Endless Wellness – Domino Days

Endless Wellness
(c) Luna Celine

Im Spa der Hoffnung nehmen Endless Wellness Platz und suchen nach besseren Zukunftsaussichten in Zeiten der Krise. Das in Wien ansässige Quartett rannte mit ihrem Anfang 2024 erschienenen Einstand „Was für ein Glück“ offene Türen ein und kletterte direkt auf Platz 7 der österreichischen Album-Charts. Zwei Amadeus-Nominierungen, unzählige Konzerte, eine kurzweilige Single sowie ein Besetzungswechsel später geht es in die nächste Runde. „Domino Days“, erneut von Jakob Herber (u. a. Bilderbuch, Culk, Buntsprecht) produziert, verschließt sich keinesfalls vor den Krisen und den Ernüchterungen der Gegenwart, spendet aber auch Mut für bessere Zeiten.

Bereits das eröffnende „Nur das Beste“ erkennt das Hier und Jetzt als fragile Entität, die jederzeit noch weiter zerfallen könnte – getragen von forsch schrammelnden Gitarren, gefährlichen Kanten und mäandernden Keyboard-Ausritten als Gegenpol. Das hibbelige, zugleich bedrückende „Kontrolle ist Messer“ verbindet stellenweise Punk und Post, steigert sich immer weiter in den Wahnsinn des Daseins hinein und geht mittendrin regelrecht durch die Decke. Im direkten Anschluss gibt sich „Die Katze“ einer gewissen Schwerfälligkeit hin und schurrt durch die Nacht. Der bewusst rohe Sound macht ordentlich Laune.

Die dringend benötigte Portion Hoffnung spendet abschließend „So allein sollen wir nie wieder sein“, beschwört das Gemeinsame und macht Platz für ein wenig Herzlichkeit, während die Zwielaute im Titel dialektal auszucken dürfen. In „Nie mehr sicher“ senden Endless Wellness eine starke Melodie nach der nächsten ins weite Rund, lassen den Song immer weiter anschwellen und tauchen im fast gewohnt augenzwinkernden Funkeln in fast kakophonisches Chaos ab, bis das Kartenhaus plötzlich in sich zusammenfällt. Und dann ist da noch „Happy And You Know It“, das definitiv so überhaupt nicht danach klingt. Greifbare Melancholie, emotionale Ermattung und schwerfällige Schleifen ziehen in einen wahren Sog.

Irgendwann kämpft man sich doch aus dieser Platte heraus, diesem wahren Schwall an Worten und Gefühlen, der zugleich die vermeintliche Last eines schweren zweiten Albums mit bestechender Leichtigkeit abschüttelt. Der Erfolg von Endless Wellness ist alles andere als ein Zufallsprodukt, das wird mit jeder weiteren Wiederholung von „Domino Days“ deutlich und deutlicher. Elf angenehm unterschiedliche und doch wie aus einem Guss wirkende Tracks bewegen sich im bewusst sehr breit gefassten Indie-Makrokosmos, nehmen in den Arm, führen durch den Schatten und lassen das zarte Licht der Hoffnung so hell wie möglich leuchten. Einmal mehr Wellness für die schrammelnde Seele.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Buback Tonträger (Indigo)

Facebook: www.facebook.com/endlesswellnesshallo