Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Lawn Chair

Lawn Chair – You Want It! You Got It!

Vor drei Jahren gegründet, zwei EPs veröffentlicht, fleißig durch Deutschland getourt, dazu ein kleiner Abstecher nach England: Lawn Chair nahmen bislang so ziemlich alles mit, wenngleich es zuletzt eine Spur ruhiger um sie geworden war. Tatsächlich war das Quintett zuletzt mit den Aufnahmen ihres ersten kompletten Albums beschäftigt, für das man in langen Sessions nach und nach den eigenen Sound und die eigene Stimme perfektionierte. „You Want It! You Got It!“ ist laut und kritisch, aber ebenso voller Herz und Sehnsucht, getragen von Post Punk, Indie Rock und einer feinen Prise Pop-Charme.

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Ghostwoman

Ghostwoman – Welcome To The Civilized World

Erst veröffentlichten sie drei Alben binnen 18 Monaten, dann dauerte es annähernd zwei Jahre bis zum vierten Streich: unorthodox ist bei Ghostwoman Standard, inklusive neuer Schreibweise des Bandnamens. Und einer gesunden Portion Nihilismus, denn das Duo weiß um die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens, Musik zu machen. Schließlich ist die Welt dem Untergang geweiht, und Evan Uschenko und Ille van Dessel geben die Band auf der Titanic, die während dem unaufhaltbaren Versinken weiterspielt. Entsprechend wurde „Welcome To The Civilized World“ einfach nur gemacht, weil man es konnte. Weil es eh schon egal ist. Ein Prosit der vergänglichen Gemütlichkeit.

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Not Scientists

Not Scientists – Voices

Aktuell erleben No Scientists ein kreatives Hoch. Das Quartett aus dem französischen Lyon hat das dritte Jahr in Folge neues Material zu präsentieren – ein Album 2023, eine EP 2024, jetzt wieder ein neues Album, ihr insgesamt viertes. Dafür ging die Band nach Katalonien und arbeitete einmal mehr mit Santi Garcia zusammen, der ihre musikalische Vision beflügelt. Und die trägt weiterhin ordentlich Punk und Rock in sich, aber auch deutlich mehr Wave, Pop und Elektronik – drastisch, tanzbar, gerne mal eingängig und doch immer mit doppeltem Boden inmitten innerer und globaler Krise versehen. „Voices“ hat das Zeug zum großen Wurf.

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Boko Yout

Boko Yout – Gusto

Ein Album als Form der Selbsttherapie, um die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verarbeiten: Boko Yout verlangt seinem Full-Length-Einstand einiges ab. Aufgewachsen in Schweden, der Vater aus Togo, die Mutter aus Mosambik, dazu der überdimensionale Schatten der Evangelisch-Freikirchlichen Kirche für eine queere Person, die mit der eigenen Sexualität und Identität ringt – es hatte sich, gelinde gesagt, einiges aufgestaut. Und doch gilt Yout als eine der heißesten Aktien des Musiklandes, für diverse (Newcomer-)Preise nominiert, seine beiden EPs und die diversen Singles abgefeiert. Seinen Sound nennt er augenzwinkernd ‚Afro-Grunge‘ und liegt damit gar nicht mal so weit daneben. „Gusto“ befasst sich aber nicht nur mit den Kämpfen und Gräben der Jugend.

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Tristesse

Tristesse – Schönste Trauer

Eine fantastische EP, ein großartiges Album … und jetzt? Binnen kürzester Zeit konnten sich Tristesse zur neuen Top-Adresse für verträumten Rock mit Gaze und Alternative etablieren. Auf Lorbeeren sollen sich aber andere ausruhen, neues Material steht bereits in den Startlöchern. Nach diversen Singles landet mit „Schönste Trauer“ – je nach Sicht der Dinge – ein sehr kurzes Album oder eine etwas ausführlichere EP, erstmals als Quartett. In gerade einmal 19 Minuten liefern die Berliner ein Sammelsurium sympathischer und kurioser Beobachtungen aus ihrem Alltag, betonen Gegensätze und plädieren für Akzeptanz und das Gemeinsame.

