Constance Tomb – Exploding Head

Constance Tomb
(c) Tony Reed

Als Teil so illustrer Bands wie Pentagram, Big Scenic Nowhere, Hot Spring Water und Mos Generator sowie als Produzent und Mixer ist Tony Reed seit Jahrzehnten ein Heavy-Eckpfeiler und -Hitter. Seine Wurzeln sind aber düsterer Natur. Mit 19 Jahren nahm er als Constance Tomb erste Songs mit Faible für Gothic und Post Punk auf, lange Jahre als Demos erhältlich und 2020 schließlich etwas aufpoliert. Nun startet Reed gemeinsam mit Bassist Bo McConaghie und Drummer Christian Roney noch einmal durch. Passend zur gemeinsamen Tour mit Daily Thompson (die zuletzt in Reeds Studio aufnahmen) im November erscheint „Exploding Head“, durch die Bank in den späten 80ern geschrieben.

Bevorzugt kurze, drückende Songs hinterlassen Eindruck, beißen sich kurz fest und reisen direkt weiter. Wie „Amokt“, das in unter zweieinhalb Minuten auf beklemmende Atmosphäre setzt und diese mit tiefschwarzer, gespenstischer Melodik vermischt. Reeds Stimme taucht aus den Untiefen des Arrangements auf, beschwörend und verschwörend, wie ein Hohepriester des Kajal-Untergangs. „The Last Picture Show“ lädt eine Armada an Effekten auf die Gitarren, heult und singt, verpackt schier unendliches Wehklagen in wütenden Drive und garniert das mit Stahlkanten. Im Vergleich dazu fällt „Sleep“ direkt, eingängig, fast schon hymnisch aus – Post Punk mit feiner Rock’n’Roll-Schlagseite.

Den vielleicht besten Track dieses Albums gibt es erst kurz vor Schluss. Mit seinen fünf Minuten ragt „Control“ in vielerlei Hinsicht heraus, bricht seine doomig-schummrige Düsternis mit Riffs auf, die eine für unmöglich gehaltene imaginäre Brücke zwischen Turbonegro und Armored Saint schlagen. Das getragene Tempo harmoniert prima mit mehr Rock-Drive, rundherum implodieren Kerzenlicht und drastische Gesten – ein Monster von einem Song. Dieses herausragende Niveau bleibt in weiterer Folge unerreicht, was aber keinesfalls stört. Songs wie „Constance Tomb“ und „Spiritual Stairway“ glänzen mit gemächlicher Heavyness und zermürbender Atmosphäre.

Tony Reeds alte Liebe erreicht neue Höhen: Constance Tomb spielen mit den Einflüssen der Jugend, halten die Fahne der finsteren 80er Jahre hoch und wirken damit so zeitgemäß wie lange nicht. In Verbindung mit jener Form von Heavyness, die man von diversen anderen Bands des Urgesteins kennt, entsteht eine ureigene Gothic-Interpretation, die erdrückt, wiederholt zermürbt und schließlich ein Teelicht im Wirbelsturm anzündet. Zwischen atemloser Hektik und stilvollem Langformat bietet „Exploding Head“ beste Unterhaltung der deprimierenden Art.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Noisolution (Edel)

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