Jack White – Frozen Charlotte

Das geht für Jack White beinahe schon als konventionell durch: Sein siebtes Soloalbum ‚kündigte‘ das Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame einen Monat vor Release an, ohne großes Aufsehen, als Pre-Order auf der Website seiner Plattenfirma Third Man Records. Der direkte Nachfolger von „No Name“, das in seiner Urversion noch als Whitelabel in Postkästen und Einkaufstüten landete, brachte White bereits seine 34. Solo-Grammy-Nominierung und 46. insgesamt ein. Wenig überraschend liegt die Messlatte hoch. Direkt nach der letzten Tour mit seiner mittlerweile bestens eingespielten Live-Band aufgenommen, bewegt sich „Frozen Charlotte“ einmal mehr in bestens vertrauten, bluesigen Garagen-Gefilden.
13 Songs sind es geworden, so mächtig und kantig wie eh und je. Der bereits bekannte Opener „G.O.D. And The Broken Ribs“ stottert und stampft in unnachahmlicher Manier, während White seine Zeilen lässig wegwirft und die wiederholt aus dem vermeintlich engen, bluesig-kratzigen Arrangement ausbrechende Gitarre direkt gegen den Boogie von Bobby Emmetts Keyboard antreten lässt. „All Alone Again“ langt hingegen beherzt zu, klingt anfangs beinahe wie eine Big-Band-Version seines bestens bekannten Songs, bevor bekömmliche Schwere und unwiderstehliche Gitarrenarbeit das Heft in die Hand nehmen. Auch die kurzen, bedeutungsschwangeren Mini-Zäsuren sind natürlich mit an Bord.
Wenig überraschend wird auch diese Platte zum Siegeszug der beherzten, verschwitzten und gerne mal etwas eigentümlichen Gitarrenmusik. Da wäre beispielsweise „Nobody Knows“, das sich nach einem hochtrabenden Intro in einen drückenden und dennoch understateten Rocker verwandelt. Der ellenlange Rausschmeißer „Neighbors Blues“ schwitzt fünf Minuten lang ganze Kübel und erdrückt mit seiner rohen Wucht beinahe. Während die Rhythmusabteilung um Patrick Keeler und Dominic Davis konzentriert schuftet, wechseln sich Gitarre und Keyboard mit Solo-Aktionen ab. „Derech Demonico“ bedient hingegen Freunde klassischer, leicht durchgeknallter White-Rocker mit einem Solo, das sich mit aller Gewalt durch eine Armada an Effektgeräten frisst.
Gekonnte Punktlandung auf Vinyl-Länge und kein Gramm Fett zu viel: „Frozen Charlotte“ bringt alles mit, was man sich von Jack White erwarten und erhoffen kann. Die Gitarrenarbeit ist so wild und ungestüm wie eh und je, nur um im richtigen Moment das perfekte Riff aus dem Ärmel zu schütteln. Zudem macht die nahezu blinde Harmonie mit der eigenen Live-Band im Studio unheimlich viel Laune. Ordentlich Energie in jedem einzelnen Track, bluesige Schwere und Wut aus der Garage, dazu diese kleinen, feinen Überraschungen und ein Killer nach dem anderen: Jack White liefert einmal mehr auf den Punkt ab.
Wertung: 4,5/5
Erhältlich ab: 10.07.2026
Erhältlich über: Third Man Records (Cargo Records)
Website: jackwhiteiii.com
Facebook: www.facebook.com/jackwhite
