Fat Dog – Cancel Me (I’m Tired)

Plötzlich waren sie der Act der Stunde: Mit ihrem ersten Album „WOOF.“ rannten Fat Dog offene Türen ein. Ihr Dance-Punk / Rave-Rock / Electro-Pop / etc. machte sie zur Glastonbury-Sensation, führte sie in die USA und brachte sogar eine Anfrage der britischen Eurovision-Delegation ein, die aber aus politischen Gründen abgelehnt wurde. Stattdessen ging es von einer Überseereise, wo alle sieben Musiker nach und nach ihre eigenen kleinen Zusammenbrüche erlitten, direkt ins Studio. Dieses Mal bewusst textlastiger angelegt und dabei dennoch weiterhin herrlich wahnwitzig, dreht „Cancel Me (I’m Tired)“ am Stand durch.
Das Eröffnungstrio dreht gleich mal wunderbar am Rad. „Smile And Wave“ schraubt den Härtegrad nach oben und packt metallisch angehauchte Crossover-Gesten neben bewusst schroffe Synths und Joe Loves frontale Vocals. Ein kompletter Zusammenbruch mittendrin rollt den Electro-Teppich aus, dann wird noch einmal kurz einfach draufgehauen. Danach zieht es „Go Fuck Urself“ direkt in den Club. Mächtiger Synth-Pop kollidiert mit einem fast balearischen Beat, garniert mit introspektiven Texten. Das wunderbar übertriebene Kontrastprogramm macht Laune. Und auch der zunehmend manische Titelsong geht prima ins Ohr, verbindet Resignation mit Trotz und macht sogar für einen finalen Key-Change Platz.
Je länger diese Platte wird, desto wahnsinniger fällt sie aus. „Bad Dog“ wird gefühlt immer schneller und schneller, serviert komplett abgedrehten Dance-Punk und drängt Viagra Boys mitten auf die eskalierende Tanzfläche. Fast aus dem Nichts taucht „Heart Of Darkness“ auf und stellt die Zeichen auf Hit. Herrlich synthetischer Pop mit einer gesunden Portion Future Islands und einer Hook für die Ewigkeit brennt sich ebenso ein wie der überraschende Country-Ausritt „Snakes“. Ein schwermütiger Tanz bemüht Einheit und hat einen Hauch von Hochzeitsatmosphäre (Love heiratete auf besagter US-Tour) für sich gepachtet. Und dann ist da noch „Aliens“, das wunderbar rührselige Finale, das im Lauf seiner fünf Minuten immer größer und massiver wird, während man sich gegenseitigen Hass ausspricht.
Großes Debüt, große Fortsetzung: Fat Dog powern sich einfach aus und machen damit alles richtig. Von Erschöpfung ist zumindest musikalisch wenig zu merken, denn die Regler wandern über weite Strecken einfach wieder in die Höhe. „Cancel Me (I’m Tired)“ ist natürlich abermals keine Rave-Platte geworden, kein reiner Electro-Derwisch, sondern lebt von seinen Nuancen. Da schwimmen kleine Ohrwürmer ebenso mit wie folkige Experimente, etwas Rührseligkeit, ganz viel Trotz und der gerne mal zumindest angedeutete Mittelfinger. Etwas chaotisch, etwas grell, etwas überfordernd, aber erneut mitreißend, voller Leben und geradezu euphorisch: Fat Dog beißen sich oben fest.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 02.10.2026
Erhältlich über: Domino Records
Website: fatdogfatdogfatdog.com
Facebook: www.facebook.com/fatdogfatdogfatdog
