Tramhaus – Blister

Tramhaus
(c) Marc Elisabeth

Ihr erstes Album war nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch für ausgiebige Live-Aktivitäten. Nach einer Serie von Singles rannten Tramhaus vor ziemlich genau zwei Jahren mit „The Last Exit“ offene Türen ein und spielten im Anschluss 125 Konzerte in 22 Ländern binnen einem Jahr. Es ging durch ganz Europa, nach Japan und in die USA, auf Festival-Bühnen (u. a. Primavera und Sziget) ebenso wie in weniger besuchte Länder, darunter Moldawien und Kosovo. Nebenher entstanden erste Skizzen für eine neue Platte, später im GAM Studio in vertrauter Ardennen-Umgebung komplettiert. „Blister“ erscheint nun in einer internationalen Kooperation bei gleich sechs unterschiedlichen Labels, im GSA-Raum bei Siluh.

Musikalisch bleibt man sich im weitesten Sinne treu und legt Post Punk so weit wie möglich aus, abermals eng mit Noise Rock, Alternative und sogar etwas Post-Hardcore verwoben. Das zeigt sich ab der eröffnenden Single „Plovdiv“, die sich in vertrautem Fahrwasser bewegt – grantig, schroff, etwas abweisend und zugleich von faszinierender Kraft getragen. Wenn aus dem gefühlten Nichts wütende Schreie aus dem Arrangement brechen, ist alles im besten Sinne eitel – eine Anti-Hymne der derben Sorte. „Overachiever, Big Believer“ ist die ruhige, getragene Antwort darauf, zieht gefühlt jede Note möglichst weit in die Länge und kreiert ein Bollwerk der Heavyness, das dennoch resignierend anmutet.

Wechselnde Stimmungen und kleine Überraschungen nehmen in weiterer Folge das Heft fest in die Hand. So arbeitet „Sly (Like Ever)“ gefühlt durchgehend auf die obligatorische Eskalation hin, von einer Art Störsignal unterwandert. Nach wiederholten noisigen Ausrastern wird die Schlussminute laut, kantig und giftig. Im abschließenden „Swarm“ geht es mitten in die 90er, mit Grunge, mit Noise und mit Alternative Rock – ruppig, unbequem und doch von kleinen, süßlichen Widerhäkchen begleitet. „Cluster“ nimmt ein ähnlich gelagertes Riff auf und verkehrt dieses in Entschleunigung der verstörenden Sorte – ein trauernder Marsch, von einem Meer an Feedbackschleifen umgeben.

Es dauert wieder ein wenig, doch nach und nach erobert auch dieser noch eine Spur wüstere zweite Longplayer kalte Herzen mit unaufdringlicher Wärme. Diese vollends offenzulegen, dauert freilich ein wenig, verbirgt sich in der Regel hinter unzähligen Schichten an Noise, Riffs und angedeutetem Chaos. „Blister“ bringt ordentlich Energie mit, hörbar auf der Bühne und auf Tour gereift, Eindrücke aus aller Welt verarbeitend und in das ohnehin betont locker gehaltene musikalische Konstrukt einbringend. Trotz gerne mal abweisender Präsentation und drückender Schwere kann man sich der Faszination der Niederländer nicht entziehen. Nicht immer lässt sich so wirklich benennen, was Tramhaus gerade abziehen, doch packend und unterhaltsam ist es zu jeder Zeit.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 09.10.2026
Erhältlich über: Siluh Records (Cargo Records)

Website: tramhaus.com
Facebook: www.facebook.com/tramhaus