Danielle Ponder – Everything Has Changed

Danielle Ponder
(c) Faith Joyvon

Nicht immer gewinnt das Recht: Jahrelang arbeitete Danielle Ponder als Pflichtverteidigerin, durch ihre eigene Lebensgeschichte geprägt, und betrieb die Musik nebenher als Hobby. 2021, im Alter von 39 Jahren, sattelte sie auf ihre Künstlerkarriere um und gab die Juristerei auf. Ihr erstes Album „Some Of Us Are Brave“ war als Kampfansage zu verstehen, mit dem Einstand bei Dead Oceans entfaltet die in Atlanta wohnhafte Sängerin und Songwriterin jedoch ihre volle Strahlkraft. So richtet „Everything Has Changed“ den Blick gleichzeitig nach innen und nach außen und verbindet den anspruchsvollen Mix aus Soul und RnB mit cleveren Experimenten und viel Persönlichkeit.

Die schiere Wucht eines „God Of You“ überwältigt mit Anlauf. Wie sich Ponders kraftvolle Stimme aus dem zunächst understateten Arrangement erhebt und mit purer Gravitas zuschlägt, ist großes Kino. Zunehmend kraftvolle Backings und das ebenso zart anschwellende Arrangement kommen gut. An anderer Stelle hat die Protagonistin den „Blues“ und lässt eine über weite Strecken einsame Gitarre zum Begleiter für nachdenkliche, suchende Töne reifen. Die furiose zweite Hälfte zieht dafür ebenso in ihren Bann wie das schwebende, zugleich verspielte „Ya Mama’s Love Song“. Futuristische Soul-Fusion-Küche mit etwas Chamber-Ästhetik schlägt mit wachsender Begeisterung zu.

Für kleine Experimente und unerwartete Wendungen ist Ponder so und so immer zu haben. Die unwirkliche Synthetik eines „Time Is A Wild Thing“ breitet verträumte Schwingen aus, tänzelt durch den luftleeren Raum und wird von bestimmten, suchenden Vocals zusammengehalten – teils mehr Collage als Song. Dafür ist „Power“ kraftvoll, lebendig und voller Herz. Von einer Reise nach Senegal im Alter von 17 Jahren inspiriert, geht der Blick nach außen, selbst wenn das Fragment mittendrin in sich zusammenfällt. Im „Garden“ wächst und gedeiht die Aura einer besonderen Künstlerin, die über Vintage-Klängen und postmodernen RnB-Ansätzen thront und den Widerspruch umarmt.

Komplette Überforderung, kunstvolle Überzeichnung, pure Leidenschaft: „Everything Has Changed“ will und muss erarbeitet werden, denkt RnB und Soul auf spannende Weise weiter, ohne auf die Essentials zu vergessen, und etabliert Danielle Ponder zugleich als exzellente Künstlerin. Ihre Stimme setzt sie vielfältig und gerne unvorhersehbar ein, die Bandbreite von Dream-Pop über Neo-Soul bis hin zu Fusion-Pop und Rock-Reduktion reißt immer wieder zu kleineren Begeisterungsstürmen hin. Das zweite Soloalbum der ehemaligen Juristin unterstreicht, wie wichtig und richtig dieser Schritt war – für sie und für ihr wachsendes Publikum.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 09.10.2026
Erhältlich über: Dead Oceans (Cargo Records)

Website: danielleponder.com
Facebook: www.facebook.com/daniellepondermusic