The Wow! Scenario – Stand In The Star. A Verse And A Chorus

The Wow! Scenario
(c) Ryan Kyle

Aller guten Dinge sind drei – ein Sinnspruch, der perfekt zum Einstand von The Wow! Scenario passt. Denn tatsächlich brauchte es drei Anläufe, bis der Erstling des bereits 2004 im englischen Kettering gegründeten Duos erscheinen konnte. Hinter diesem Projekt stecken Graeme Wicks und Stand-up / Podcaster / Musiker James Acaster, die bereits Anfang 2008 eine fertig gemischte Platte in den Händen hielten, sich jedoch direkt danach auflösten. Zehn Jahre später ging es erneut ins Studio, bloß war man mit den eigenen Vocals nicht zufrieden. Eine rein instrumentale Version wurde erneut fertig gemischt … und letztlich fehlte doch der Gesang. Den steuerten schließlich Emma Darman und BC Camplight bei, nun erscheint die dritte, finale Version in Form von „Stand In The Star. A Verse And A Chorus“.

Was aber gibt es in diesen 40 Minuten zu hören? Acasters anderes Projekt Temps ist bestenfalls eine sehr ungefähre Referenz, denn die Duo-Besetzung konzentriert sich auf einen kunstvollen, jazzigen und zugleich poppigen Avantgarde-Ansatz, der auf bezaubernde Weise verwirrt. „Instructions!“ etabliert sich schnell als kleiner, schimmernder Ohrwurm. Das liegt nicht zuletzt an den zwingenden und zugleich angenehm charmanten Vocals, die im konsequenten Kontrast zu den gerne mal abstrusen Rhythmuswechseln stehen, mit Jazz und Math flirtend, während die Gitarren eher beiläufig über dem Arrangement kreisen und zig Melodien anreißen.

„Once More!“ ist glücklicherweise keine Drohung, sondern eine vorwitzige Klangcollage mit Piano und Saxofon, die das Arrangement wiederholt zerschießen und neu zusammensetzen. The Wow! Scenario bandeln mit freigeistigem Jazz an und finden puren Charme. Den hat auch das energische „Zacuti!“ zu bieten, das vor allem in der ersten Hälfte erstaunlich energisch und zugänglich ausfällt. Erneutes jazziges, proggiges Abdriften in weiterer Folge passt ins Bild. Das verträumte „Reality!“ betreibt zurückgenommene, neugierige Klangforschung, taucht kurz an der Oberfläche auf und fühlt sich im Rückzug wohl. Hingegen bleibt „The Curse!“ mehr als neun Minuten lang sprachlos und meditiert in einem endlosen Take über dem verfluchten Minimalismus der Dinge.

Es lebe das Experiment! Ob der Wow-Faktor bereits in diesem Szenario gefunden werden konnte, liegt letztlich im sprichwörtlichen Auge des erblindenden Betrachters. Tatsächlich kollidieren mehrere Welten auf dieser dritten und finalen Version eines kuriosen Einstands: charmanter Indie-Pop, wilder Jazz, kauziger Math, verspielter Prog und herausfordernde Klangforschung der mal jenseitigen, mal hypnotisierenden Art. „Stand In The Star. A Verse And A Chorus“ ist ein Liebhaber-Album, das zwei (nun nicht mehr ganz so) junge Musiker zum Experimentieren mit ihren eigenen Instrumenten verleitet, dabei gelegentlich kleine Ohrwurm-Hooks ausspuckt und sich mit wachsender Begeisterung kreativ austobt – ein herausforderndes, unterhaltsames Stück Musik mit kleinem Gruß an Bill Wurtz. Jetzt wäre die Zeit reif für Pindrop oder das Capri-Sun Quartet.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Bella Union (Bertus)

Website: www.thewowscenario.co.uk
Instagram: www.instagram.com/temps__music