Agatha Is Dead! – Concrete

Agatha Is Dead!
(c) Marvin Machler

Erst einmal einspielen, dann Songs aufnehmen: Agatha Is Dead! fanden sich bereits im Winter 2021 und spielten zunächst jahrelang Shows im Berliner Underground. Hier ließen sie ihren Mix aus Post Punk, Garage Rock und Alternative reifen, fanden ihren eigenen Weg zwischen Melancholie, Intensität, Riffs und Tanzbarkeit, und traten unter anderem beim SXSW sowie bei einer monatelang im Voraus ausverkauften Headliner-Show im Berliner Lido auf. Bevor es aufs Reeperbahn Festival sowie zwei Touren im Oktober und Februar geht, landet mit „Concrete“ mal eben zwischendurch ein packendes, angenehm vielschichtiges erstes Album.

In einer intensiven Auseinandersetzung mit der immer lauter werdenden Welt, während man selbst mit Identität, Bedeutung und Selbstreflexion, Liebe und Verlust ringt, entsteht ein recht eigenwilliger Einstand. „Referential Excess“ umfasst die Eigentümlichkeit dieser Platte wunderbar, erinnert in seiner Grundstimmung an die Pioniere der 80er, liebt aber ebenso seine mächtigen Gitarrenwände. Lilly Bartholomew-Günthers Stimme strahlt einladende Bedrohlichkeit aus und bringt konstantes Ringen um Fassung mit Leichtigkeit zum Ausdruck. An anderer Stelle lassen die Wolken einen Hauch von Licht rein und holen Schramm hinzu. Das gemeinsame „Cold-Hearted“ schmerzt und funkelt zu gleichen Teilen.

Und das ist noch längst nicht alles, was diese Platte zu bieten hat. „Bedtime“ tastet sich erst einmal vorsichtig voran, nur um von purer Wucht an die Wand gedrückt zu werden. Hier leben Agatha Is Dead! – nicht zum letzten Mal – ein gewisses Alternative-Rock-Faible aus und intensivieren die greifbare Schwere durch pure Heavyness. Wieder ein paar Türen weiter bringt „I Lost A Friend“ zumindest musikalische Euphorie aufs Parkett und tänzelt durch einen Post-Punk-New-Wave-Hybrid, durch vorwitzigen Gitarren-Rock und eine knackige Hook. Die „Kind Regards“ sind alles andere als freundlich oder einladend, von den wüsten Drumrolls bis zum hymnischen und zugleich ruppigen Garage-Chorus.

Das muss man erst einmal sacken lassen. „Concrete“ ist ein mehr als mächtiger, auf allen Ebenen packender Einstand geworden, der sich erst beim zweiten und dritten Anlauf so richtig erschließt. Der sich bewusst von Schema-F-Post-Punk-Trendreiterei fernhält und eine eigene Identität offenbar. Klar, Vergleiche von Joy Division und The Cure über Fontaines D.C. bis Protomartyr schwingen gerne mal mit, kratzen aber bestenfalls an der Oberfläche. Agatha Is Dead! haben sich über mehrere Jahre als Live-Band gefunden und heimsen nun die mehr als verdienten Lorbeeren ein. Ihr von vorne bis hinten unterhaltsamer, unbequemer und aufwühlender Erstling macht Laune.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Duchess Box Records (Bertus)

Website: www.agathaisdead.com
Facebook: www.facebook.com/agathaisdeadband