Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
The Wytches

The Wytches – Talking Machine

Bevorzugt wirre musikalische Welten und wechselnde Drummer – zwei Dinge, die The Wytches seit ihrer Gründung vor bald 15 Jahren auszeichnen. Das Quartett aus dem britischen Peterborough wollte sich auf seine Wurzeln konzentrieren und entschied sich, den mittlerweile fünften Longplayer live einzuspielen und selbst zu produzieren. Und das darf durchaus mal menschlich klingen, kleinere Fehler inklusive, die einfach auf Band belassen wurden. Entsprechend organisch, lebendig und mehr retro denn je klingt „Talking Machine“, ein gezielter Rückgriff auf 60s-Psychedelia, der in seiner Schlichtheit massiv und intensiv klingt.

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Packaging

Packaging – Packaging

Daniel „Connor“ Birch (Flaural) und Daniel Lyon (Spirit Award) lernen sich 2016 auf Tour kennen. Aus der anfänglichen Freundschaft entstand schnell der Drang, musikalische Ideen auszutauschen – bei Nacht, unabhängig von etwaigen geographischen Grenzen. So ging es wiederholt zwischen Denver und Seattle, den Homebases, hin und her, während beim Ausloten eigener Grenzen Songs entstanden und aufgenommen wurden. Das Ergebnis heißt Packaging und wandelt bodenständig durch Träume, analog und digital zugleich. Ihr erstes Album hört auf denselben Namen und kreiert binnen kürzester Zeit einen hochspannenden musikalischen Mikrokosmos.

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Robert Finley

Robert Finley – Hallelujah! Don’t Let The Devil Fool Ya

Ein spätberufener Blueser macht vielleicht keinen Sommer, dafür richtig gute Musik. Robert Finley mag inzwischen 71 Jahre alt sein, doch steckt seine Musik – mehr denn je – voller Herz, Leben und Spiritualität. Und funktioniert zudem relativ flott, denn die Sessions mit Dauer-Begleiter Dan Auerbach schlossen das Tracking der gesamten neuen Platte an einem einzigen Tag ab – komplett improvisiert, so wie damals, als Finley auf der Straße für ein paar Dollar spielte. „Hallelujah! Don’t Let The Devil Fool Ya“ richtet sich am Glauben aus, macht den Protagonisten zum Sprachrohr und findet abermals seine innere Mitte zwischen Blues, Soul und RnB.

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TV Cult

TV Cult – Industry

Der Begriff ‚Achtungserfolg‘ mag es vielleicht nicht so ganz treffen, und doch sorgte „Colony“ für ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit, gerade in Post-Punk-Kreisen (unter anderem zählt Idles-Bassist Adam Devonshire zu den Fans der Platte). Dahinter steckt das Kölner Quartett TV Cult, dessen aufbrausender, roher und lauter Aufgalopp Genre-Grenzen sprengte, sich noisig, aber auch finster und desolat gab. Knapp zwei Jahre später landet nun der Nachfolger „Industry“ und schlägt eine halbe Stunde lang in eine ähnliche Kerbe. In Köln von Christoph Scheidel (Hammerhead) aufgenommen, in den Londoner Holy Mountain Studios von Misha Hering (High Vis, Idles) gemischt und in Portland von Brad Boatright („Stranger Things“-Soundtrack) gemastert, stimmt die Richtung weiterhin.

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Upchuck

Upchuck – I’m Nice Now

Punk-Bands sind bei Domino Records die absolute Ausnahme und müssen wohl besondere Qualitäten mitbringen. Alleine deswegen sorgt das Signing von Upchuck für Aufsehen, doch macht es nach den ersten beiden starken Alben des Quintetts aus Atlanta, Georgia durchaus Sinn. Der Verbindung von räudigen Klängen aus der Garage mit Punk-Esprit, sozialkritischen Texten und ungewöhnlichem Cumbia-Einschlag machte unter anderem Ty Segall zum Fan, der nun bereits zum zweiten Mal in Folge für Upchuck produzierte. „I’m Nice Now“ spielt mit dem Selbsterhaltungstrieb, der POCs in den USA auch dann zu Höflichkeit zwingt, wenn diese keinesfalls gerechtfertigt ist, und ist doch stets voller Wut.

