Basement – WIRED

Ein langer Weg zurück liegt hinter Basement. Nach dem Release von „Beside Myself“ im Herbst 2018 ging es in eine längere Auszeit, während der Pandemie gingen die Musiker eigenen Projekten nach, Gitarrist Alex Henery – gemeinsam mit Frontmann Andrew Fisher so etwas wie der kreative Kern der Band – dachte sogar zwischenzeitlich über einen Ausstieg nach. Letztlich fand man doch wieder einen gemeinsamen Weg und entschloss sich für eine kreative Neuausrichtung sowie die Rückkehr zum Stammlabel Run For Cover Records. Laut Band geht „WIRED“ ein kreatives Wagnis ein, dass man entweder lieben oder hassen wird. Wie ermutigend.
Bereits das eröffnende „Time Waster“ deutet eine Metamorphose an, setzt auf Reduktion und mehr Melodie. Drückende Gitarren tauchen gelegentlich auf, Fisher wird ab und an etwas lauter, eine kleine Verbindung zu den letzten Platten wäre hergestellt. Und doch rücken Ecken und Kanten nicht komplett in den Hintergrund – der anschließende Titelsong „WIRED“ erhöht das Tempo, signalisiert ein gewisses Brodeln und setzt auf Katharsis. Derlei Energie macht Laune, wie auch der Ansatz von „Deadweight“, melodischer und eingängiger zu klingen. Ein wahrer Soundteppich legt sich über den Track, der immer wieder verlangsamt, dezent grungige Noten einbringt und doch fast brav anmutet.
Dieser nahezu radiofreundliche Minimalismus rückt vermehrt in den Vordergrund – wie in „Head Alight“ mit freundlicher Gesangsmelodie, beatesker Untermalung und leger eingestreuten Gitarren, die um das Arrangement flattern. Das ist modern, radiofreundlich und trägt doch genug Basement-DNA in sich. Ähnliches, wenngleich schwermütiger, versucht „Embrace“, das auf dem jüngsten Bush-Album gar nicht mal so verkehrt aufgehoben gewesen wäre. Wie die Gitarren die Nachdenklichkeit mit Nachdruck beseitigen, bevor der Song zurück ins Idyll kehrt, macht Laune. „Summer’s End“ hat hingegen Melodien im Überangebot, wirkt sonnig und freundlich, während sich Nervosität unter der Oberfläche ausbreitet.
Selten haben sympathische Harmonien so viel Vorlaufzeit gebraucht. Basement wirken stellenweise wie eine komplett andere Band, gerade in der eingängigen und experimentellen zweiten Albumhälfte, die Alternative Rock mit Radiofreundlichkeit zelebriert. Ruppige, rohe Ausritte und unmittelbare Emotionen rücken ein wenig in den Hintergrund. Das erwischt erst einmal auf dem falschen Fuß, kann letztlich aber überzeugen, weil „WIRED“ eben nie weichgekocht ausfällt, sich zu keiner Zeit anbiedert und seine Intensität letztlich doch entfalten kann. Selbstverständlich wird dieses Album die Fan-Gemeinde spalten, keine Frage, doch zeigen sich Basement immer noch in richtig guter Form, vermeintlicher Stotterstart hin oder her.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 08.05.2026
Erhältlich über: Run For Cover Records (Cargo Records)
Website: basementuk.com
Facebook: www.facebook.com/Basementuk