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Balu Brigada

Balu Brigada – Portal

Darf es eine Portion Pop mit Ecken und Kanten sein? Balu Brigada aus Neuseeland schaffen es wie nur wenige andere, ein Radio- und Streaming-Publikum ebenso zu bedienen wie die Alternative- und Indie-Fangemeinde. Das Brüderduo Henry und Pierre Beasley macht seit knapp zehn Jahren Musik, veröffentlichte zwei EPs und schaffte zuletzt mit „So Cold“ seinen Durchbruch – weit über 30 Millionen Streams, US-Late-Night-Auftritte und ein Platz auf dem ‚EA FC 25‘-Soundtrack. Stolze drei Jahre arbeiteten sie an ihrem ersten Album, unter anderem in Los Angeles, Berlin, New York und der Heimat, nun ist „Portal“ bereit für den großen Wurf.

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Slow Crush

Slow Crush – Thirst

Wenige verstehen Shoegaze so lautmalerisch und unbequem wie Slow Crush. Das belgische Quartett nahm sich nach zwei packenden Platten eine kleine Studio-Auszeit, wechselte das Label und legte den Fokus auf den Feinschliff auf der Bühne. Als die Arbeiten an neuer Musik begannen, wollte man unbedingt eine Metamorphose bemühen, ohne alles, was bisher war, komplett zu ignorieren. Exakt das ist letztlich auch gelungen: „Thirst“ bleibt weiterhin im Gaze-Umfeld unterwegs, gibt sich aber insgesamt deutlich lauter, heavier und noisiger – ein echtes Bollwerk und ohne Frage die erhoffte Wiedergeburt.

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Jehnny Beth

Jehnny Beth – You Heartbreaker, You

Neue Musik von Jehnny Beth ist stets ein Festmahl, ob mit den leider in Langzeit-Pause befindlichen Savages, im Duett mit Bobby Gillespie oder als allseits beliebter Gast für diverse Künstler. Und dann ist da noch ihre spannende Solokarriere, die mit „To Love Is To Live“ vor fünf Jahren ein herrlich unorthodoxes Album abwarf. Dessen Eindringlichkeit rettet die Französin ins Hier und Jetzt und präsentiert eine Platte, die auf dunkle Zeiten reagiert – mal laut, schroff und bewusst grantig, dann wieder zart, flüstern, nahezu einfühlsam. „You Heartbreaker, You“ ringt mit einer Pluralität an Eindrücken und stellt sich musikalisch entsprechend breit auf.

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Braxton Cook

Braxton Cook – Not Everyone Can Go

Ob als Sänger, Songwriter oder Saxofonist: Braxton Cook zählt zu den großen Jazz-Talenten dieser Zeit. Er spielte und tourte mit zahlreichen Größen, unterhält nebenher zudem eine Solokarriere, die ihn mit diversen anderen Musikern und Instrumenten zusammenbringt. So auch auf seinem nunmehr fünften Longplayer, der einmal mehr Jazz und RnB großzügig verbindet und sich dabei bewusst mit Veränderungen auseinandersetzt, speziell jenen als junger Vater. „Not Everyone Can Go“ erkennt, dass man sich von gewissen Hobbys und Interessen trennen muss, um Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu finden.

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Pendulum

Pendulum – Inertia

15 Jahre zwischen zwei Alben, das ist ne Menge Holz. Für Pendulum ist es das Ende einer langen musikalischen Reise. Etwa zwei Jahre nach dem Release von „Immersion“ verabschiedete man sich in eine Pause auf unbestimmte Zeit. Nach und nach fand das australische Quintett wieder zusammen, über einen DJ-Gig und erste Festival-Auftritte bis hin zur ersten Tour. Obwohl bereits im Sommer 2014 über ein neues Album gesprochen wurde, begannen die tatsächlichen Arbeiten erst sechs Jahre später. Seither erschienen diverse Singles und EPs, nun nach und nach mit frischem Material als „Inertia“ vereint.

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