Sergio Torales – Interstellar Bedroom

Sergio Torales
(c) Serena Carlin

Seit über zehn Jahren ist Sergio Torales Straßenmusiker in Berlin. 1972 in Buenos Aires geboren und via Brasilien, Uruguay, Spanien und der Schweiz schließlich in der Hauptstadt gelandet, spielt er vor allem in U-Bahnhöfen, um den Hall für seine faszinierenden Kompositionen mit Gitarre, Gesang und Rhythmusmaschine zu nützen. Dort traf er auf Tom Hessler aka Der Assistent, der einen Sampler mit Straßenmusikern aufnehmen wollte. Das Unterfangen platzte zwar aufgrund mangelnder Förderung, die Verbindung der beiden blieb aber bestehen und mündet nun in Torales‘ erstem Album „Interstellar Bedroom“.

Torales klingt anderweltlich und doch stets fest im Hier und Jetzt verankert. Songs wie „We Are“ untermauern das auf schwer greifbare Weise, wie etwas flottere Khruangbin. Tiefenentspannung wird allerdings bestenfalls gestreift; stattdessen setzt es feinsinnige Gitarrenarbeit, leicht krautige Psych-Desert-Töne und ganz viel Echo zwischen beiläufig eingestreuten Vocals und bestimmtem Rhythmus. Eine gewisse Dringlichkeit ist vorhanden, jedoch wird nichts übers Knie gebrochen. „Interstellar Bedroom“ lehnt sich deutlich weiter zurück. Der eröffnende Titelsong schwebt über den Dingen, von irdischen Fesseln losgelöst, bis die Saiten letztlich zu singen beginnen.

„It’s About Love“ fühlt sich dafür wie eine enge Umarmung an, obwohl eigentlich herzlich wenig passiert. Die Gitarre singt mit dezent südamerikanischem Beigeschmack, der Rhythmus bemüht maximale Entschleunigung und schier endloser Hall findet sich in unwirklichen Gefilden wieder. Eine sympathische Reggae-Facette bemüht hingegen „Soul Encounters“, bewegt sich gedankenverloren durch kosmische Spannungen und taucht immer wieder in dubbige Klänge ab. Dort wartet bereits „The Same“, erhöht das Tempo ein wenig und rockt wieder mit mehr Psychedelia, mit etwas Desert-Chic, aber auch mit einer wunderbar käsigen, eingängigen Synthie.

Viel zu schnell geht dieser Einstand vorbei, dauert keine halbe Stunde und hat gefühlt noch längst nicht alles gesagt. Sergio Torales gewährt einige wenige Einblicke in seine faszinierende Welt, die man auf keinen Fall missen möchte. Weite Teile dieser Platte scheinen sich auf einer komplett neuen Bewusstseinsebene abzuspielen, untermalt von musikalischen Einflüssen aus verschiedensten Ländern und Kontinenten, hörbar von der Lebensgeschichte und den Reisen Torales‘ beeinflusst. „Interstellar Bedroom“ findet seinen ureigenen Klangraum und erweitert diesen mit jeder neuen Note. Das hier ist Musik für die Seele.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Fun in the Church (Bertus)

Instagram: www.instagram.com/sergiotoralesmusic