Schlagwort: Electronica

Delilah Holliday

Delilah Holliday – Fat Cat

Eine Zeit unfassbaren Schmerzes liegt hinter Delilah Holliday. Während ihrer Schwangerschaft verstarb erst ihr Onkel Simon, der für sie wie ein Mentor war, dann die geliebte Großmutter. In dieser Phase entstand der Großteil ihres ersten Albums, kurz darauf verlor sie ihr ungeborenes Kind. Nicht in Worte zu fassender Schmerz und tiefste Trauer wurden in pointierten Sozialkommentar verwandelt, eine Kritik moderner Gesellschaftsstrukturen und kapitalistischer Institute, semi-autobiographisch verarbeitet. „Fat Cat“ setzt sich auch musikalisch ähnlich roh und immersiv über Grenzen hinweg und findet eine eigene Sprache.

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Fontaines D.C.

Fontaines D.C. – Dopamine Chamber

Das konstante Entdecken, Erreichen und Erforschen neuer Klangräume begleitet Fontaines D.C. seit den Anfängen. Von den Post-Punk-Wurzeln blieb bei den Iren herzlich wenig übrig, das zeigte sich zuletzt bereits auf dem herrlich poppig-experimentellen „Romance“. Auch der neue Longplayer beschäftigt sich mit der Frage nach Zugehörigkeit, dreht sich allerdings um Flucht und Eskapismus. Dabei landet das Quintett in Hedonismus, Fantasiewelten und digitaler Reizüberflutung, dreht den Optimismus auf Sparflamme und fährt elektronische Einflüsse, Pop-Chic, 80s-Warnleuchten und schillernden Alternative nach oben. „Dopamine Chamber“ will als ‚Warnung vor einer drohenden Katastrophe‘ verstanden werden.

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Tricky

Tricky – Different When It’s Silent

Obwohl sein letztes Album unter eigenem Namen inzwischen stolze sechs Jahre auf dem Buckel hat, war Tricky zuletzt alles andere als untätig. Der Endfünfziger veröffentlichte Platten als Lonely Guest und Theis Thaws, zudem ein gemeinsames Werk mit Dauermitstreiterin Marta. Auch die Tracks auf „Different When It’s Silent“ waren ursprünglich als weiteres Nebenprojekt gedacht, bis Manager Alan McGee ihn davon überzeugte, daraus ein Tricky-Album zu machen. Zwischen Frankreich und Bristol aufgenommen, greifen die 14 Songs den bestens vertrauten, nach wie vor düsteren TripHop- und Electronica-Sound in all seinen futuristischen Variationen auf.

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Laura Misch

Laura Misch – Lithic

Die Klangwelt ihrer Umwelt beschäftigt Laura Misch seit geraumer Zeit. Erst mit etwas Abstand entschied sich die Schwester von Tom Misch für die Musikkarriere, untermalt von ihren Wurzeln im Jazz und zugleich bewusst experimentell angelegt. Der 2023 erschienene Einstand „Sample Of Sky“ beschäftigte sich mit den Klängen der Natur, gekleidet in Electronica, Art-Pop und Ambient. Einen ähnlichen Weg beschreitet der Nachfolger, für den sich Misch eng mit den Sounds von Höhlen, Steinbrüchen, Gezeitentümpeln und steilen Küstenklippen beschäftigte, dort experimentierte und sammelte. „Lithic“ entspringt dem Gestein und befindet sich im permanenten Fluss.

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Tomor

Tomora – Come Closer

Zwei im Grunde nur auf den ersten Blick unterschiedliche Welten finden zusammen. Auf der einen Seite steht Tom Rowlands, der seit bald 35 Jahren mit The Chemical Brothers elektronische Musik revolutioniert und einst half, Big Beat zu popularisieren. Auf der anderen platziert sich Aurora, die norwegische Art- und Avantgarde-Singer/Songwriterin, deren Pop-Ansatz längst auch international für Furore sorgt. 2019 gastierte sie auf dem Chemical Brothers-Album „No Geography“, fünf Jahre später revanchierte sich Rowlands mit einem Beitrag für „What Happened To The Heart?“. Aus dieser Verbindung wurde letztlich das gemeinsame Projekt Tomora. „Come Closer“ ist das erste Album.

