielen sich weite Teile dieser Platte in nach wie vor eher eigenwilligen Klangsphären ab, bloß insgesamt freundlicher und eingängiger umgesetzt. Boys Noize haben „Into The Sky“ ihren Stempel aufgedrückt, keine Frage, stehen sie doch wie aktuell nur wenige andere für einen starken Spagat zwischen Pop-Feingefühl und schroffer, nahezu technoider Elektronik. Sam Eastgate hat sich sein Faible für psychedelische, wackelige Exkurse bewahrt, schreibt dafür richtig gute Hooks und Gesangsmelodien. All das trifft sich irgendwo in der Mitte, clubbig und kunstvoll, ungewöhnlich und mit kleinen Ohrwürmern versehen. Dieser etwas andere Ansatz bekommt LA Priest richtig gut und sorgt für das bislang stärkste Album.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 28.08.2026
Erhältlich über: Domino Records

Website: earthwindow.org
Facebook: www.facebook.com/trulylapriest