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Ash

Ash – Ad Astra

Nur wenige Bands schaffen es, über einen derart langen Zeitraum so spannend, relevant und zugleich zuverlässig zu bleiben, wie das Ash scheinbar mit Leichtigkeit tun. Seit über drei Jahrzehnten setzt es Power Pop, Alternative Rock und mehr von den Nordiren, die sich im Laufe der Zeit gerne mal häuteten, sich auf Raten neu erfanden und doch immer ablieferten. Die Pläne, eine Synth-Pop-Platte abzuliefern, verwarf das Trio allerdings (vorerst), gestärkt durch den Erfolg und die Beliebtheit von „Race The Night“ vor zwei Jahren. Das könnte immer noch kommen, doch brauchte es zunächst ein relativ ‚klassisches‘ Ash-Album. Und „Ad Astra“ könnte letztlich exakt das sein.

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Zhaat

Zhaat – Other Prophets

Bei Zhaat finden die Puzzleteile automatisch zusammen. Das Quartett aus Leipzig wählte ein vermeintliches Fantasiewort, das mystisch, wertfrei und ohne jegliche Einschränkungen sein sollte. Letztlich handelte es sich doch um einen Begriff aus dem Arabischen, der so viel wie „Essenz“ oder „das Innerste“ bedeutet – mehr als passend. Man gönnte sich erst einmal Zeit, um den eigenen Sound zu kultivieren, ohne etwas übers Knie zu brechen. Ihr erstes komplettes Album nahmen sie in Eigenregie auf, den Mix übernahm Coogans Bluff-Drummer Charlie Paschen, bevor Noisolution zugriff, als die Platte schon im Presswerk war. „Other Prophets“ ist aber so viel mehr als ’nur‘ das Produkt glücklicher Fügungen.

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Idlewild

Idlewild – Idlewild

Anfang der 2000er hatten sich Idlewild dem verdienten Durchbruch angenähert, als es „The Remote Part“ in die Top 3 schaffte, mit Gold ausgezeichnet wurde und die einzige UK-Top-10-Single abwarf. Zwar schafften es die Schotten, was die Verkaufszahlen betrifft, nie ganz in die erste Liga, konnten mit ihrem vielschichtigen Indie-Sound dennoch anhaltend begeistern. Selbst eine längere Pause zwischendurch konnte dem Quintett nichts anhaben. Auch auf ihrem zehnten Album ziehen sie ihren Stiefel durch. „Idlewild“ entstand im Studio von Gitarrist Rod Jones, der sich auch um den Mix kümmerte, und konzentriert sich auf altbewährte Qualitäten.

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Pain Magazine

Pain Magazine – Violent God

Mitten im Winter gingen das französische Post-Hardcore-Trio Birds In Row sowie das französisch-amerikanische Industrial-Techno-Duo Maelstorm & Lousiahhh gemeinsam ins Studio. Einfach mal machen und schauen, was dabei rauskommt, das war der ursprüngliche Plan. Aus einem ersten Track wurde schnell ein gemeinsames Album. Pain Magazine klingen in etwa so, wie man sich das ob der beteiligten Musiker erwartet – laut, aufbrausend, heavy, aber auch unterkühlt und synthetisch. All das wird schon bald auf die Bühne gebracht. Bis dahin hält der Einstand „Violent God“ bei Laune.

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Ende

Ende – Utopia

Zu zweit als Kreativzelle, live als Quartett, zudem stets irgendwo zwischen Wien und Linz unterwegs: Ende stehen erst am Anfang, um dieses schwache wie offensichtliche Wortspiel zu bemühen. Seit Frühjahr 2023 veröffentlichen die Österreicher ihre Singles, die irgendwo zwischen Post Punk, dem aktuell grassierenden NDW-Mini-Revival, Indie und Pop angesiedelt sind. Nun wird erstmals ein klein wenig gebündelt: Mit „Utopia“ legt das Duo eine EP vor, die sich unter anderem mit kaputten Beziehungen, unerfüllten Sehnsüchten sowie dem oft fließenden Übergang zwischen Hoffnung und Untergang befasst.

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