zeronic – Modernism

zeronic
(c) Jakob Gsöllpointner

Das erste österreichische Alternative-Jahrzehnt der 2000er gehörte unter anderem zeronic. Die drei Wiener veröffentlichten vier unterhaltsame Alben sowie eine Vielzahl an Singles und Kleinformaten, tourten mit allerlei Größen und wurden mit einem Musikvideo sogar als Nominierte beim New York International Film Festival vorstellig. Nach der zwischenzeitlichen Auflösung 2016 und Solo-Ausflügen von Sänger Michael „Mik“ Tanczos meldet man sich nun tatsächlich zurück. „Modernism“, das erste Album seit stolzen 14 Jahren, treibt den vertrauten Alternative Rock in eine zugleich kantige und hymnische Zukunft und befasst sich intensiv mit den Widersprüchen des modernen Lebens.

Bereits der Opener „The Hope And The Enemy“ zeigt eindrucksvoll, dass sie rein gar nichts verlernt haben – beklemmende Strophen, drückender Refrain, ein wenig Düsternis und schier unendliche Kraft machen sich breit. Speziell die Schlussminute hat es in sich. Ähnlich furios und intensiv zeigt sich „Heads Down“, das sich durch erstaunlich bleierne Schwere tankt und beklemmende Töne durch das verschwitzte Midtempo trägt. Das hat Stil, Haltung und raubt zugleich den Atem – ein gekonntes, intensives Bollwerk, das vor allem die Stärke der stoischen Rhythmusabteilung zeigt, songdienlich und doch wie ein steter Dynamo agierend.

Selbst für kleinere Mini-Spitzfindigkeiten wie „Your Truth Or Mine“ bleibt Platz, die man entsprechend vielschichtig auslegen kann, während die gedankenverlorende Gitarrenmelodie direkt ins Ohr geht – ein geschicktes Spiel mit Widersprüchen, nicht nur textlicher Natur. „A String Of Luck“ zieht hingegen direkt auf die Indie-Tanzfläche, fährt große Gitarrenwände auf und lässt zugleich die Tasten singen. Ein stoischer Uptempo-Wall übermannt regelrecht. Ebenfalls stark ist „A New Day’s Celebration“ als kleiner Stilbruch, der ein wenig bei Depeche Mode anklopft und dabei durch und durch zeronic bleibt. Bittersüße Schwere brennt sich ein.

Diese Comeback-Platte braucht ein wenig Geduld und ist vielleicht gerade deswegen so stark. zeronic ziehen weiterhin ihren ureigenen Stiefel durch, eine Spur vielschichtiger als zuletzt, keinesfalls auf der Stelle tretend und doch auf gewisse Weise an frühere Platten anknüpfend. Was sich – schon wieder – wie ein kleiner Widerspruch liest, passt letztlich perfekt zu einem Werk, das auf so ziemlich allen Ebenen auf das Paradoxe und Mehrdeutige setzt. „Modernism“ sucht und findet eine Zwischenwelt, die ideale Nische für wiedergeborene Veteranen. zeronic melden sich kraftvoll, energisch und im besten Sinne abgeklärt zurück.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 02.10.2026
Erhältlich über: Commitment (Broken Silence)

Website: www.zeronic.net
Facebook: www.facebook.com/zeronicmusic