Fontaines D.C. – Dopamine Chamber

Fontaines D.C.
(c) Ewen Spencer

Das konstante Entdecken, Erreichen und Erforschen neuer Klangräume begleitet Fontaines D.C. seit den Anfängen. Von den Post-Punk-Wurzeln blieb bei den Iren herzlich wenig übrig, das zeigte sich zuletzt bereits auf dem herrlich poppig-experimentellen „Romance“. Auch der neue Longplayer beschäftigt sich mit der Frage nach Zugehörigkeit, dreht sich allerdings um Flucht und Eskapismus. Dabei landet das Quintett in Hedonismus, Fantasiewelten und digitaler Reizüberflutung, dreht den Optimismus auf Sparflamme und fährt elektronische Einflüsse, Pop-Chic, 80s-Warnleuchten und schillernden Alternative nach oben. „Dopamine Chamber“ will als ‚Warnung vor einer drohenden Katastrophe‘ verstanden werden.

Bereits der Vorbote „Marianne“ machte laut und deutlich, dass bei Fontaines D.C. erneut ein etwas anderer Wind wehen würde. Der von der Serie ‚Ripley‘ inspirierte Track befasst sich mit Luxus und Verfall, von stetem Synth-Blubbern, sehnsüchtigen Vocals und einer im besten Sinne erschöpft anmutenden Band begleitet. Die anfängliche Reduktion von „Happy For You“ findet sich irgendwo im Nirgendwo, lässt Grian Chattens Gesang weitestgehend alleine in der Echokammer stehen. Erst Gitarre und etwas Synthethik, dann zarte Drums, schließlich das noisige Finale mit konsequenter Überforderung, das etwas die Brücke zu früheren Platten schlägt – es kann manchmal so einfach sein.

Und doch haben die Iren ganz und gar nicht vor, es irgendjemandem einfach zu machen. In „Where Is Gone?“ tritt Rosalía auf und bringt den stimmungsvollen, semi-orchestralen Ansatz ihres Top-Sellers „Lux“ in den Fontaines-Mikrokosmos ein. Zwei wie füreinander gemachte Stimmen schaffen ein magisches Duett, gespenstisch wie stimmungsvoll in halbwegs balladesken Gefilden operierend. Derlei ruhige Momente gibt es auf dieser neuen Platte gerne mal, siehe und höre das mächtige „One Man“ mit feinsinnigem Drum-Shuffle oder das funkelnde „Japan“. Hingegen drängt „Mimesis“ in New-Wave- und Synth-Pop-Gefilde, wie eine ureigene Version von New Order und mit energischer Pop-Hibbeligkeit doch wunderbar groß.

Willkommene Überforderung der sanften Art taumelt durch Hedonismus und findet Oden der vermeintlichen Verzweiflung in schillernden 80s-Welten. Die erneute Häutung gelingt Fontaines D.C., weil eigentlich nichts hieran komplett überrascht, sondern im besten Sinne logisch, vertraut und sinnig anmutet. Vor allem aber hat „Dopamine Chamber“ einmal mehr richtig gute Songs zu bieten, die Beneidenswertes offenbaren: Egal, welchen Sound die Iren gerade angehen, es klappt eigentlich immer. Gemeinsam mit einem fantastischen Gast, bewegenden nachdenklichen Momenten und komplett erstickter Hoffnung schwimmt das Quintett erneut auf der Erfolgswelle, die eigentlich keine solche ist, sondern die logische Entwicklung einer verdammt talentierten Band mit offenen Ohren und offenem Herzen darstellt.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: XL Recordings / Beggars Group (Indigo)

Website: fontainesdc.com
Facebook: www.facebook.com/fontainesband