Culk – smogstar

Die Stadt holt alle ein – auch Culk, die ihr mittlerweile viertes Studioalbum dem urbanen Raum widmen, begleitet von permanentem Rauschen, von Neuankömmlingen und Urgesteinen. Für die vier Wiener ist das aber nicht nur ein Heimspiel mit wechselnder Perspektive, sondern eine Neuerfindung auf Raten. Tatsächlich wollte das Quartett wieder zum Ursprungsgedanken zurückkehren, der sie einst zum gemeinsamen Musikmachen brachte, vom eigenen Umfeld geprägt und zugleich wieder deutlich unverkopfter unterwegs. Nach dem beklemmenden, gerne mal düsteren Meisterwerk „Generation Maximum“ geht es „smogstar“ deutlich lockerer und unmittelbarer an.
Mehr Reduktion („bare bones“ und zugleich „in your face“, wie es die Band nennt) und Fokus auf den unmittelbaren eigenen Sound stehen auf dem Programm. Der wunderbar schrubbende, nüchterne und leicht entstellte Vorbote „twenty, eighteen“ unterstreicht diesen Ansatz. Sophia Löw legt etwas Düsternis ab, hypnotisiert mit ihrer Stimme aber weiterhin, während sich hibbelige Gitarren und etwas Synthetik wiederholt den Midtempo-Spielball zuschupfen. „die welt in kreisen“ treibt fast nüchternes Understatement voran und erinnert musikalisch wie thematisch gerne mal ein wenig an Nichtseattle. Das folgende „nordwind“ mit seiner wiederholt aufbrandenden Gitarre verstärkt diesen Eindruck ein wenig.
Konstant wiegt diese Platte hin und her, treibt immer wieder aufregende Blüten. Dazu zählt ohne Frage „weiß nur wer ich nicht bin“, das grundlegende existenzielle Zweifel neben gedankenverlorene Musik stellt. Speziell die Strophen lassen sich treiben, Indie und Shoegaze kollidieren mit nüchternem Noise-Verständnis der minimalistischen Art. So kraftvoll und lebensbejahend wie in „kaputte speaker“ hört man Culk nur selten. Die Katharsis einer Liebeserklärung lässt einen ohnehin gewaltigen Refrain so richtig über sich hinauswachsen. An anderere Stelle dockt „willkommen in der stadt“ ein wenig an die noisige Art-Ästhetik von Sonic Youth an, bloß ohne experimentelle Verrenkungen. Leicht nervös lässt sich der Dreiminüter treiben.
Das hier ist schon ein wenig anders, keine Frage, aber eben auch richtig gut. Okay, an den unfassbar gewaltigen Vorgänger kommen Culk nicht ganz heran, das wäre aber auch absoluter Wahnsinn gewesen. Ob „smogstar“ nun als Reaktion, Kurskorrektur oder kleine Evolution durchgeht, wird wohl erst die Zeit entscheiden. Tatsächlich steht dieser wieder etwas andere, gleichermaßen vertraute und frische Ansatz dem Wiener Quartett ebenfalls wunderbar zu Gesicht. Insgesamt unmittelbarer, mit vermehrt lichteren Momenten ausgestattet, aufgeregt und gelegentlich überwältigt, aber immer stilsicher und deutlich – zwischen gelegentlichen Widersprüchen und understateter Energie blühen Culk ein weiteres Mal von der ersten bis zur letzten Sekunde auf.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 04.09.2026
Erhältlich über: Siluh Records (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/culkmusic
