Dexter And The Moonrocks – Friends That I Don’t Like

Dexter And The Moonrocks
(c) Derek Hockeymeyer

Manchmal geht einem einfach alles auf: Dexter And The Moonrocks gelang im Frühjahr mit „Freakin‘ Out“ ein viraler Hit – mehr als 200 Millionen Streams, Platz 33 in den USA und Platin-Auszeichnung. Für das texanische Quartett, das mit seinem Mix aus Alternative Rock, Country, Indie und etwas Pop Punk seit der Gründung 2021 nach einer eigenen Nische sucht, war das der verdiente Lohn harter Arbeit. Nach vier EPs, diversen Singles und unzähligen Konzerten landet nun das erste komplette Album: „Friends That I Don’t Like“ demonstriert eindrucksvoll, daass ihr überraschender Überflieger alles andere als ein Zufallsprodukt war.

Um das gleich vorweg zu nehmen: Ja, „Freakin‘ Out“ ist immer noch richtig gut. Der weit hinten in der Tracklist versteckte Song spielt mit Themen und Klängen der großen US-Radio-Rock-Zeit rund um die Jahrtausendwende und klingt dabei angenehm frisch. James Tuffs‘ raue Stimme transportiert jede emotionale Regung auf packende Weise. Auch im Country-Umfeld fühlt sie sich hörbar wohl: „12 Steps“ mit den Southern-Rockern Treaty Oak Revival spielt mit folkigen Tönen, steigert sich langsam und unaufhörlich. „Why Don’t You Say So“, der zweite Track mit Unterstützung, macht ebenfalls Laune. Country-Pop-Künstlerin Avery Anna sorgt für radiotauglichen Flair, die Band deutet bleierne Schwere nur an.

Tatsächlich haben Dexter And The Moonrocks aber ein Herz – und Händchen – für Grunge-Charme. In „Space Invader“ regiert zwar eine semi-poppige Melodie, doch findet man sich immer wieder in Post-Heavyness wieder. Seether lassen im besten Sinne grüßen, nebenher entsteht der Ohrwurm. „It’s A Lot“ lässt dem Pop-Punk-Faible freien Lauf und klopft eine wunderbare Hook ins ansonsten betont erdrückende Alternative-Rund. Zwischen diesen und anderen Stühlen fühlt man sich hörbar wohl, ebenso im kantigen Opener „Don’t Wanna Be High“, der sich am Scheitelpunkt all dieser Ideen und Ausrichtungen befindet. Der kantige Refrain geht nicht mehr aus dem Ohr.

Über weite Strecken hätte dieser Einstand auch vor 20 bis 25 Jahren wunderbar funktioniert, wobei Dexter And The Moonrocks eben bewusst nicht ’nur‘ in klassischen Alternative-Gefilden wildern. Country- und Americana-Einflüsse, Indie-Chic, dicker Post-Grunge und Pop-Punk-Melodien mischen kräftig mit, ohne auch nur annähernd überladen zu klingen. Klar, „Friends That I Don’t Like“ ist etwas sehr üppig ausgefallen, inklusive obligatorischem Gruß an DeMarcus DeRozan, aber frei von Cheez-Its. Oder übermäßig Käsigem, denn trotz wundervoller Maßlosigkeit macht dieser Einstand richtig Spaß. Aus der Zeit gefallen und doch ein spannendes Produkt der Zeit: Dexter And The Moonrocks toben sich auf ihrem ersten Album mit hörbarem Spielspaß und richtig guten Songs aus.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 02.10.2026
Erhältlich über: Severance Records / Big Loud Rock (Universal Music)

Website: www.dexterandthemoonrocks.com
Facebook: www.facebook.com/DexterAndTheMoonrocks