Hi! Spencer – immernie

Hi! Spencer
(c) Frederic Hafner

Das Leben ist voller kleiner und großer Widersprüche. Hi! Spencer haben ein komplettes Album darüber geschrieben. Es geht um all die Dinge, die nicht für die Ewigkeit sind, die vielleicht gerade deshalb so viel bedeuten. Um Gegensätze, die bewusst nebeneinanderstehen können, sollen, unter Umständen sogar müssen. Zwischen Yin und Yang bekommen zugleich jene Entwicklungen, die sich zuletzt auf „oben“ bereits abzeichneten, noch mehr Raum. Ein Tacken mehr Pop und Alternative hält Einzug in den vertrauten Mix aus Indie Rock und Punk, begleitet von typischen Bandhymnen. Anders gesagt: „immernie“ könnte Hi! Spencer in verdiente neue Sphären hieven.

„Wenn der Sommer geht“ ist eines der wundervollen thematische Herzstücke dieser Platte. Der nächste Sommer mag zwar kommen, doch kehren bestimmte Momente und Menschen nie wieder zurück. In der Vergänglichkeit des eigenen Lebensabschnitts entsteht eine großartige, getriebene Hymne mit ordentlich Druck auf den Stimmbändern und Verlustarbeit im Refrain. Einen verwandten, zugleich komplett anderen gedanklichen Faden spinnt „An dem Tag, der niemals kam“. Die bewusste Utopie von Leichtigkeit und Zusammenhalt bekommt sympathische Menschlichkeit zur Seite gestellt und lässt überaus pointierten, bissigen Kommentar zur politischen und gesellschaftlichen Gegenwart erkennen.

Es lohnt sich bei Hi! Spencer immer, etwas genauer hinzuhören. Die sympathische Akustik-Nummer „Heimweh“ fällt bestenfalls minimalst aus dem Rahmen und erkennt am Lagerfeuer, dass selbst die ganz wichtigen Dinge letztlich langsam verblassende Erinnerungen werden. Zwischendurch nimmt man die eine oder andere Energieleistung gerne mit. „Motel One“ erinnert ein wenig an die leicht angepunkten Anfänge, haut ein wenig New Wave im Unterbau raus und lässt sich schnell mitsingen. Der nachdenkliche Kraftakt „Mein Tal“ klopft am Höhepunkt eine grandiose Hook raus, während die kratzige „Raufasertapete“ mit Sympathie auftrumpft und „Gespenster“ versucht, mit überwältigend nächtlichen Gedankenstürmen zurechtzukommen.

Hi! Spencer kosten die Schönheit des flüchtigen Moments aus und konsolidieren sich damit auf hohem Niveau. Die weiter intensivierten Pop-Anteile bekommen den neuen Songs gut, ohne dabei auf knackige Gitarren und sympathische Hymnen zu vergessen. Zugleich fallen die Texte sogar noch einen Tacken besser als zuletzt aus, was etwas heißen will. Gegensätze ziehen sich in diesem Fall auf beste Weise an, denn „immernie“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde mehr als unterhaltsam geworden. Hier steckt viel Herzblut drin, ein wenig Coming-of-Age-Melancholie, oberflächliche Naivität und dahinterliegende clevere Präzision. Einmal mehr klopfen Hi! Spencer recht freundlich oben an.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 21.08.2026
Erhältlich über: Merchcowboy Records (Indigo)

Website: hispencer.de
Facebook: www.facebook.com/hispencerhi