Vacations – Pursuit Of Anything

Vacations brauchten etwas Urlaub, nicht nur des Wortspiels wegen. Nach dem Release von „No Place Like Home“ tourten die Australier erst einmal ausgiebig, bevor man zumindest eine Bühnenpause einlegte. Privat tat sich aber einiges bei der Band aus Newcastle. Sowohl Bassist Jack Johnson als auch der Vater gewordene Drummer Joseph Van Lier heirateten, Gitarrit Nate Delizzotti zog es nach Melbourne, während Frontmann Campbell Burns erst in Los Angeles und schließlich in Brooklyn landete. Die Arbeiten und Aufnahmen erfolgten über zwei Kontinente, teils mit Session-Musikern komplettiert, und ergeben nun das verspielte, erwachsene „Pursuit Of Anything“.
Das vierte Studioalbum ist als eine Art Post-Coming-of-Age-Platte zu verstehen – man taucht in die 30er ein und erinnert sich dabei an die Jugend, während die Zeit förmlich durch die Finger rinnt. Was „Yesterday“ war, ist heute mehr oder minder weit weg. Der vorwitzige Indie-Track mit vertrautem Pop-Charme wirkt noch einen Tacken unwirklicher als zuletzt. Konstantes Schimmern, Wabern und Klimpern erzeugt eine eigentümliche Atmosphäre, die luftige Gitarre geht nicht mehr aus dem Kopf. Auch „Punchline“ lehnt sich gerne etwas zurück, findet zwischen Synths und Jangle eine imaginäre Brücke und lässt den Chorus aus dem Stand mächtig anschwellen.
Diese Hits kommen „So Suddenly“, wobei sich ausgerechnet dieser Song zurücklehnt und das Leben einfach kommen lässt. Und doch packt der Bass plötzlich zu, ganz dolle, und will nie wieder loslassen, während die Gitarre vorsichtig kreist. Im Vergleich dazu wirkt „Ready Or Not“ geerdet und in sich ruhend, geht vergleichsweise kraftvoll und gezielt nach vorne. Der etwas direktere Weg bekommt den Australiern gut. „Lucky, Forever“ traut sich an einen Lovesong, den Burns aus der Sicht der beiden verheirateten Bandkollegen schreiben wollte. Das kostete ihm durchaus Mut, um nicht ins Schmalzige abzudriften, doch das butterweiche und zugleich unendlich charmante Ergebnis gibt ihm Recht.
„Pursuit Of Anything“ klingt stellenweise, als würde die Musik durch einen leichten Nebel gespielt werden – weiterhin klar und deutlich als Vacations erkennbar und gefeiert, bloß etwas unwirklicher, fast uncanny. Das Spiel mit neuen Pop-Ideen, etwas Chamber hier und zusätzlicher Elektronik da, dazu die nicht von der Hand zu weisenden privaten Veränderungen – all das trägt zu einem frischen Ansatz bei. Die Australier gehen ihren Weg im Grunde auf sympathische Weise weiter, legen ab und an eine Art Filter über ihren Sound und verpassen diesem mit einem kleinen Kunstgriff eine feine Frischzellenkur. Weiterhin mächtige Melodien und große Gefühle, packende Songs und clevere Wendungen: Vacations pendeln sich erneut auf hohem Niveau ein und bringen Farbe in die bald nasskalte Tristesse.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 02.10.2026
Erhältlich über: No Fun Records / Nettwerk (Bertus)
Website: www.vacationsband.com
Facebook: www.facebook.com/vacationsbandofficial