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XANKY

XANKY – small moves

Die Abkehr von einem vermeintlich gefestigten Karrierepfad legte den Grundstein für einen neuen Weg: Timo Xanke schloss den Popkurs der Hochschule für Musik und Theater Hamburg 2015 ab, studierte am Institut der Musik der Hochschule Osnabrück und arbeitete in seiner Tätigkeit als Songwriter und Produzent unter anderem mit Jupiter Jones und Tujamo zusammen. Als Die Krux ging es auf Solopfade – deutschsprachige Musik mit Folktronica-Einfluss, was sich für den Künstler nie so richtig stimmig anfühlte. Nach dem zwischenzeitlichen Rückzug und der Suche nach einer eigenen musikalischen Sprache geht es nun als XANKY englischsprachig weiter. „small moves“ ist das erste Album.

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Rival Consoles

Rival Consoles – Landscape From Memory

Ob als Solomusiker, Remixer oder Soundtrack-Produzent: Rival Consoles ist der Go-To für smarte, gerne mal understatete und doch stets gefühlvolle Electroklänge. Der Enddreißiger aus Leicester hat ein frustrierendes, unerwartetes Jahr der musikalischen Pause hinter sich, kehrt nun jedoch mit vollem Elan zurück hinter die Regler. Neben seinem Score für das Action-Adventure-Game „MindsEye“ blieb Zeit, das erste Artist-Album seit drei Jahren hinzulegen, beruhend auf diversen Releases der jüngeren Vergangenheit sowie frischem Material. „Landscape From Memory“ sammelt verschiedene Eindrücke von (kreativen) Reise und gibt diese meist euphorisch zurück.

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Mark Pritchard & Thom Yorke

Mark Pritchard & Thom Yorke – Tall Tales

Dass sich die Wege von Mark Pritchard und Thom Yorke erneut kreuzen würden, war unvermeidbar. Pritchards Radiohead-Remixes schafften die Basis, später lieferte Yorke einen starken Gastbeitrag auf „Under The Sun“, bevor man, quasi als Lockdown-Projekt, 2020 mit den Arbeiten an gemeinsamem Material begann. Wenig überraschend klingt das komplett anders. Pritchard setzte vor allem auf alte Synthesizer, Yorke bemühte möglichst viele verschiedene stimmliche Effekte – ein Rückgriff auf die legendäre „OK Computer“-Ära – und das inoffizielle dritte Mitglied Jonathan Zawada kümmerte sich um teils bizarre Visuals. „Tell Tales“ fragmentiert die Realität und sorgt für ein grandioses, kapitales Verwirrspiel.

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Sam Akpro

Sam Akpro – Evenfall

Warum sollte man Musik in Schubladen drängen, wenn man doch einfach verschiedenste Ideen und Ansätze frei miteinander kombinieren kann? Nach diesem Prinzip arrangiert Sam Akpro seine Songs. Der Südlondoner spielt mit Stimmungen, liebt Noir-Atmosphäre und findet Eingängigkeit selbst in ruppigen Gefilden. Zwischen sonnigen Tagen und kalten Nächten, zwischen Entfremdung und großem Wiedersehen spielt sich das erste komplette Album „Evenfall“ ab – wenig überraschend eine weitere kleine musikalische Häutung mit frischem Wind und alten Wunden, die wieder und wieder gekonnt zusammenfinden.

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Vraell

Vraell – Once A Blue Hour

Musik aus Begleiter durch die Wirren des eigenen Lebens, so lässt sich das erste komplette Album von Vraell in etwa umschreiben. Der Brite mit sizilianischen Wurzeln verbindet zurückgenommenes Gitarrenspiel mit Beats und Ambientklängen, veröffentlichte bereits diverse Songs und EPs, teils mit mehr als stattlichen Streamzingzahlen. Das neue Material schrieb er überwiegend in der besonderen Stimmung der Frühlings- und Sommerdämmerung, rang dabei mit der eigenen inneren Zerrissenheit und seinem sizilianischen Erbe. Auf dem Weg zu Selbsterkenntnis widmet sich „Once A Blue Hour“ Experimenten, Sinnsuche und kleinen Klanggemälden.

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