Jordan Galland – No Rockstars

Jordan Galland
(c) Jordan Galland

Jordan Gallands Tage müssen wesentlich mehr als 24 Stunden haben. Anders lässt sich sein mächtiger Output nicht erklären. Als Regisseur und Drehbuchautor wirkte er unter anderem an „Rosencrantz and Guildenstern Are Undead“, „Alter Ego“ und „Ava’s Possession“ mit, arbeitete an verschiedensten Soundtracks, spielte Piano für Mark Ronson, schrieb Songs mit Daniel Merriweather, war Teil von Dopo Yume und Domino, und ist obendrein Vater eines Schulkinds. Ganz nebenher veröffentlicht er immer wieder Musik, wobei „No Rockstars“ sein erstes Album in kompletter Eigenregie ist – und zugleich nur die erste von zwei Platten, die gleichzeitig entstanden.

Die acht Tracks sind als Bestandsaufnahme zu verstehen – Ehe, Elterndasein, alte Freunde, frühere Bands und Zeit, die förmlich durch die Finger läuft. „I Started That“ ist entsprechend auf vielfache Weise zu verstehen und macht mit seiner lässigen Präsentation richtig viel Laune. Wieder und wieder drängt die schneidende Lead-Gitarre an vorderste Front, verläuft sich der Gedankenstrom in den Widersprüchen des Seins und nimmt mit feiner Vintage-Note in den Arm. Ein „Dark Shadow“ hängt aber keinesfalls über dem Geschehen, wenngleich die dezente Clash-Note auf die falsche Fährte führt. Gewisse Brit-Indie-Einflüsse (u. a. The Libertines) lassen sich nicht von der Hand weisen.

Wieder und wieder taucht Vertrautes auf, zumeist als flüchtige Erinnerung, und bettet sich in ein wunderbar harmonisches Gesamtkunstwerk ein. Wie im wabernden „Trevor Wilson“, das erst mit dem zweiten oder dritten Durchlauf seine volle Schönheit offenbart. Da tauchen schon mal Bright Eyes-Harmonien auf, unerwartet und doch willkommen. In „Raising A City Girl“ werden Kanten präzise geglättet und von butterweichen Tasten aufgefangen. Das hat ab und an Buckley-Charme, rückt Gallands angenehme und zugleich eindringliche Stimme gekonnt in den Mittelpunkt.

Diese halbe Stunde vergeht wie im Flug und macht unbedingt Lust auf mehr – wie gut, dass Galland zuletzt mehr als genug neues Material aufgenommen hat. „No Rockstars“ verbindet Retrospektive mit einem Blick auf das Hier und Jetzt und schlägt zugleich musikalische Brücken. Zwingende, kraftvolle Indie- und Alternative-Töne verbinden sich mit Folk- und Singer/Songwriter-Traditionen, in der Regel eher kompakt und mit einem Auge für das Wesentliche aufgenommen und umgesetzt. Fast beiläufig fließen die Songs aus den Boxen, bäumen sich kaum merklich auf und nehmen in den Arm, stolpern über Memory Lane und lassen sympathische Zufriedenheit erkennen. Die Fortsetzung kann kommen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 13.10.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Website: www.jordangalland.com
Instagram: www.instagram.com/landofgal