Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Idles

Idles – Crawler

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Bloß möchte Joe Talbot nicht mehr zum Rundumschlag ausholen, auch wenn er das selbst zuletzt nur selten tat. Dennoch schlagen Idles zumindest textlich andere Töne an. Die wohl wichtigste Post-Punk-Band der letzten Jahre richtet den Blick nach innen, legt einen Seelenstriptease hin und häutet sich bei dieser Gelegenheit auch musikalisch ein wenig, ohne dabei eine komplette Abkehr zu erzwingen. Das Ergebnis nennt sich „Crawler“, mischt die Karten neu und betont dennoch gekonnt, was die Briten auf ihren bisherigen Alben so stark machte.

Weiterlesen
Beans On Toast

Beans On Toast – Survival Of The Friendliest

Das jährliche Geburtstagsalbum von Jay McAllister ist immer wieder in Grund zur Freude. 2020, zum 40er, feierte er gleich doppelt mit einer nostalgischen Bandplatte und einer Pandemie-Folkplatte. Nun geht es darum, den Käse hinter sich zu lassen und etwas Hoffnung, etwas Frohsinn, sogar etwas Euphorie anzustimmen. „Survival Of The Friendliest“ widmet sich den schönen Dingen im Leben, zelebriert die Kleinigkeiten, die warmherzigen Momente, die Aussicht auf bessere Zeiten. Ob es dafür zu früh ist oder nicht: Eine Portion Optimismus legt sich momentan wie Balsam auf geschundene Seelen.

Weiterlesen
Robert Plant & Alison Krauss

Robert Plant & Alison Krauss – Raise The Roof

Seit dem Ende von Led Zeppelin hängt der Schatten der Rock-Legenden über dem Werk von Robert Plant. Nur selten schafft es der Sänger, dem monumentalen Erbe vollends zu entkommen (wiewohl die vermeintlichen Erblast-Alben häufig exzellent ausfallen). „Raising Sand“ war einer dieser Erfolge. Gemeinsam mit Country- und Bluegrass-Sängerin Alison Krauss entstand die Zusammenkunft zweier Welten im weiten Americana-Feld, schon jetzt ein moderner Klassiker. 14 Jahre später wagen sie es wieder und covern sich mit wachsender Begeisterung durch die Szeniere. „Raise The Roof“ fängt den vertrauten Esprit gekonnt ein.

Weiterlesen
Jónsi

Jónsi – Obsidian

Nach seinen zuletzt eher poppigen Soloalben versucht Jónsi einen neuen Ansatz. Das Sigur-Rós-Mitglied präsentiert ein Überraschungsalbum zu seiner aktuellen Kunstinstallation. Hooks und Beats sind hier überwiegend fehl am Platz, aber was heißt das für die neue Platte? „Obsidian“ bemüht Klänge, die man eher der Hauptband zuordnen würde, die mit dieser aber eigentlich auch nur rudimentär etwas am Hut haben. Ausladende Flächen, viel Ambient und Reduktion, dazu ein paar elektronische bis technoide Exkurse wagen sich zu neuen Ufern vor.

Weiterlesen
Geese

Geese – Projector

New York will den Post-Punk-Thron zurück, auf dem sich einst Interpol in Schale warfen. Eine blutjunge Band soll es richten, die überaus gehypten Geese. Die fünf Noch-Teenager genießen bereits einiges an Hype, und der ist mehr als nur verdient. Sie brauchten nur eine Handvoll Songs, um von allerlei Labels unworben zu werden. Gelandet sind sie beim britischen Edel-Indie Partisan Records, wo unter anderem Idles und Fontaines D.C. loslegten. „Projector“ zeigt eine Band, die gut 40 Minuten lang ihre Identität sucht und daran große Begeisterung findet.

Weiterlesen
KAAK

KAAK – Schrei doch

Die häppchenweise Veröffentlichung von Vorboten im Vorfeld eines Albums gehört längst zum guten Ton. KAAK wollten es trotzdem etwas anders machen und koppelten Song um Song über ein ganzes Jahr hinweg aus – zwölf Tracks, zwölf Monate vom Herbst 2019 bis Herbst 2020. All das geschah in Eigenregie, gekrönt von einem in Eigenregie organisierten Festival im Sommer 2021. Nun gibt es das gesamte Material endlich gesammelt auf CD und streng limitierter LP. Unter dem Titel „Schrei doch“ arbeitet sich das Quartett um Sänger Leon Kaack an Wut, Biss und Zynismus durch Selbstinszenierung und Selbstkasteiung ab.

Weiterlesen
Nathan Gray

Nathan Gray – Rebel Songs

Angesichts der zuletzt betont introvertierten, persönlichen Texte vergisst man gerne, dass Nathan Gray ein sehr politischer Mensch ist – dafür reicht ein Blick auf die Anfänge von Boysetsfire. Als sich der private Nebel sozusagen lichtete, folgte die Rückkehr mit Auge auf die Zukunft. Gray widmet sich seiner politischen Lebensgeschichte und schlägt die Brücke zur Gegenwart mit einem Statement gegen Spaltung, gegen soziale Kälte. Und so befasst sich „Rebel Songs“ mit dem Protest als Stilmittel, begleitet von prominenten Freunden und der Freude am dicken Bandsound.

Weiterlesen
Small Jackets

Small Jackets – Just Like This!

Die endlose Saga der plattenlosen Small Jackets scheint nun endlich überwunden. Tatsächlich liegt das letzte Album bereits stolze acht Jahre zurück. Mittlerweile konnten sich die italienischen Rocker nach gefühlt konstanter Unbeständigkeit endlich ein solides Line-up sichern, das seit kurz nach dem Release von „IV“ gemeinsam unterwegs ist. Nicht nur das, musikalisch beschreitet man andere Wege. Ging es auf dem letzten Werk noch vornehmlich darum, so heavy wie möglich zu klingen, bemüht „Just Like This!“ Blues, Roots, Desert und generell mehr Lässigkeit. Das Konzept geht auf.

Weiterlesen
Es war Mord

Es war Mord – Four Track Mind Vol. 4 – In der Miesosuppe

Das Konzept ist so einfach wie genial: Für die Serie „Four Track Mind“ lädt Tomatenplatten Bands in ein kleines Studio, um auf einem Vier-Track-Tascam-Kassettenrecorder ein paar Songs einzuspielen. Für die mittlerweile vierte Auflage konnten Es war Mord gewonnen werden, das Berliner Quintett mit Düster-Punk-Faible. Auf bislang einem Album und mehreren Kleinformaten ging es um unbequeme, durchaus politische Themen mit klarer Kante. Schlechte Streitkultur, Aggressionsprobleme und Identitätskampf statten die sechs Songs auf „In der Miesosuppe“ aus.

Weiterlesen
Kosmodome

Kosmodome – Kosmodome

Von der Riff-Brigade zur großen Prog-Hoffnung: Kosmodome um die beiden norwegischen Brüder Sturle und Severin Sandvik gelten als neue Hotshots im psychedelisch veranlagten, von den 60er Jahren geprägten Subset der ausladenden Gitarrenmusik. Obendrauf setzt es Stoner- und Alternative-Ansätze für ein wenig moderne Würze, dazu Texte über Vielfalt und Außenseiter. Das erste Album heißt ebenfalls „Kosmodome“ und bemüht sich um starkes Storytelling, gepaart mit Atmosphäre. Ob dieses Selbstbewusstsein auch musikalisch umgesetzt werden kann?

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?